Überblick Strommarkt und Energy Communities in den Niederlanden, wo es bereits 600 Energy Communities gibt. Deutschland kann von den positiven Erfahrungen anderer europäischer Länder profitieren. ©Bild: Dena

Dena: Energy Communities sind Beschleuniger der dezentralen Energiewende – digitale Technologien und rechtliche Rahmenbedingungen sind Voraussetzung

(Dena) Digitalisierung, Dezentralisierung und Teilhabe sind zentrale Bausteine für die nachhaltige Transformation unseres Energiesystems. In sogenannten Energy Communities kommen diese Aspekte besonders zum Tragen. Sie schaffen neue Möglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger, sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen, indem sie Strom gemeinschaftlich produzieren und verbrauchen. Deshalb führte die Deutsche Energie-Agentur (Dena) in ihrem Future Energy Lab eine Analyse zum Thema ‚Energy Communities: Beschleuniger der dezentralen Energiewende‘ durch.


Die Ergebnisse zeigen, wie solche Communities in ihren vielfältigen Konstellationen zukünftig die dezentrale Energiewende voranbringen. Insbesondere digitale Technologien können dabei helfen, den Peer-to-Peer-Energiehandel, den kollektiven Eigenverbrauch sowie weitere dezentrale Geschäftsmodelle wirtschaftlich zu ermöglich. Wie das gelingt, zeigt die Analyse anhand europäischer Beispielländer wie den Niederlanden, Dänemark und Spanien. Damit die dezentrale Energiewende auch in Deutschland wieder an Schwung aufnimmt, empfiehlt die Dena einen möglichst schnellen Smart Meter Rollout sowie eine zügige Umsetzung der Europäischen Richtlinie zu Energy Communities.

Tempo machen
„Wir müssen jetzt Tempo machen und der Energiewende eine neue Dynamik verleihen. Nur so können wir den Klimawandel wirksam bekämpfen und von fossilen Energieträgern unabhängig werden. Die Möglichkeiten, die digitale Technologien für Energy Communities eröffnen, sind gross und ich bin zuversichtlich, dass Innovationen sowie neue Geschäftsmodelle uns schon bald eine neue Energiewelt eröffnen. Dafür müssen wir jetzt die Voraussetzungen schaffen. Die Dena-Analyse zeigt, wie die Umsetzung konkret gelingt“, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Dena.

Energy Communities: Transformation der Energieversorgung durch digitale Technologien
Energy Communities spielen vor allem als Erzeugergemeinschaften, virtuelle Kraftwerke oder Quartierskonzepte schon seit Längerem eine wichtige Rolle für die Energiewende. Doch die Dena-Analyse zeigt, dass das volle Potenzial dieser dezentralen Energiewende nicht genutzt wird. Die Europäische Union habe mit der Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie (Emd) und der Renewable Energy Directive II (Red II) günstige Voraussetzungen für den kollektiven Eigenverbrauch in Energy Communities geschaffen. Mit den Richtlinien stärke sie ausserdem die Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern, sich an innovativen Geschäftsfeldern wie Aggregation, Regionalstrom, Peer-to-Peer Energiehandel, kollektivem Eigenverbrauch und Flexibilitätshandel am Energiemarkt zu beteiligen. In Deutschland wurden diese Regelungen bisher jedoch noch nicht vollständig umgesetzt.

Die Dena-Analyse zeigt ausserdem, wie digitale Technologien Energy Communities neuen Schwung geben. Auf diese Weise könne die Akzeptanz für regionalen erneuerbaren Strom gestärkt, der Zubau von Erneuerbare-Energien-Anlagen beschleunigt, die nötige Förderung von Erneuerbaren reduziert, die wirtschaftliche Partizipation an der Energiewende ermöglicht und die Stromnetze durch die lokale Abstimmung von Angebot und Nachfrage entlastet werden. Ausserdem kann durch Energy Communities der wirtschaftliche Weiterbetrieb alter Erneuerbaren-Anlagen, die aus der EEG-Förderung fallen, ermöglicht werden.

Neue Möglichkeiten zur Vermarktung erneuerbarer Energien
Die Analyse macht deutlich, dass digitale Technologien wie intelligente Messsysteme, digitale Plattformen, Distributed Ledger Technologien und Smart Contracts neue Möglichkeiten zur Vermarktung erneuerbarer Energien sowie Flexibilität schaffen. Eine Befragung unter Energy Communities im Rahmen der Analyse hat ergeben, dass der Einsatz digitaler Technologien die Aktivitäten und Prozesse von bestehenden Energy Communities bereits verbessert hat. Allerdings benötigt die Implementierung digitaler Lösungen auch umfangreiches Wissen und Personal.

Vergleich von Energy Communities in Europa
Als Teil der Analyse verglich die Dena Energy Communities in verschiedenen europäischen Ländern wie den Niederlanden, Spanien und Dänemark. Der Vergleich zeigt beispielsweise, dass Deutschland vor allem bei der Weiterentwicklung des rechtlichen Rahmens, der Ausgestaltung der Marktkommunikation und der notwendigen Digitalisierung von den positiven Erfahrungen der anderen Länder profitieren kann. Damit Energy Communities auch in Deutschland ihr volles Potenzial entfalten, empfiehlt die Dena eine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen, die Schaffung der nötigen digitalen Infrastruktur sowie eine intensivere Forschung und Erprobung von Weiterentwicklungsmöglichkeiten zur Integration in das Energiesystem. Insbesondere sollten die Europäischen Vorgaben aus der Red II zügig umgesetzt, der kollektive Eigenverbrauch ermöglicht, dynamische Netzentgelte geprüft, Lieferantenpflichten in Energy Communities vereinfacht und die Marktkommunikation angepasst werden.

Damit die Potenziale der digitalen Technologien auch genutzt werden können, muss ausserdem eine digitale Infrastruktur vorhanden sein. Dazu muss vor allem der Smart-Meter-Rollout schnell vorankommen. Die Weiterentwicklung sollte ausserdem durch weitere Forschung und Experimentierräume für neue Lösungen begleitet werden, denn nur so können die vielfältigen neuen Möglichkeiten adäquat nach ihrem Nutzen für die verschiedenen Akteure und für das Gesamtsystem analysiert und bewertet werden.

Dena-Analyse: Energy Communities – Beschleuniger der dezentralen Energiewende >>

Text: Deutsche Energie-Agentur (Dena)

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