Triftgletscher: Neues Komitee engagiert sich gegen neuen Stausee im Berner Oberland

(SDA) Mit einem Biwak auf dem Vorfeld des Triftgletschers will ein neu gegründetes Komitee seinem Widerstand gegen den von der BKW geplanten Stausee in der Trift Ausdruck verleihen. Das Komitee fordert, die letzten, kaum berührten Gebirgslandschaften zu erhalten. Nach eine, mehrjährigen Einigungsprozess gaben gaben u.a. Pro Natura und WWF ihr Einverständnis zum Projekt , weil mit dem Trift-Projekt weitere Gewässer vor Eingriffen verschont werden könnten.


Für Energiewende und Klimaschutz brauche es den Stausee nicht. Umweltverträgliche und sinnvolle Alternativen gibt es nach Ansicht des Komitees. Das Komitee wird nach eigenen Angaben von verschiedenen Nationalratsmitgliedern wie Silvia Semadeni (SP), Martina Munz (SP) oder Thomas Weibel (GFL) unterstütz. Auch der Kabarettist Franz Hohler macht mit. Mit dem gleichen Investitionsvolumen liesse sich mit neuen Photovoltaik-Anlagen rund doppelt so viel Strom erzeugen, schreibt das Triftkomitee in einer Mitteilung vom Freitag.

Neue Strasse nötig
Die zur BKW-Gruppe gehörenden Kraftwerke Oberhasli wollen beim Triftgletscher einen neuen Stausee bauen. Kostenpunkt: rund 400 Millionen Franken. Die Kraftwerke Oberhasli haben beim Kanton Bern ein Konzessionsgesuch eingereicht. Dieses ist noch hängig. Gegen das Konzessionsgesuch haben die Naturschutzorganisation Aqua Viva und der örtliche Grimselverein Einsprache erhoben.

Durch den Rückzug des Triftgletschers bildete sich in den letzten Jahren im Gletschervorfeld ein See. Dieser soll nun durch eine Staumauer gefasst werden. Der geplante Stausee hätte ein Volumen von 85 Millionen Kubikmetern. Geplant ist eine Leistung von 80 Megawatt und eine jährlich produzierte Energiemenge von 145 Mio. Kilowattstunden. Dies entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch von 30'000 Haushalten.


Ausbauprojekt Trift
Das Projekt Trift ist ein neuer Speichersee bei der natürlichen Talsperre im Einzugsgebiet des Triftgletschers, der sich in den vergangen Jahrzehnten immer stärker zurückgezogen hat. Ein Teil des Wassers wird bereits heute genutzt, es käme jedoch mit einem neuen Speicher eine weitere Stufe der Nutzung dazu. Mit dem Projekt Trift könnten sowohl die Speicherkapazität im Einzugsgebiet der KWO (Grimsel) als auch die Wassernutzung signifikant verbessert werden. Grosse Speicherseen, deren Pegel auch bei intensiven und andauernden Niederschlägen nur langsam steigen, mindern zudem die Gefahr von Hochwasserschäden für ganze Talschaften.


Einigung mit Pro Natura und WWF
Gegen das Projekt an der Trift wehrt sich der Naturschutzverband Aqua Viva zusammen mit dem Grimselverein. Andere Umweltverbände wie Pro Natura oder WWF opponieren hingegen nicht gegen das Trift-Projekt. Nach mehrjährigem Einigungsprozess gaben sie ihr Einverständnis, weil mit dem Trift-Projekt weitere Gewässer vor Eingriffen verschont werden könnten.

Das Berner Kantonsparlament drängt auf die Realisierung des Trift-Wasserkraftwerks. Der Grosse Rat überwies in der Sommersession eine entsprechende überparteiliche Motion. Der Kanton könne dem Energiekonzern BKW die Investition nicht vorschreiben, gab Energiedirektor Christoph Neuhaus dem Parlament zu bedenken. Das Unternehmen habe jedoch sein Interesse am Projekt signalisiert. Finanziert würde der Stausee von den Aktionären der Kraftwerke Oberhasli - also hälftig von der BKW und den Städten Bern, Basel und Zürich.

©Text: Keystone-SDA

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3 Kommentare

Goldfrosch

Durch den alpinen Gletscherrückzug entstehen Gletscherseen, die in ihrem Gefahrenpotential nicht erfassbar sind, es sei an den Durchbruch des Aufstaus. 2008 des vorderen Grindelwaldgletschers erinnert. Es sind aber auch Chancen, die freigewordenen
Gletschermulden energiewirtschaftlich zu nutzen. Sich dagegen aufzulehnen, hieße die Augen vor den sich bietenden Möglichkeiten zu verschließen und sich dem Vorwurf der ewig gestrigen Engstirne auszusetzen. Das Wasserschloss Europas ist die Schweiz, nirgendwo ist das hydrologische Potential größer und die Energiepreise verheißen nichts Gutes. Wenn Mühleberg vom Netz geht, fehlt der Schweiz, die 40% Fremdenergie bezieht, 5% des Eigenstromes, wer will dafür die Verantwortung übernehmen? Auch der Naturfreund bezieht seinen Strom aus der Steckdose, bei Strommangel sollte man bei ihm den Schalter zuerst umlegen. Nachdenken bevor man laut wird hat noch nie geschadet.

Max Blatter

Wenn Pro Natura und WWF grünes Licht zu einem Projekt geben, ist es für mich aus ökologischer Sicht o.k. Diese Art Meinungsbildung mag oberflächlich erscheinen, aber ich frage mich, ob die Meinung des "Biwak-Komitees" auf sehr viel fundiertere Art zustande gekommen ist?

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