11. Feb 2019

Anita Niederhäusern: „Warum sich von der Windenergie verabschieden, wenn doch der Wind eh bläst –auf für Nachtstrom! Bauen wir Solarstromanlagen und Windenergieanlagen, nach dem Motto, das eine tun und das andere nicht lassen!“

Religionsstreit: Sonnen- oder Windenergie? Wer hat die besseren Trümpfe….?!

(AN) Vergangenen Herbst ging’s plötzlich wieder los: Wir können die Energiewende hauptsächlich, vielleicht sogar allein mit Solarenergie schaffen. Wind? Niet! Der schneereiche Jahresstart spricht eher dafür, dass wir beide Technologien brauchen. IIn den ersten Jahreswochen durchquerten zig Tiefs die Schweiz, aber nicht einmal eine Handvoll Hochs. Um klarer zu sehen, ist auch ein Blick nach Andermatt zu den Wasser- und Windenergiepionieren aus den Bergen, ins Entlebuch oder auch nach Österreich zu empfehlen …


Errechnet wurde schon vieles, eine Studie nach der anderen zeigt, wie wir die Schweiz mit erneuerbaren Energien versorgen können, und dies erst noch wirtschaftlich. In der Branche bestreitet kaum jemand, dass die Sonnenenergie sozusagen die Wasserkraft der Zukunft ist. Sie verfügt über das noch grössere Potenzial als die bestehende Wasserenergie und ergänzt diese wunderbar, gerade in staubtrockenen Sommerhalbjahren wie 2018. Und Sonnenenergie aus Speicherkraftwerken könnte, wenn der Markt oder das entsprechende Design denn die Saisonspeicherung rentabel machen, auch einen Teil der Winterenergie liefern. Wasserkraft hat eine weitere Gemeinsamkeit mit der Sonnenenergie: Einmal abgesehen von den Speicherstauseen ist sie im Winter in den sogenannten „Dunkelmonaten“ gleich wie die Solarenergie eher „schmal auf der Brust“, wie man im Dialekt zu pflegen sagt. Wir verbrauchen aber genau dann am meisten Strom überhaupt.

Die Meteorologen sagen uns immer häufigere und stärkere Niederschläge im Winter voraus. Und wenn die Temperaturen dann stimmen, fallen sie als Schnee. So lagen bedeutende Teile der Schweiz in den letzten Wochen unter einer Schneedecke, auch in niedrigen Lagen. In grossen Teilen der Alpen liegt der Schnee sogar meterhoch, und dies schon ab 1000 Meter über Meer. Solarstromanlagenbetreiber fragen sich, wie sie die weisse Pracht entfernen und die Stromproduktion wieder ordentlich in Gang bringen können, werden die Tage doch auch schon länger und könnten gut genutzt werden. Ausser es liegt gerade, wie dieser Tage im Mittelland, eine Nebeldecke über dem Land, die die Stromerträge der Solarstromanlagen drückt.

Schnee, Nebel und kurze Tage sind nur drei der Hauptargumente, die für die Windenergie sprechen. Ein weiteres und gleichzeitig eins der wichtigsten ist der hohe Ertrag pro Anlage und im Winterhalbjahr. In Andermatt, zum Beispiel, liefern die vier Windenergieanlagen – die rund einen Fünftel des jährlichen Strombedarfs des EW Ursern decken – 70 % des Stroms im Winter! Und würden sie durch die neuste Generation von Windturbinen ersetzt, könnte die Produktion verdoppelt werden. Eine einzige grosse Anlage produziert Strom für rund 2000 Haushalte! Übrigens: Der Rückbau des Turms mit Flügeln – falls man sich mal gegen eine Windenergieanlage entscheidet – dauert nur ungefähr eine Woche.

Können denn Windenergieanlagen so störend und ineffizient sein, wie ihre Gegner immer wieder behaupten? Werden doch praktisch alle Windparks in der Schweiz weiter ausgebaut: Die Anlagen auf dem Mont Crosin wurden durch grössere ersetzt, ohne dass es gegen das Bauvorhaben nur eine einzige Einsprache gab. In Charrat im Wallis wollen die Dorfbewohner noch zwei weitere Anlagen zu der ersten Anlage dazu stellen, dies hat eine Abstimmung eindeutig gezeigt. Die Betreiber der Anlage Calandawind in Haldenstein möchten gerne eine weitere Anlage installieren. Im Entlebuch, das notabene ein regionaler Naturpark und eine Unesco-Biosphäre ist, wurden nach der ersten Anlage noch zwei weitere erstellt. Und dies mit breiter Unterstützung der Anwohnenden. In den letzten sechs Jahren haben übrigens die Gemeinden sehr windenergie-freundlich abgestimmt: 17 von 19 Abstimmungen über konkrete Windprojekte fielen in den Gemeinden zugunsten der Windenergie aus.

Wer sich überzeugen will, wie gut Windenergieanlagen sich in die Landschaft integrieren, dem sei ein Ausflug im Winter auf den Gütsch oberhalb Andermatt empfohlen. Um die vier Anlagen herum gibt es einen kleinen Winterwanderweg. Auch diese Anlagen wurden in Etappen gebaut, 2004 die erste, 2010 zwei weitere und 2012 die letzte. Das Projekt Windenergie wurde vom EW Ursern 2002 zu seinem 100-jährigen Jubiläum initiiert, von den Wasser- und Windenergiepionieren aus den Bergen! Der Januar 2019 sei übrigens bezüglich der Windstromproduktion der beste überhaupt gewesen, war vom EW Ursern zu vernehmen.

Warum also nicht auf Winterwindkraft setzen? Statt sich um hohe Stromimportpreise oder gar Übertragungsnetzkapazitäten zu sorgen. Warum sich von der Windenergie verabschieden, wenn doch der Wind eh bläst –auf für Nachtstrom! Und wir damit erst noch günstigen Winterstrom erhalten! Bauen wir Solarstromanlagen und Windenergieanlagen, nach dem Motto, das eine tun und das andere nicht lassen! Können denn die Österreicherinnen und Österreicher so falsch liegen? Dort drehen sich inzwischen über 1300 Windenergieanlagen, in der Schweiz sind es grad mal 37. Und nur weil wir auf Winterwindstrom setzen, heisst ja nicht, dass wir Solarstrom nicht brauchen!

Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin und Herausgeberin ee-news.ch

4 Kommentare
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georg hanselmann @ 03. Mär 2019 12:39

Max Blatter!! Wieso so langatmige Erklärungen ? einfach ist viel effizienter und auch besser lesbar.
Und nun zum eigentlichen Tema: Dort wo es immer (mehr oder weiniger) Wind hat, sind die Windräder mit Sonnenunterstützung
besser. Auf den Dächer inkl. Fassaden macht es Sinn Fotovoltaik inkl. Sonnenwärme zu verbauen, ohne staatliche Förderung.
Auf jedem Minergiehaus ist die Solaranlage Pflicht. Preis:Keine 4% der gesamt Kosten eines Minergiehauses. (siehe Jenny Oberburg BE)

Fridolin Holdener @ 18. Feb 2019 10:11

Ein völlig verfehlter "Religionsstreit" und nutzlos verschwendete Energien!
Wasser, Sonne, Wind evtl. sogar geothermal - wir brauchen schlicht alle uns zur Verfügung erneuerbaren Energiequellen!
Die Speicherung wird die grosse Herausforderung!
Mit besserer Gebäudeisolation, Stauseen und Batterien alleine wird es nicht zu schaffen sein; darum für mich ganz klar:
Am Ende mit Wasserstoff - 100% grüner Wasserstoff, der aus den lokalen erneuerbaren Energieträgern erzeugt wird; Solar, Hydro, Wind (wo vorhanden Geothermal, Wellen und Gezeiten)!
Mit ca. 2/3 von dem in der Schweiz vorhandenem Potential von Solar-Strom würde sich, bei einem 40:60 Mix von Batterie- zu Wasserstoff-Brennstoffzellen-Elektrischer-Mobilität der gesamte Import von fossilen Treibstoffen vermeiden lassen - Basis Schweizerische-Gesamtenergiestatistik 2017!
Wasserstoff als Energieträger macht ein integriertes und grünes Energiesystem für Mobilität, Industrie und Haushalte möglich - Die Energiewende!

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