Mit der Einführung der Ausschreibungen bricht der Ausbau der Windkraft zusammen. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für andere Märkte wie Indien oder die Türkei. ©Bild: IG Windkraft

Desaströse Bilanz: Deutsche Windbranche verliert durch Ausschreibungen 35‘000 Jobs– Bürgerenergie kämpft ums Überleben

(PM) Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Windrichtungen berichteten Stefan Gsänger, Generalsekretär des weltweiten Windenergieverbandes WWEA, und Stefan Schafferhofer, Leiter der Business Unit Windenergie von Elin Motoren, über die durchwegs negativen Erfahrungen mit den eingeführten Ausschreibungen zur Fördervergabe im Windenergiebereich.


„Nach zwei Jahren desaströsen Erfahrungen in Deutschland und weiteren negativen internationalen Beispielen muss mittlerweile jedem klar sein, dass Ausschreibungen den Windenergieausbau verhindern, anstatt ihn zu fördern“, bemerkt Gsänger. Und Schafferhofer ergänzt: „Aufgrund der internationalen Entwicklungen mussten wir 2018 in der Serienfertigung 25 Prozent unseres Personals abbauen, Folgeaufträge konnten nur zu desaströsen (ruinösen) Preisen gewonnen werden.“

Verunsicherung in ganz Europa
Deutschland hat durch Änderungen der Rahmenbedingungen für den Windkraftausbau die Windbranche in ganz Europa verunsichert. Allein seit 2017 gingen mehr als 35‘000 Arbeitsplätze verloren. Senvion, ein grosser Windradhersteller, ist in Konkurs (siehe ee-news.ch vom 6.8.2019 >>). Alle Hersteller stellten in den letzten Monaten Personal frei. Erst vorige Woche kündigte Enercon, der grösste deutsche Hersteller, weitere 3000 Entlassungen an (siehe ee-news.ch vom 12.11.2019 >>). Damit hat die deutsche Windbranche ein Viertel seiner Beschäftigten in nur drei Jahren verloren. „Seit der Änderung des Fördersystems in Deutschland ist der Markt regelrecht zusammengebrochen“, erklärt Gsänger. „Dabei ist diese Entwicklung nicht überraschend. In anderen Ländern, die ihr Fördersystem auf Ausschreibungen umgestellt haben, sind ähnliche Entwicklungen festzustellen.“

Bürgerenergie kämpft ums Überleben
Die Bürgerenergie ist untrennbar mit dem Aufstreben der Windenergie in Deutschland verbunden. Ohne die vielen Bürgerenergie-Projekte wäre die einstige Vorreiterposition Deutschlands undenkbar. Eine detaillierte Analyse der letzten Jahre zeigt nun, dass die Bürgerenergie-Windparks marginalisiert wurden. „Das ist eine fatale Fehlentwicklung, da Bürgerenergie für die Akzeptanz der Energiewende eine zentrale Rolle spielt“, so Gsänger. Nach Jahren des Aufschwungs befindet sich die deutsche Windbranche nun in einer Krise. Bis September 2019 wurden gerade einmal 514 Megawatt Windkraftleistung errichtet, was einem Ausbaueinbruch von 81 Prozent allein in einem Jahr entspricht. Die ausgeschriebenen Mengen wurden in den letzten Runden nur zu einem kleinen Teil vergeben. In der letzten Runde im Oktober verfielen sogar 70 Prozent der Ausschreibemenge (siehe ee-news.ch vom 18.10.2019 >>). „Das ist eine mehr als alarmierende Situation“, kommentiert Gsänger die Entwicklungen.

Internationale Erfahrungen vergleichbar
„Es ist immer wieder das gleiche Bild. Egal ob man nach Indien, in die Türkei oder nach Deutschland blickt, mit der Einführung der Ausschreibungen bricht der Ausbau der Windkraft zusammen“, erzählt Stefan Schafferhofer von seinen internationalen Erfahrungen, „Die Folge davon ist das Verfehlen von Ausbauzielen und der Abbau von tausenden Arbeitsplätzen.“ Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die österreichische Zulieferbranche. Durch den Einbruch der Ausbaumengen können sich die Windkrafthersteller komplett inhouse versorgen und den Zulieferbetrieben gehen viele Aufträge verloren. Dies hat weitere direkte Auswirkungen auf die Arbeitsplätze. „Allein 2018 mussten wir daher in der Serienfertigung 25 Prozent unseres Personals abbauen“, berichtet Schafferhofer.

Rahmenbedingungen sind entscheidend
Die Ergebnisse der Studie der WWEA und die Erfahrungen aus der österreichischen Zulieferbranche zeigt einmal mehr, dass Änderungen des Fördersystems sehr bedacht vorgenommen werden müssen“, bemerkt Moidl. Österreich wartet seit Jahren auf eine Änderung der Förderbedingungen. Durch das Platzen der Regierung ist diese wieder verschoben worden. „Aus den internationalen Erfahrungen muss Österreich die richtigen Schlüsse ziehen und die gleichen Fehler unbedingt vermeinden“, fordert Moidl abschliessend.

Bürgerwind im Ausschreibungsmodell – eine Bilanz >>

Aktuelle Ergebnisse der Ausschreibungen in Deutschland >>

Text: Interessengemeinschaft Windkraft Österreich (IG Windkraft)

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