Die Geovol Geothermieanlage in Unterföhring versorgt 2800 Haushalte und knapp 50 gewerbliche Kunden mit Wärme. Das Potenzial der Geothermie soll jetzt auch in anderen deutschen Regionen gehoben werden. Quelle Bild: Stephan Kelle 2016

Deutschland: Bundesregierung zündet Erdwärme-Turbo – 100 neue Geothermie-Projekte bis 2030

(ee-news.ch) Das deutsche Wirtschaftsministerium startet einen Konsultationsprozess zur besseren Nutzung von Erdwärme. Das grosse Potenzial der Geothermie für eine klimaneutrale Wärmeversorgung wurde in Deutschland bislang nur unzureichend erschlossen. Da die Erdwärme aber ganzjährig und verlässlich zur Verfügung steht, kann mit ihr insbesondere die Wärmeversorgung ganzjährig verbessert werden. Daher sollen die Potenziale näher untersucht und in einem ersten Schritt mit den Bundesländern, Verbänden und Unternehmen konsultiert werden.


Bis 2030 sollen in Deutschland fünfzig Prozent der Wärme klimaneutral erzeugt werden. Die Eröffnungsbilanz Klimaschutz vom Januar 2022 enthält daher bereits das konkrete Ziel, in der mitteltiefen und tiefen Geothermie bis 2030 ein geothermisches Potenzial von 10 TWh so weit wie möglich zu erschliessen und die derzeitige Einspeisung in Wärmenetze aus dieser Quelle damit zu verzehnfachen.

100 zusätzliche geothermische Projekte bis 2030
Um dies zu erreichen, sollen bis 2030 mindestens 100 zusätzliche geothermische Projekte angestossen, an Wärmenetze angeschlossen und die Geothermie in Wohngebäuden, Quartieren und industriellen Prozessen nutzbar gemacht werden. Regionen, in denen sich Geothermie eignet, sollen daher in einer Explorationskampagne ermittelt werden und die Informationen den Kommunen zur Verfügung gestellt werden. Zugleich sollen von Anfang an alle Fragen von Sicherheit und Umweltschutz mitgedacht werden und Berücksichtigung finden.

Acht Massnahmen
Die acht im Eckpunktepapier enthaltenen Massnahmen zur Erreichung des Ziels sind:

Austausch mit Akteuren: Dialogprozess zu notwendigen Massnahmen

Datenkampagne: systematische Bereitstellung vorhandener Daten, um die Grundlage für erfolgreiche Projekte zu ermöglichen.

Explorationskampagne: vom Bund teilfinanzierte Exploration in Gebieten, die eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit für konkrete Projekte bieten

Planungsbeschleunigung: Optimierungspotentiale in Genehmigungsverfahren identifizieren und heben

Förderprogramme: Impulse für die Marktbereitung und Wettbewerbsfähigkeit geben

Risikoabfederung: Prüfung von Risikoabsicherungsinstrumenten

Fachkräftesicherung: Entwicklung von Strategien zur Nachwuchsgewinnung

Akzeptanz: Informationsveranstaltungen und Akzeptanzprogramme sollten integraler Bestandteil eines jeden Projekts werden

Forderung der Branche wurden aufgegriffen
Das Eckpunktepapier greife wichtige Forderungen der Branche auf und gebe einen kräftigen Impuls für den Hochlauf der Technologie, kommentiert der deutsche Bundesverband Geothermie (Bvg). Er begrüsst, dass die gewaltigen Potenziale der Erdwärme in Deutschland von der Bundesregierung erkannt wurden. Zentrale Massnahmen des vorgelegten Papiers seien neben Beschleunigungen bei den Genehmigungsverfahren die Schaffung einer Fündigkeitsabsicherung sowie eine umfassende Explorationskampagne. Damit wurden wesentliche Vorschläge des Bvg in den Plan aufgenommen.

Der angeschobene Prozess müsse nun schnell in die Umsetzung kommen, so der Bvg. Die Diskrepanz zwischen der Zieldefinition und den gegenwärtigen Zeithorizonten für die Umsetzung geothermischer Projekte müsse dringend verkleinert werden.

Schritt in Richtung klimafreundliche und zuverlässige Wärmeversorgung
Mehrere aktuelle Studien (Roadmap Oberflächennahe Geothermie, Roadmap Tiefe Geothermie, Metastudie zur nationalen Erdwärmestrategie, Fernwärmeversorgung mittels Nutzung von Niedertemperaturwärmequellen am Beispiel tiefengeothermischer Ressourcen) deutscher Spitzenforschungsinstitute kommen zu dem Ergebnis, dass die Geothermie das Potenzial hat, einen Grossteil des deutschen Wärmebedarfs zu decken.

Das vorgelegte Papier “Eckpunkte für eine Erdwärmekampagne“ sei „ein richtiger Schritt in Richtung einer klimafreundlichen und zuverlässigen Wärmeversorgung und ein wichtiges Signal für die Branche“, so Bvg-Präsident Helge-Uve Braun. Zugleich mahnt Braun jedoch, dass auch die Potenziale der oberflächennahen Geothermie ausreichend adressiert werden müssen, da „eine erfolgreiche Wärmewende nur dann möglich sein wird, wenn alle geothermischen Potenziale ausgeschöpft werden.“

Eckpunkte für eine Erdwärmekampagne – Geothermie für die Wärmewende >>

Weitere Informationen zur Geothermie und Faq >>

Text: ee-news.ch, Quellen: Deutsches Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (Bmwk) und Bundesverband Geothermie e. V. (Bvg)

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