Die Dekarbonisierung der Schwellenländer gelingt nur mit der finanziellen und technischen Unterstützung der Industriestaaten. Allerdings klafft eine riesige Lücke zwischen bestehenden Finanzflüssen und tatsächlichem Bedarf. ©Bild: Diw Berlin

Diw-Studie: Internationale CO2-Differenzverträge als Schlüssel zur Dekarbonisierung der Stahlindustrie in Schwellenländern

(PM) Die emissionsintensive Industrie weltweit kann nur dekarbonisiert werden, wenn Industriestaaten Schwellen- und Entwicklungsländer finanziell und technisch unterstützen. Zwar hat die aktuelle deutsche Bundesregierung die Notwendigkeit vertiefter internationaler Klimakooperationen erkannt, bisher ist aber die Ausgestaltung im Rahmen von Klimaallianzen, Klimaclubs oder Klimapartnerschaften noch sehr vage. Eine aktuelle Studie der Abteilung Klimapolitik im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (Diw Berlin) deckt am Beispiel der Stahlindustrie Defizite in der internationalen Klimafinanzierung auf. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass internationale CO2-Differenzverträge als Finanzierungsinstrument eine Lücke schließen und zu effektiven Klimapartnerschaften beitragen könnten.


„Das 1.5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens wird nicht erreicht, wenn nicht auch die Schwellenländer klimaneutrale Produktionsprozesse und den Ausstieg aus Kohle, Gas und Öl vorantreiben“, sagt Studienautorin Catherine Marchewitz. „Hier setzt die internationale Klimafinanzierung an. Allerdings klafft eine riesige Lücke zwischen bestehenden Finanzflüssen und tatsächlichem Bedarf.“


Viele Absichtserklärungen, wenig konkrete Inhalte
Deutschland und die übrigen G7-Länder haben in zahlreichen Kommuniqués ihre Bereitschaft erklärt, Schwellenländern bei der Dekarbonisierung zur Seite zu stehen. Welche Hebel dabei wirken könnten, ist allerdings nur vage formuliert. „Problematisch ist unter anderem auch, dass Schwellenländer und Industriestaaten nicht dieselben Anreize haben, Klimakooperationen einzugehen“, erläutert Studienautor Heiner von Lüpke. „Im Zentrum des Diskurses stehen derzeit vor allem CO2-Preise oder ein CO2-Grenzausgleich. Diese Instrumente greifen aber bei Schwellenländern zu kurz. Sie sind vielmehr interessiert an einer Klimazusammenarbeit, mit der zugleich auch gemeinsame wirtschaftliche Vorteile erschlossen werden können.“

CO2-Differenzverträge als wirksames Finanzierungsinstrument
Effektives Element für die internationale Zusammenarbeit könnten nach Einschätzung der Diw-WissenschaftlerInnen CO2-Differenzverträge als Finanzierungsinstrument für Klimaschutzprojekte sein. Abgeschlossen werden sie gemeinsam zwischen Schwellen- und Entwicklungsländern und Industriestaaten mit Unternehmen, die in klimafreundliche Projekte investieren. Dabei garantiert der Staat dem Unternehmen, dass er jeweils die Differenz zwischen den Kosten einer herkömmlichen und den Kosten einer klimaneutralen Produktion ausgleichen wird. Wird der Preis einer herkömmlichen, auf fossilen Energien basierenden Produktion, unterschritten, zahlt das Unternehmen den Mehrerlös zurück. So wird das Investitionsrisiko der Unternehmen minimiert und die nötigen Anreize für Klimaschutzprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern gesetzt. „CO2-Differenzverträge sind bereits in einigen EU-Staaten in der Umsetzungsphase, wären aber auch im internationalen Kontext äußerst wirksam“, so Klimaökonom Karsten Neuhoff. „Hier werden die im Ausland noch höheren Finanzierungskosten reduziert und Wechselkursrisiken vermieden.“

Mehr Vertrauen bei Klimakooperation schaffen
Eingebettet werden sollten die internationalen CO2-Differenzverträge den StudienautorInnen zufolge in jeden Fall in einen besseren politischen Dialog zwischen Geber- und Empfängerländern. „Wir brauchen Instrumente und Plattformen, die zusätzliches Vertrauen schaffen, dass sich beide Seiten an die Abmachungen halten“, resümiert Studienautorin Charlotte Aebischer. „Ein Dialog auf Augenhöhe kann dazu beitragen, dass gemeinsam die politischen Maßnahmen zum klimaneutralen Übergang entwickelt und umgesetzt werden können. Gleichzeitig können die Geber den Empfängern spiegeln, dass sie sich ebenfalls dem Klimaschutz verpflichtet sehen und nicht nur einseitig Forderungen stellen.“

Studie im Diw Wochenbericht 38/2022 >>

Text: ee-news.ch, Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (Diw Berlin)

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