15. Mai 2019

So funktioniert Windgas. ©Bild: Carsten Raffel / Greenpeace Energy eG

Impulsgeber für die Umwandlung von Windstrom in Wasserstoff ist nicht nur die Windenergiebranche und Grünstromanbieter wie Greenpeace Energy, sondern eben auch die Gaswirtschaft selber. ©Bild: Marc-Oliver Schulz / Greenpeace Energy eG

DeuDan: Grüneres Gas dank Windenergie-Wasserstoff-Einspeisung in die Hochdruckgasleitung

(©DJ) Nach der Kooperation mit den Stadtwerken Hassfurt steigt Greenpeace Energy in ein zweites Projekt zur Erzeugung von Wasserstoff aus Erneuerbaren ein. Seit Herbst 2018 ist Greenpeace Energy Kommanditist der Firma Energie des Nordens GmbH Co. Kg aus Ellhöft in Nordfriesland. Geplant ist ein Elektrolyseur im Ort Haurup, dessen Wasserstoff in die DeuDan Hochdruckgasleitung der Gasunie Deutschland Transport Services GmbH eingespeist werden soll.


„Wir befürworten das Vorhaben sehr“, sagt deren Pressesprecher Philipp v. Bergmann-Korn, Kommunikationschef der Gasunie, die selbst in der Kooperation mit TenneT und Thyssengas in räumlicher Nähe zu den niedersächsischen Umspannwerken in Diele und Conneforde in die konkrete Planung für den Bau einer 100 MW Power-to-Gas-Anlage mit dem Titel „Element Eins“ vor Kurzem gegangen ist.

Neuer Schwung
Es kommt also Schwung in die Umwandlung von Offshore- und Onshorewindstrom in Gas. Impulsgeber ist nicht nur die Windenergiebranche und Grünstromanbieter wie Greenpeace Energy, sondern eben auch die Gaswirtschaft selber. Rückendeckung gibt es dafür auch von der DVGW, die Projekte wie in Haurup lobt. Wenngleich weiterhin die DIN 51624 gelte, die den Grenzwert für Wasserstoff auf zwei Prozent begrenzt, so Daniel Wosnitzka von der DVGW, werde intensiv daran geforscht, wie die bisherige Grenze nach oben verschoben werden könnte. „Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Wasserstoffgehalt in einstelligem Prozentbereich im Erdgas in vielen Fällen unkritisch ist, wenn die brenntechnischen Kenndaten entsprechend DVGW-Arbeitsblatt G 260 eingehalten werden.“

Bis zu 20% Wassserstoff
Allerdings sind derzeit noch Restriktionen zu beachten, wie unter anderen die Tatsache, dass „Gasturbinen mit schadstoffarmen Vormischbrennern empfindlich auf Wasserstoff reagieren können“. Doch trotz der limitierenden Faktoren erklärt Wosnitzka: „Es sind aber auch mehr als zehn Prozent möglich, wenn auch regional begrenzt oder nach einer Anpassungszeit von ein paar Jahren. In Klanxbüll in Nordfriesland ist man bei einem Experiment der E.on bis auf zehn Prozent gegangen, in Nordfrankreich in der Nähe von Dünkirchen wird derzeit in einem neuen Netz ein Gehalt von 20 Prozent erprobt.“

Gas-Tarif proWindgas
Insofern blicken die Akteure des Elektrolyseur-Projekts in Haurup sehr optimistisch in die Zukunft. „Wir halten es gerade in der Region Nordfriesland in jeder Hinsicht für sinnvoll aufgrund von Netzabschaltungen den nicht genutzten Windstrom zur Erzeugung von Wasserstoff einzusetzen“, so Michael Friedrich von der Greenpeace Energy. Der in Haurup erzeugte Wasserstoff soll vollständig an diejenigen Kunden gehen, die sich für den Gas-Tarif proWindgas der Energiegenossenschaft entschieden haben.

Anlagen fallen 2020 aus dem EEG
Der Windstrom für die laut Plan im Jahr 2020 einsatzbereite Power-to-Gas-Anlage kommt aus einem Windpark in der Gemeinde Westre unmittelbar südlich der dänischen Grenze, die im Jahr 2020 aus dem EEG-Regime herausfällt und mit der Erzeugung von Wasserstoff nun eine weitergehende wirtschaftliche Perspektive erhält.

Energieumwandler statt Stromverbraucher
Generell ist der Betrieb von Elektrolyseuren zur Wasserstoff-Erzeugung derzeit meist nicht mehr wirtschaftlich, wenn eine Förderung der Anlagen – zum Beispiel im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie oder von NEW 4.0 - ausläuft. Weshalb Greenpeace Energy die Politik in Berlin auffordert, Elektrolyseure nicht als umlagepflichtige Stromverbraucher zu definieren, sondern als Energieumwandler einzustufen – und so ein wichtiges Hindernis für die Sektorenkopplung zu beseitigen.

Noch beschiedene 1% „Windgas
Greenpeace Energy will sich auf jeden Fall weiter im Bereich „Windgas“ engagieren und plant weitere Kooperationen mit Windparkbetreibern, Stadtwerken und anderen Unternehmen im Energiesektor. Letztlich geht es dem Energieanbieter auch darum, den Grünanteil ihres Produktes proWindgas langfristig deutlich anzuheben. Derzeit liegt er noch bescheiden bei einem Prozent. „Sobald aber ein systematischer Elektrolyseur-Ausbau beginnt, werden die Preise für erneuerbaren Wasserstoff zügig sinken“, blickt Michael Friedrich nach vorne, „im Gegenzug kann dann der Wasserstoffanteil im Gasprodukt entsprechend steigen.“

©Text: Dierk Jensen

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