30. Apr 2019

Aufteilung der Jahresproduktion in der Schweiz pro Technologie, Durchschnitt 2008-2011 (Nordmann & Remund, 2012). Bild: Studie Swiss-Cloud-Storage

Swiss-Cloud-Storage: Cloud basierte Solarstrom-Speicherung ist günstiger und ökologischer als individuelle Speicher

(ee-news.ch) Wird das Modell eines Solar-Cloud-Speichers richtig dimensioniert, ist es für EVU und Solaranlagenbesitzer attraktiv und sowohl ökonomischer wie auch ökologischer als die Anschaffung einer Batterie. Dies zeigt eine von Energie Schweiz in Auftrag gegebene Studie. EVU können Modelle so ausgestalten, dass keine Mehrkosten, aber auch kein Mehrgewinn entsteht.


Für den Solaranlagenbesitzer ist es interessant, ohne Investitionen in eine Batterie die Überschussenergie des Sommers im Winter wieder zu erhalten. Dies entspricht einer saisonalen Batterie, die es in der Realität eigentlich gar nicht gibt. Das Cloud-Modell bietet zudem auch die Tag-/Nacht-Speicherfunktion einer Batterie an.

Die Studien Erkenntnisse im Einzelnen:

  1.  Ein pauschales Abonnement deutlich unter den Investitionen einer Batterielösung kann die Netzkosten, die durch den Eigenverbrauch wegfallen, decken und für beide Parteien kosten-effektiv angeboten werden.
  2. Bei heutigen Batterietechnologien und Investitionskosten lohnt sich der Erwerb einer Batterie, im Vergleich zu einem «Cloud Storage» Modell weder ökonomisch, noch ökologisch, da an-hand von Zertifizierungen die Herkunft des rückgespeisten Stromes nachgewiesen werden kann. Ziel wäre hier aber einen direkten Link zu einem Schweizer Speicherkraftwerk herzustellen, das an einer Speicherung der Sommerproduktion und Abgabe dieser im Winter interessiert wäre. Aufgrund der ausgeklügelten heutigen Optimierung wird es aber sehr schwierig sein, einen Betreiber eines Speichersees für dieses neue Modell zu begeistern, was in dieser Phase des Projektes nicht gelungen ist.

  3. Eine Batterielösung ist zusätzlich eindeutig die ökologisch grössere Belastung, als die Verwendung von bestehenden Infrastrukturen.

  4. Es gibt im Modell keinen ökonomischen Sinn, die Abnahme der Energie eines Prosumers zu limitieren (Horizon Modell), es können hingegen klare wirtschaftliche Anreize für beide Parteien erzeugt werden hier in eine Überproduktion zu investieren und nicht eigenbedarfsoptimiert herzustellen. Dies hängt jedoch stark von der Rückspeisepolitik des EVU ab und ob hier in einer dezentralen Energieerzeugung mit zentralem Speicher ein Zukunftsmodell gesehen wird.

  5. Das EVU kann sich weiterhin als Energielieferant etablieren, über einen entsprechenden Liefervertrag können auch langjährige Beziehungen etabliert werden. Bei einer vollständigen Liberalisierung des Strommarkts werden völlig neue Geschäftsmodelle zum Vertrieb von dezentral erzeugtem Strom z.B. auf Basis von Blockchain in Erscheinung treten, bei denen klassische EVU nicht mehr beteiligt sind. Darum ist es heute für EVU wichtig, die win-win Situation mit den Solarbetreibern zu suchen und so eine nachhaltige und wirkungsvolle Strategie zu verfolgen und damit die Kundenbindung zu fördern.

Die Analyse bestehender Cloud-Speicher-Modelle hat hingegen gezeigt, dass zurzeit keine solche Modelle für Kunden mit einem Jahresverbrauch von über 100‘000 kWh (freier Strommarkt) angeboten werden. Grundsätzlich gibt es keinen Grund grössere Verbraucher mit grösseren Solaranlagen nicht zu bedienen. Die Studie hat gezeigt, dass sich das entwickelte Modell mehr oder weniger linear verhält. Sie konnte konnten nicht ergründen, ob bei den im Markt analysierten Modellen ein Skalierungsproblem besteht. Das Interesse seitens grösserer Kunden wird zunehmen, da viele ZEV diese Grenze überschreiten.

Kein Businessmodell für Speicherseebetreiber
Für die direkte Einbindung von Speicherseen in saisonale Speicherangebote für Prosumenten konnten im Rahmen dieser Studie, entgegen der ursprünglichen Absicht, keine funktionierenden Businessmodelle dargestellt werden. Mit den hochoptimierten Speicherseen wird es schwierig sein, ein partnerschaftliches Modell aufzuzeigen. In einem nächsten Schritt muss eruiert werden, ob es Wasserkraftbetreiber gibt, die in ein neues Bewirtschaftungsmodell einbezogen werden könnten. Die Fragestellung lautet: Kann der Betreiber eines Speicher-Wasserkraftwerkes eine Optimierung seiner Speicherkapazitäten erreichen, indem er einen physischen, virtuell verbundenen Speicher zur Verfügung gestellt bekommt, der aus überschüssigem Solarstrom im Sommer gespiesen wird?


Batterien noch nicht rentabel
Eine Batterie ist heute für eine Tag-/Nachtumlagerung noch nicht rentabel, ein gut dimensioniertes Cloud Speicher Angebot ist für EVU und Hausbesitzer attraktiv. Die Sommer-/Winterumlagerung funktioniert nur über die Cloud Storage. Betrachten wir aber den Preiszerfall bei den Batterien, werden diese bald eine rentable Lösung für einen Tag-/Nachtausgleich sein.

Empfehlungen

  1. Der Preis eines Solar Cloud Speichers sollte nicht an der Grösse der Solaranlage festgemacht werden, dies verhindert eine grosse, dachabdeckende Solaranlage.

  2. Die Erhebung einer Speichergebühr pro Monat hängt mit der Menge der Energie, die vom Sommer in den Winter verschoben wird, zusammen. Die im Sommer zu viel produzierte Energie wird dem Hausbesitzer aus dem virtuellen Speicher im Winter zur Verfügung gestellt.

  3. Ist die Differenz zwischen Ein- und Ausspeisetarif zu gross, wird die Batterie immer attraktiver.

  4. Bei Hoch- und Niedertarif-Modellen ist zu berücksichtigen, dass der Solar Cloud Storage die meiste Energie im Niedertarif liefern muss. Hier muss berücksichtigt werden, dass wie weiter oben schon festgestellt, ein gleicher Ein- und Ausspeisetarif einer virtuellen Speicherung entspricht. Also muss der Rückspeisetarif kleiner als der Niedertarif sein, damit sich eine Solar Cloud Storage Lösung für den Tag- / Nachtausgleich mit einer zusätzlichen Gebühr lohnt.

In der Studie nicht behandelt wurde doe Fragestellung, ob marginale Trading-Vorteile durch den Einsatz virtueller Speicher geschaffen und durch das EVU ausgenutzt werden können (Arbitrage zwischen Energielieferung seitens Prosumer und der entsprechenden Rückspeisung Tag/Nacht und Sommer/Winter). Für eine vertiefte Analyse braucht es eine Zusammenarbeit mit EVU resp. Wasserkraftwerksbetreiber. Die Studie soll auch ein Anreiz für solche EVU oder Wasserkraftwerksbetreiber zur weiteren Vertiefung schaffen.

Zur Studie „Swiss Cloud Storage - Geschäftsmodelle für eine CO2-freie Speicherung überschüssigen Solarstroms“ >>

Text: ee-news.ch

3 Kommentare
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Max Blatter @ 04. Mai 2019 10:17

Das klingt doch wesentlich vernünftiger als die an der Nationalen PV-Tagung vorgebrachte Forderung, PV-Anlagen generell auf 35% der Nennleistung abzuregeln! Danke für diesen Beitrag.

J_Roth @ 30. Apr 2019 09:43

Leider wird nicht klar wo/welche Technologie den Cloudspeicher physisch bilden soll. Wenn die Idee auf einer "Abregelung" im Sommer bei bilanzmässigem Ausgleich im Winter basiert, ist das Konzept keine Lösung sondern ein Problem. In Zeiten des allgemeinen Mangels an erneuerbarem Strom (haupts. Frühjahr und Herbst) würden vermehrt Importe oder Kernenergie den Ausgleich schaffen. Die genannten Wasserkraftwerke sind nur ein Feigenblatt, da die dem Cloud Speicher zugeordnete Energie der Wasserkraftwerke dann dem Gesamtsystem bilanzmässig nicht zur Verfügung steht (Greenwashing).
Nur physikalisch/chemisch gespeicherte Energie verringert den CO2 Anteil bzw. verringert die Importabhängigkeit.

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