03. Jul 2019

Aufgrund der regional unterschiedlichen Ausgangslage und der unsicheren Käferholzentwicklung werden keine neuen Preisempfehlungen abgegeben. Für frisches Holz und für gute Käferholzqualitäten wird weiterhin Preisstabilität empfohlen. Bild: Holz Schweiz

Holzmarktkommission: Priorität auf Forstschutz und Verarbeitung von Käferholz

(PM) Die Holzmarktkommission hat am 25. Juni getagt. Waldbesitzer wie Holzverarbeiter waren sich einig, dass die Bekämpfung der Waldschäden und die raschen Verarbeitung des anfallenden Käferholzes oberste Priorität haben muss. Beide Parteien empfehlen weiterhin Preisstabilität, rechnen jedoch mit deutlich sinkenden Preisen bei den schlechteren Sortimenten. (Texte en français >>)


Die Bauwirtschaft verzeichnete witterungsbedingt im ersten Quartal 2019 einen deutlichen Aufschwung nach einem schwachen vierten Quartal 2018. Die Auftragslage ist gut bis sehr gut. Allerdings sind die langfristigen Tendenzen für die kommenden zwölf Monate zurückhaltender als auch schon. Der Holzbau zeigt auch immer noch gute Tendenzen (grosse Bauvolumen in Holz). Die Sägereien haben derzeit eine gute bis befriedigende Auftragslage.

Aktuelle Waldschaden-Situation
Die Waldholzlager mit letztjährigem Sturm- und Käferholz wurden inzwischen grossmehrheitlich abgebaut. Die Borkenkäfer waren dank der kühl-feuchten Witterung bis vor kurzem noch nicht so aktiv wie befürchtet. Es ist jedoch eine hohe Populationsdichte vorhanden, und aktuell breitet sich der Käfer sehr schnell aus. Es sind flächig Einzelbäume und zunehmend auch ganze Bestände betroffen, welche jeweils rasch geerntet werden müssen. Aus Zeitgründen wird das Holz teilweise im Bestand entrindet und liegen gelassen. In höher gelegenen Gebieten liegen nach den vergangenen Winterstürmen noch diverse Streuwürfe im Wald, die nicht aufgerüstet sind.

Unter den Zwangsnutzungen befinden sich ausserordentlich viele Weisstannen, die infolge von Trockenheit und Befall durch den krummzähnigen Weisstannenborkenkäfer abgestorben sind. Auch bei der Föhre und Lärche hat die Waldwirtschaft mit Ausfällen zu kämpfen. Erhöhte Schadholzmengen sind auch beim Laubholz zu beobachten (Trockenschäden Buchen und Eichen, Eschentriebsterben).

Markteinschätzung für das zweite Halbjahr 2019
Der europäische Nadelrundholzmarkt ist aufgrund des Sturm- und Käferholzes immer noch gesättigt, wobei es regionale Unterschiede gibt. Die Lager in den Sägereien sind nach wie vor gut gefüllt und die Aufnahmefähigkeit für neues Holz ist somit begrenzt. Die Schweizer Sägewerke sind angesichts der schwierigen Lage bereit, in den kommenden Wochen vor allem Käferholz anzunehmen und auf die Bestellung von frischem, unbefallenem Holz weitestgehend zu verzichten. Die Marktpartner rechnen mit deutlich sinkenden Preisen bei schlechten Qualitäten bzw. Käferholz. Sägerei-Restholz kann gut abgesetzt werden, allerdings zu teilweise tiefen Preisen (Hackschnitzel). Wegen der Schliessung von Pavatex ist kurzfristig zu viel Restholz auf dem Markt.

Bei Swiss Krono in Menznau hat ein zweiwöchiger, technisch bedingter Produktionsstillstand zu einer reduzierten Annahme geführt. Das Unternehmen gibt bekannt, dass die bestehenden Verträge mit den Lieferanten von Wald-Industrieholz deshalb voraussichtlich nur zu 90% eingehalten werden können. Die Nachfrage nach Holzwerkstoffplatten ist hingegen sehr gut. Swiss Krono Schweiz beabsichtigt, den Frischholzanteil auf 100% zu erhöhen (zulasten von Recyclingholz) und dabei vor allem auf Schweizer Holz zu setzen. Dazu sollen entsprechende Verträge mit den Lieferanten abgeschlossen werden.

Empfehlungen für Waldbesitzer
Der Fokus der nächsten Wochen und Monate muss zwingend beim Forstschutz liegen, um die weitere Ausbreitung der Käferpopulation einzudämmen. Die Forstschutzmassnahmen sind möglichst zeitnah auszuführen. Holz aus Zwangsnutzungen soll jedoch nur aufgerüstet werden, wenn der Absatz gesichert ist. Ansonsten lässt man das Holz besser im Wald stehen oder liegen. Die Option, gefälltes Holz im Bestand zu entrinden und liegen zu lassen, soll vermehrt genutzt werden. Falls die Käfer bereits ausgeflogen sind, kann an geeigneten Orten auch Käferholz stehend im Wald belassen werden. Nadel-Frischholz ohne Käferbefall ist nur sehr zurückhaltend und auf konkrete Bestellung zu fixierten Preisen aufzurüsten.

Aufgerüstetes Holz sollte so rasch wie möglich abgeführt werden, um eine Verblauung und damit eine Wertverminderung zu verhindern. Schöne Erdstämme sollten breit ausgelegt und sofort zu Abfuhr gemeldet werden. Falls eine rasche Abfuhr von schönen AB-Stämmen nicht möglich ist, ist das Anlegen eines Nasslagers zu prüfen. Über alle Sortimente ist darauf zu achten, dass das Holz sehr gut sortiert gelagert wird. Grosse, gut sortierte Polter finden einen besseren Absatz und lösen bessere Preise. D-Holz ist konsequent auszusortieren und nicht mit BC-Sortimenten zu mischen. Es macht wenig Sinn, Holzlager anzulegen, die nicht verkauft werden können und die Kanäle für Frischholz-Nutzungen blockieren.

Den Forstbetrieben wird empfohlen, im Schutzwald diejenigen Holzschläge vorzuziehen, bei denen möglichst wenig Holz anfällt oder das Holz liegen gelassen werden kann. Forstbetriebe mit Überkapazitäten sollen nach Möglichkeit auf Arbeiten für Dritte ausweichen. Laubholzschläge und Energieholzschläge sind möglichst früh auszuführen, sofern der Absatz gesichert ist.

Beide Parteien sind sich einig, dass es angesichts der regional unterschiedlichen Ausgangslage und der unsicheren Käferholzentwicklung keinen Sinn macht, neue Preisempfehlungen für einzelne Sortimente abzugeben. Für frisches Holz und für gute Käferholzqualitäten wird weiterhin Preisstabilität empfohlen.

Zum Einsatz von Holzschutzmitteln
Zurzeit sind mehrere politische Vorstösse zum Thema Pestizideinsatz in der Land- und Forstwirtschaft hängig. Der Einsatz von Holzschutzmitteln (Pestizide, Insektizide) ist im Wald grundsätzlich verboten, kann aber in begründeten Ausnahmefällen vom Bundesamt für Umwelt BAFU erlaubt werden. Holzschutzmittel verhindern, dass gelagertes Rundholz von Insekten und Pilzen befallen wird und an Wert verliert. Die Wald- und Holzwirtschaft ist seit je her bemüht, geerntetes Holz so rasch wie möglich abzuführen und auf den Einsatz chemischer Hilfsmittel im Wald zu verzichten. Gerade nach grossen Sturmereignissen und anschliessendem Käferbefall kann sich die Holzabfuhr jedoch verzögern, und das Holz muss im Wald gelagert werden. Der gezielte Einsatz entsprechender Produkte ist nur auf Holzlagerplätzen erlaubt, streng reglementiert und wird durch das BAFU und die kantonalen Forstdienste überwacht.

Text: Holzmarktkommission von Holzindustrie Schweiz

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