Die Schweizer Banken leihen den GCEL-Unternehmen nicht nur Geld oder beschaffen Geld für sie, sondern investieren auch weiterhin in sie. Ende 2021 hielten sie Aktien und Anleihen von GCEL-Unternehmen im Wert von über $ 22 Mrd. Bild: Klima Allianz

Klima-Allianz Schweiz: Der Schweizer Finanzplatz unterstützt den Ausbau der Kohleindustrie – seit 2019 flossen 19.8 Mrd. US-Dollar

(PM) Laut der Recherche von dreissig NGOs haben Schweizer Banken im Jahr 2021 den Kohleunternehmen der GCEL-Liste 5.7 Milliarden US-Dollar geliehen oder bei der Beschaffung dieser Finanzmittel geholfen. Seit 2019 haben die Schweizer Banken 19.8 Milliarden US-Dollar an neuem Geld in den Kohlesektor kanalisiert. (Texte en français >>)


An der Spitze stehen die Credit Suisse mit 13.5 Milliarden, gefolgt von der UBS mit 5.2 Milliarden, der Habib Bank mit 500 Millionen und der Zürcher Kantonalbank mit 255 Millionen. Zwischen 2019 und 2021 gingen fast 8.5 Milliarden an Unternehmen, die Pläne für die Erweiterung von Minen oder den Bau neuer Kohlekraftwerke haben. Glencore, der weltgrösste Exporteur von Kohle, ist der grösste Empfänger dieser Gelder.

UBS vor Pictet, CS und Nationalbank
Die Schweizer Banken leihen den GCEL-Unternehmen nicht nur Geld oder beschaffen Geld für sie, sondern investieren auch weiterhin in sie. Ende 2021 hielten sie Aktien und Anleihen von GCEL-Unternehmen im Wert von über 22 Milliarden US-Dollar. Die Rangliste umfasst UBS mit 7.6 Milliarden investierten Geldern, die Pictet-Gruppe mit 6.2 Milliarden, Credit Suisse mit 2.6 Milliarden, die Schweizerische Nationalbank mit 2.5 Milliarden und die Zürcher Kantonalbank mit 0.6 Milliarden. Diese Investitionen sind vermeidbar: Andere Schweizer Banken zeigen, dass es möglich ist, eine authentische Klimapolitik zu betreiben. Die Berner Kantonalbank verbannt seit dem 1. Januar 2022 alle Unternehmen, die in fossilen Energieträgern - Kohle, Öl und Gas - tätig sind, aus den Anlageportfolios ihrer Kunden. Die Kantonalbank von Basel-Landschaft geht einen ähnlichen Weg.

Darüber hinaus täuscht die Intransparenz der Banken über den Inhalt ihrer Investmentfonds. Der als nachhaltig eingestufte Investmentfonds Pictet Clean Energy R gibt unter den Sektoren, die er ausschliesst, auch Kohle an. Dennoch investiert er stark in das deutsche Unternehmen RWE, einen der grössten Produzenten von Kohlestrom in Europa.

Bedarf an Regulierung
Zahlreiche Aktivistinnen, Aktionäre und Prominente fordern Credit Suisse, UBS und die SNB auf, eine Anlagepolitik zu verfolgen, die mit dem Klimawandel Schritt hält. Doch ihre Appelle bleiben unbeantwortet. Der Bundesrat und Dachorganisationen der Finanzwirtschaft träumen davon, dass die Schweiz zu einem internationalen Hub für nachhaltige Finanzen wird. Doch um diese Vision zu verwirklichen, muss der Staat eingreifen. Ihm obliegt es, eine Pflicht zur Transparenz und klare Ziele für die Umlenkung von Finanzströmen einzuführen, die mit dem Ziel des Pariser Abkommens, den Temperaturanstieg nicht über 1,5°C hinausgehen zu lassen, vereinbar sind.

“Im Januar 2022 musste der Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse zurücktreten, weil er gegen mehrere Quarantänevorschriften verstossen hatte. Ist es akzeptabel, dass diese Finanzinstitute die Zerstörung des Klimas weiter vorantreiben, ohne dafür bestraft zu werden? Wann werden Strafen für die Zerstörung des für die Zukunft so dringend benötigten Allgemeinguts Klima verhängt?” fragt Christian Lüthi, Geschäftsleiter der Klima-Allianz Schweiz.


Die Global Coal Exit List

Unternehmen, die auf dieser Liste stehen, erfüllen eines der folgenden drei Kriterien:

  • Mindestens 20 % ihrer Einnahmen stammen aus dem Kohleabbau;
  • mindestens 20 % des von ihnen erzeugten Stroms stammen aus Kohle;
  • sie fördern mindestens 10 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr oder halten mindestens 5 Gigawatt an kohlebefeuerter elektrischer Leistung;
  • sie planen neue Kohlekraftwerke, Kohleminen oder weitere Infrastruktur für die Kohleindustrie

Die Zahlen zur Finanzierung
Die veröffentlichten Zahlen sind die bislang umfassendsten Angaben zur Gesamtverantwortung der Schweizer Finanzakteure für die Aufrechterhaltung des klimaschädlichsten Energiepfades. Sie stammen aus der Arbeit von Urgewald, Reclaim Finance, 350·org Japan und 25 weiteren NGO-Partnern. Die Daten wurden von Profundo, einem spezialisierten Büro mit Sitz in den Niederlanden, zur Verfügung gestellt. Die Liste schliesst Finanzierungen aus, die in Nicht-Kohle-Aktivitäten oder zur Verbesserung der Umweltleistung eingesetzt werden.

Text: Klima-Allianz

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