15. Jun 2013

Martin Hitz, Präsident NNBS, und Daniel Büchel, Vizedirektor BFE: Mit dem Zauberwürfel Rubik’s Cube zur Nachhaltigkeit beim Bauen und zum alles entscheidenden Netzwerk finden. ©Foto: T. Rütti

Stephan Wüthrich, Projektleitung SNBS und Mitglied der Direktion, CSD Ingenieure AG: «Der neue Standard lässt sich sowohl bei Neubauten wie auch bestehenden Gebäuden einsetzen.» ©Foto: T. Rütti

«Mit unserem neuen Standard wurde ein Instrument geschaffen, um das nachhaltige Bauen messbar und greifbar zu machen», so Joe Luthiger, Geschäftsführer NNBS. ©Foto: T. Rütti

Bundesrätin Doris Leuthard: «Wir sind nicht nur wegen der Verfassung zu Nachhaltigkeit verpflichtet. Nachhaltigkeit schulden wir auch kommenden Generationen.» ©Foto: T. Rütti

Kickoff-Event: Neues Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz NNBS

(©TR) Daran zweifelt niemand: Nachhaltiges Bauen ist eines der grossen Zukunftsthemen. Mit dem Ziel, die Kräfte auf nationaler Ebene zu bündeln, das nachhaltige Bauen zu fördern und eine klare Grundlage zu definieren, wurde das Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) gegründet. In Bern fand am 13. Juni die Auftaktveranstaltung statt.


Das neu geschaffene Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) ist Träger des ebenfalls neuen nationalen «Standard Nachhaltiges Bauen in der Schweiz» (SNBS) und stellt damit dem Schweizer Bauwesen ein Instrument für die Praxis zur Verfügung. Erarbeitet wurde der SNBS im Auftrag des Bundesamts für Energie BFE. Dies im Rahmen des Programms EnergieSchweiz. Er soll die Basis für ein gemeinsames Verständnis schaffen. Der SNBS baut dabei auf längst bestehenden Standards, Labels und Instrumenten auf. «Mit unserem neuen Standard wurde ein Instrument geschaffen, um das nachhaltige Bauen messbar und greifbar zu machen, mit dem Ziel, Gebäude zu optimieren in allen drei Richtungen der Nachhaltigkeit: Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt», so Joe Luthiger, Geschäftsführer NNBS.

Für Neubauten wie auch bestehende Gebäude

Für die anlaufende Pilotphase werdenn nun geeignete Bauprojekte gesucht, die sich in den Phasen Ausführungsplanung, respektive im Baubeginn befänden. Gesucht werden aber auch Bauherren, die bereits über eine gute Baudokumentation verfügen oder zumindest bereit sind, eine solche zu erstellen. Zudem werden Partner gesucht, die ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem SNBS mit anderen Protagonisten teilen wollen. Dass nachhaltiges Bauen angesichts solcher Ziele zur «umfassenden Herausforderung» für die ganze Baubranche wird, betonte Stefan Cadosch, Präsident SIA. Von einem «nationalen Standard für den Hochbau» sprach auch Stephan Wüthrich, Projektleitung SNBS und Mitglied der Direktion, CSD Ingenieure AG: «Der neue Standard lässt sich sowohl bei Neubauten wie auch bestehenden Gebäuden anwenden.»


Was will der neue Standard?
Wie Vorstandsmitglied Daniel Büchel, Vizedirektor BFE, erklärte, wurde der Standard SNBS auf Initiative von Wirtschaft und öffentlicher Hand entwickelt, finanziert wird es vom Bundesamt für Energie über das Programm EnergieSchweiz. Dank seiner breiten Abstützung weise der neu geschaffene Standard eine grosse Glaubwürdigkeit auf. Konzipiert wurde der SNBS nicht als Neuschöpfung im eigentlichen Sinne. Er baut vielmehr auf bestehenden und etablierten Instrumenten und Labels auf, bietet darüber hinaus erkennbare Mehrwerte dank neuen und innovativen Elementen. So wurden neu Bewertungskriterien zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Werten entwickelt, die nun erstmalig zur Verfügung stehen. Der Standard berücksichtigt sämtliche Dimensionen des nachhaltigen und damit zukunftsfähigen Bauens und beruht auf den drei Säulen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt.

Bestehende Labels decken vielfach nur Teilbereiche ab

Effektiv gebe es bereits verschiedenste Planungshilfen und Labels im Bereich der Nachhaltigkeit. Die  deckten oft nur Teilbereiche ab, sagte dazu Bundesrätin Doris Leuthard. Mit dem neu geschaffenen Standard sei ein wichtiges Element für ein «sicheres, nachhaltiges und zukunftweisendes Fundament» geschaffen worden. «Wir sind nicht nur wegen der Verfassung zu Nachhaltigkeit verpflichtet. Nachhaltigkeit schulden wir auch kommenden Generationen. Die Energiepolitik muss nach den Kriterien Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit aufgebaut werden. Wenn wir das tun, dann werden die Energiepolitik und damit das Bauen auch sozialverträglich», so die UVEK-Vorsteherin in ihrer Betrachtung. Für Bundesrätin Doris Leuthard ist ein umfassender Nachhaltigkeitsstandard umso wichtiger, als heute rund 40 Prozent unseres Energieverbrauchs in Gebäuden anfalle. Zwar stelle heute energieeffizientes Bauen keine Randerscheinung mehr dar, sondern werde zur Selbstverständlichkeit. Aber immer noch seien schweizweit rund 1.5 Millionen Gebäude sanierungsbedürftig. «Zwar ist heute technisch vieles möglich, machbar und sinnvoll. Aber die jährliche Sanierungsrate liegt immer noch unter einem Prozent. Der neu geschaffene Standard stösst technische Fortschritte an und eben den Weg für innovative Lösungen», so die UVEK-Vorsteherin.

Teil
der bundesrätlichen Strategie «Nachhaltige Entwicklung»
Das neue Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) versteht sich als «wesentlicher Bestandteil» der bundesrätlichen Strategie «Nachhaltige Entwicklung». Dies auch angesichts des Investitionsvolumens des Bausektors von beachtlichen 60 Milliarden Franken. Ziel des Netzwerks ist es daher, die Zusammenarbeit von Wirtschaft, öffentlicher Hand, Bildung, Politik und Wissenschaft in diesem Themenbereich zu stärken und ein gemeinsames Verständnis des nachhaltigen Bauens im schweizerischen Kontext zu entwickeln. «Die Zukunft im nachhaltigen Bauen gehört den pragmatischen und praktikablen Lösungen. Wir wollen dabei im wahren Wortsinn ‹Netz werken› und alle beteiligten Akteure miteinander verbinden», erklärt NNBS-Präsident Martin Hitz, Leiter Direktion Bau/Immobilien Genossenschaft Migros (Ostschweiz), an der Auftaktveranstaltung im Berner 5-Sterne-Haus Bellevue Palace. Auch für Vizepräsident Martin Stocker, Leiter armasuisse Immobilien, will sich das Netzwerk «übergreifend für die Förderung und für die Koordination des nachhaltigen Bauens in der Schweiz einsetzen». Bezweckt werde die Stärkung der Zusammenarbeit von Wirtschaft, öffentlicher Hand, Bildung, Politik und Wissenschaft. Das Netzwerk ist als Verein organisiert und wird durch die öffentliche Hand, Unternehmen und Organisationen des nachhaltigen Bauens getragen.

Nationales Kompetenzzentrum und Dialogplattform

Das NNBS vertritt einen wahrlich breiten Ansatz: Angepeilt wird beim nachhaltigen Bauen erklärtermassen eine «ganzheitliche, zukunftstaugliche Entwicklung von Siedlungen und Infrastrukturen». Einbezogen in diese Überlegungen werden Einzelobjekte, ganze Gebäudeparks und der Infrastrukturbau im Kontext von Quartier-, Stadt- und Raumentwicklung. Die Organisation versteht sich denn auch als «nationales Kompetenzzentrum und als Dialogplattform über alle Sprachregionen hinweg». Zu den Gründungspartnern gehören 22 Unternehmen aus der Baubranche, Immobilieneigentümer, Planer & Ingenieure, und aus der Finanzwirtschaft sowie die Interessengemeinschaft privater professioneller Bauherren IPB, die Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren KBOB, die Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz BPUK der Kantone, der Verein eco-bau – Nachhaltigkeit im öffentlichen Bau, das Amt für Hochbauten der Stadt Zürich sowie die betroffene Bundesämter BFE, BAFU, ARE.

Führende Rolle bezüglich Nachhaltigkeit beim Bauen
Von Moderator und Bundeshausredaktor SRF Hanspeter Trütsch nach einer Kurzdefinition des Begriffs Nachhaltigkeit befragt, brachte es Franz Beyeler auf den Punkt: «Wir müssen enkeltauglich werden», so der Geschäftsführer Minergie. Das NNBS will, wie den Gästen der Kickoff-Veranstaltung erklärt wurde, «die führende Rolle im nachhaltigen Bauen der Schweiz» einnehmen und dabei in allen Sprachregionen eng mit den Akteuren des nachhaltigen Bauens zusammenarbeiten. Zur Mission des NNBS gehören folgende Punkte:

  • Wirtschaft, öffentliche Hand, Bildung, Politik und Wissenschaft sind miteinander vernetzt und verfügen über Plattformen für den gegenseitigen Austausch und die kontinuierliche Abstimmung und Zusammenarbeit. Dies schafft Synergieeffekte für eine positive Entwicklung des Baubereichs.
  • Die Akteure in der Schweiz haben das Know-how und klare Orientierungshilfen (Standards, Instrumente und Labels), um ihre Gebäude- und Infrastrukturprojekte nachhaltig entwickeln, planen, realisieren und betreiben zu können. Sie verfügen über einfache Messinstrumente für das Monitoring und Controlling aller Lebensphasen ihrer Projekte.
  • Nachhaltige Projekte haben einen höheren und stabileren Marktwert und bieten einen langfristigen Mehrwert – für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt.
  • Es besteht ein enger und kontinuierlicher Austausch mit internationalen Akteuren des nachhaltigen Bauens. Die Praxis des nachhaltigen Bauens in der Schweiz ist international beachtet und anerkannt.

Zu den Mitgliedern des NNBS >>

©Text: Toni Rütti, Redaktor ee-news.ch

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