16. Mai 2019

Julian Bartels und Wided Medjroubi vom DLR haben mit Projektpartnern einen frei zugänglichen Daten- und Softwarepool entwickelt, mit die Netzbetreiber ihr Vorhaben aus betriebswirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Sicht bewerten können. Bild: DLR

Die frei zugängliche Netzplanungssoftware „eGo“ erfasst eine Vielzahl an frei verfügbaren Netz- und Planungsdaten und ermöglicht allen Akteuren der Energiewirtschaft die Simulation nahezu beliebiger Ausbauszenarien. Grafik: dLR

Forschungsprojekt "open_eGo": Hat volkswirtschaftlich optimale Planung der deutschen Netz- und Speicherinfrastruktur zum Ziel

(DLR) Damit sich künftige Energiesysteme besser nach volkswirtschaftlich vorteilhaften Kriterien modellieren lassen, hat das Institut für Vernetzte Energiesysteme des DLR im Rahmen Projekts "open_eGo" ("open electricity Grid optimisation") einen offenen Daten- und Softwarepool entwickelt. Die integrierte Netzplanungssoftware "eGo" erfasst eine Vielzahl an frei verfügbaren Netz- und Planungsdaten und ist nach den Prinzipien einer Open-Source-Entwicklung für alle Akteure der Energiewirtschaft uneingeschränkt zugänglich.


Für die Modellierung des künftigen Ausbaubedarfs berücksichtigt die Planungssoftware die jeweils kostengünstigste Option. So werden große Schwankungen zum Beispiel bei der Einspeisung künftiger Offshore-Windparks im ökonomisch sinnvollsten Verhältnis zwischen dem direkten Weitertransport und der Speicherung in der Region errechnet. "Auf diese Weise sehen wir, wie stark einzelne Leitungen in Zukunft ausgelastet sind, ohne dass wir Anlagen abregeln müssen. Es lassen sich also präzise Prognosen erstellen, in welchen Regionen Engpässe zu erwarten sind und wo künftig Netzverstärkungen oder neue Leitungen benötigt werden", erläutert Julian Bartels, open_eGo-Projektleiter am Institut für Vernetzte Energiesysteme. Eine Tendenz, die sich aus ersten Berechnungen ableiten lässt: "Die öffentlich kontrovers diskutierten sogenannten Stromautobahnen scheinen zu einer Verringerung des Ausbaubedarfs zu führen." In welchem Umfang sie tatsächlich zur Senkung der Gesamtkosten beitragen, werden Netzdienstleister und Interessengruppen mit der Software im Detail berechnen können.

Open_eGo ermöglicht ganzheitliche Sichtweise
Die Arbeit mit der open_eGo-Plattform unterscheidet sich von den bisher genutzten Planungsinstrumenten vor allem in der Sichtweise. So sind in der Energiewirtschaft mit rund 800 Netzbetreibern vielfach betriebswirtschaftliche Interessen für die Planung ausschlaggebend. Daten und Software werden häufig nicht weitergegeben. Durch das open_eGo-Projekt wurden erstmals zahllose Datensätze zur geografischen Ausbreitung der einzelnen Netzebenen, zu Windparks, Kraftwerken, Solaranlagen, Umspannwerken oder dem Stromhandel mit dem angrenzenden Ausland in dieser Detailtiefe gesammelt und zusammengefügt. Darauf aufbauend lassen sich Variablen wie Ausbaupläne, Kostenentwicklungen oder Verbrauchswerte ergänzen, so dass nahezu beliebige Szenarien dargestellt werden können.

Energiewende vorausschauend und effizient gestalten
Weil die Projektpartner die Modelle und Daten auf einer eigens entwickelten, öffentlich zugänglichen Plattform bereitstellen, ermöglicht open_eGo allen Interessensgruppen eine transparente Sichtweise auf die Auswirkungen einzelner Maßnahmen. "Open_eGo ermöglicht somit einen systemanalytischen Ansatz, der in der Energiesystemmodellierung die Bewertung zulässt, ob ein Vorhaben eines Netzbetreibers nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern zum Beispiel auch volkswirtschaftlich vorteilhaft ist. Die Plattform unterstützt uns somit, die Energiewende vorausschauend und effizient zu gestalten", fasst Dr. Thomas Vogt, Leiter der Abteilung Energiesystemanalyse am Institut für Vernetzte Energiesysteme die Vorteile des Planungsinstruments zusammen.

Projekthomepage open_eGo >>

Text:
Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR)

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