Reges Interesse: Holzasche ist nicht nur Abfall. Bild: Holzenergie Schweiz

Verschiedene Firmen haben sich auf das Abholen und Entsorgen von Holzasche spezialisiert. Bild: Holzenergie Schweiz

Holzasche: Rohstoff oder Sondermüll?

(ER) In der Schweiz fallen jährlich jährlich rund 75'000 Tonnen Holzasch an. Dabei besteht Asche einerseits aus wertvollen Nährstoffen, die durchaus als Düngeergänzung einsetzbar wären, andererseits reichern sich darin aber auch Schwermetalle an, die von den Bäumen aus dem Boden aufgenommen werden. Unter dem Namen «Harve» läuft derzeit ein Projekt von Holzenergie Schweiz und des Schweizerischen Verbandes für Umwelttechnik zur Holzasche.


Rund 90 Personen, die sich beruflich mit Holzheizungen beschäftigen, nahmen im August 2019 in Wil SG an einem Informationsanlass zum Aufkommen, der Verwertung und der Entsorgung von Holzasche teil. Vier kompetente Fachleute aus der Branche referierten zum Thema.

Wäre da nicht die Asche…
Holz hat viele Vorteile und einen guten Ruf. Es wächst bei uns nach und ist im Kreislauf CO2-neutral. Für die Verarbeitung braucht es wenig Energie, es ist schön anzusehen und trägt in vielen Formen zu unserem Wohlbefinden bei. Wäre da nicht die Asche, die am Schluss der Kaskadennutzung beim Verbrennen anfällt.

Reinigung unserer Böden von Umweltgiften
Andreas Keel, Geschäftsführer von Holzenergie Schweiz zeigte auf, welche Arten von Holzaschen in welchen Mengen in der Schweiz anfallen. Gesamthaft sind es jährlich rund 75'000 Tonnen. Dabei besteht Asche einerseits aus wertvollen Nährstoffen, die durchaus als Düngeergänzung einsetzbar wären, andererseits reichern sich darin aber auch Schwermetalle an, die von den Bäumen aus dem Boden aufgenommen werden. Die Bäume filtern diese Schadstoffe, die vor allem aufgrund der menschenverursachten Umweltverschmutzung in die Böden gelangen, aus und lagern sie im Holz ein. Mit einer richtigen Behandlung und Verwertung der Holzasche kann die Wald- und Holzwirtschaft damit einen erheblichen Beitrag zur Reinigung unserer Böden von Umweltgiften leisten.

Als Dünger austragen verboten
Die Behörden sind sich der Problematik der Schwermetallbelastung der Holzasche bewusst. Dies zeigte Rene Gasser vom Amt für Umwelt des Kantons St.Gallen auf. Die rechtlichen Grundlagen wurden in den letzten Jahren den neuesten Erkenntnissen angepasst. Holzasche darf nicht mehr als Dünger in Gärten, Wald oder Landwirtschaft eingesetzt werden. Vor allem das Chrom VI, das bei der Verbrennung entsteht, ist sehr giftig und bedarf einer korrekten Behandlung und Entsorgung. Kleine Mengen können heute dem Hauskehricht für die KVA im offiziellen Gebührensack mitgegeben werden. Grössere Mengen finden Einsatz in der Zementindustrie oder werden auf offiziellen Deponien fachgerecht gelagert. Je nach Brennstoff und Schadstoffgehalt muss ein anderer Deponietyp gewählt werden. Verschiedene Firmen haben sich auf das Abholen und Entsorgen von Holzasche spezialisiert.

Projekt «Harve»
Unter dem Namen «Harve» läuft derzeit ein Projekt von Holzenergie Schweiz und des Schweizerischen Verbandes für Umwelttechnik zur Holzasche. Professor Maurice Jutz von der Effizienzagentur Schweiz informierte über den Inhalt des Projektes. Einerseits soll dabei in Erfahrung gebracht werden, wo welche Mengen in welchen Qualitäten anfallen. Um die Asche rationell und getrennt nach Typen sammeln zu können, wird eine effiziente Sammellogistik entwickelt. Das Pooling hat auch einen ökologischen Nutzen, indem zentral Rohstoffe wie Zink oder Phosphor zurückgewonnen und damit die Ressourcen geschont werden können. Mit einem Leitfaden zum Stand der Technik bezüglich Transport, Arbeitssicherheit, Staub, Deponierung und Verwertung soll der Branche der Handlungsspielraum und -bedarf aufgezeigt werden. Das Projekt wird voraussichtlich im März 2020 abgeschlossen und die Resultate veröffentlicht sein.

Ascheentsorgungsfirma
Peter Aschmann und Urs Dietiker von Holzasche Thurgau stellten ihre Ascheentsorgungsfirma vor. Mit einem selbst entwickelten Aschesauger bedienen sie kleine und grosse Holzfeuerungen in der Region Thurgau. Heute wird die Asche unsortiert in der Deponie Tüfentobel bei St. Gallen deponiert. Technisch sind auch getrennte Sammlungen für eine weitergehende Verwertung möglich. Ob die Erträge aus dem Recycling den höheren Aufwand aber decken, wird der Markt zeigen.

Holzenergie Thurgau und Lignum Holzkette St. Gallen als örtliche Mitorganisatoren des Anlasses sind gespannt auf die Ergebnisse des Projektes «Harve» und die künftige Verwertung von Holzasche. Sie tun ihr Bestes, damit Holz im Bau und bei der energetischen Nutzung seinen guten Ruf behält!

Text: Erwin Rebmann, Lignum – Holzkette St. Gallen, Holzenergie Schweiz

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1 Kommentare

Max Blatter

Es ist eine Krux! Vor Jahrzehnten wurde Klärschlamm aus Abwasserreinigungsanlagen als umweltfreundlicher Dünger propagiert – und wenig später wegen der Schwermetall-Belastung verboten. Nun wurde Holzasche ... das Gleiche von vorn! Zum einen zeigt das, wie wichtig die Vermeidung von Schwermetall-Einträgen in die Natur ist. Aber gibt es denn keine gangbare Möglichkeit, die Schwermetalle mit vernünftigem Aufwand aus der Asche (und dem Klärschlamm) herauszubekommen? Auf den Mond und den Mars fliegen können wir, aber ...

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