Der Windstrom-Booster ist ein erster konkreter Schritt in Richtung eines langfristig vermaschten Gleichstromnetzes auf See und an Land. Bild: Tennet

Tennet: Windstrom-Booster in Form eines 6-Gigawatt-Verteilkreuz zur Beschleunigung der Offshore-Ausbauziele

(ee-news.ch) Der Übertragungsnetzbetreiber TenneT hat heute eine technologische Innovation vorgestellt, mit der der Offshore-Netzausbau für Windstrom in der Nordsee deutlich beschleunigt werden kann. Mit dem Windstrom-Booster können sechs Gigawatt Offshore-Kapazität drei Jahre früher realisiert werden. Zum Vergleich: sechs Gigawatt Kapazität entsprechen sechs Grosskraftwerken .
Der Windstrom-Booster ist ein erster konkreter Schritt in Richtung eines langfristig vermaschten Gleichstromnetzes auf See und an Land.


Ein vermaschtes Gleichstromnetz (HGÜ-Overlay-Netz) an Land und auf See sichert dauerhaft die Versorgungssicherheit und senkt die volkswirtschaftlichen Kosten der Integration von erneuerbaren Energien zur Erreichung der Klimaziele.

Vorteil: Beschleunigung des Offshore-Ausbaus
Tennet ist für die Errichtung von rund 17 der insgesamt aktuell geplanten 20 Gigawatt Offshore-Übertragungskapazität in Nord- und Ostsee bis zum Jahr 2030 zuständig. Mit dem vorgeschlagenen Ausbaupfad für weitere sechs Gigawatt bis 2032, die bislang erst bis 2035 vorgesehen waren, können die deutschen Offshore-Ausbauziele kurzfristig erheblich erhöht werden und damit einen Beitrag leisten zu einer beschleunigten Umsetzung auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Vorteil: Internationale Verbindungen in der Nordsee
Um die europäischen Klimaziele zu erreichen, muss der Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee perspektivisch über nationale Grenzen hinweg geplant werden. Notwendig ist ein Nordsee-Offshore-Netz, das die Anrainerstaaten verbindet. Für Deutschland ist dies besonders wichtig, da die deutschen Offshore-Windpotenziale nicht ausreichen werden, um die deutschen Klimaziele bis 2045 zu erreichen. Die Vernetzung mehrerer Offshore-Anbindungen aus verschiedenen Staaten steigert die Effizienz, die Versorgungssicherheit und schafft neue europäische Stromhandelskapazitäten. Das modulare Verteilkreuzkonzept des LanWin-Hubs ermöglicht beispielsweise eine Vernetzung mit der dänischen „Energieinsel“ und perspektivisch auch mit weiteren Nordseeanrainerstaaten. Dieses Verteilkreuz würde im LanWin-Gebiet der deutschen Aussenwirtschaftszone in der Nordsee, rund 150 Kilometer vor der deutschen Küste  errichtet werden.

Vorteil: Smarte Sektorenkopplung an den küstennahen Netzverknüpfungspunkten
Bisher wurden Offshore-Windparks stets durch Punkt-zu-Punkt-Verbindungen mit dem Stromnetz an Land verbunden. Um die ambitionierten Klimaziele Deutschlands und Europas zu erreichen, ist es erforderlich, ein international vermaschtes Gleichstromnetz auf See und an Land zu errichten, um mehr Energie durch die geplanten Gleichstromleitungen an Land zu transportieren. An den küstennahen Offshore-Netzverknüpfungspunkten ist neben der Dekarbonisierung energieintensiver Prozesse eine intelligente Sektorenkopplung mit geplanten Elektrolyse-Projekten sowie mit der Gasinfrastruktur und der Einspeisung von Onshore-Windenergie vorgesehen.

Vorteil: Weniger Flächenverbrauch an Land
Um private Verbraucher, die Industrie und geplante Elektrolyse-Projekte mit Offshore-Windenergie zu versorgen sowie eine direkte Verbindung mit weiterführenden Gleichstromleitungen an Land zu ermöglichen, landen die drei Offshore-Verbindungen küstennah in Heide (Schleswig-Holstein), Wilhelmshaven (Niedersachsen) und im Raum Bremen  an. Das Windstrom-Booster-Konzept sorgt für Entlastung des Raum- und Flächenbedarfs in den Küstenregionen und bietet zugleich neue Chancen für die dort ansässigen Industrie-Cluster. Jeder dieser drei Räume soll mit je einer Zwei-Gigawatt-Anbindung als Windstrom-Booster integriert werden.  

Vorteil: Erfahrung und Innovation
Tennet hat in den Niederlanden und Deutschland bereits 14 Offshore-Netzanbindungen realisiert und betreibt damit mehr als die Hälfte der Offshore-Netzanbindungskapazität in der EU. Das dadurch entwickelte Know-how setzt Tennet zum Vorteil neuer Projekte ein. Für den LanWin-Hub setzt Tennet auf seinen innovativen Zwei-Gigawatt-Standard für Gleichstromverbindungen, ergänzt um technologische Weiterentwicklungen für das Windstrom-Booster-Konzept. Der neue Standard zielt darauf ab, die Kosten beim Offshore-Netzausbau weiter zu senken und die räumlichen und ökologischen Auswirkungen zu minimieren.

Unterstützer der Tennet-Initiative
Zahlreiche Unternehmen der Industrie und Energiebranche sowie Branchenverbände unterstützen die Initiative von Tennet zur Beschleunigung der Realisierung der Offshore-Ausbauziele in der Nordsee. Tennet nutzt dabei das Windstrom-Booster-Konzept: der Aufbau von modularen Windenergie-Verteilkreuzen auf See und an Land wird kombiniert mit netzdienlichen und für die Industrie passenden Standorten. Ziel ist die Verknüpfung von Lösungen zur Dekarbonisierung von energieintensiven Prozessen in der Industrie und zur smarten Kopplung von Windenergie mit Wasserstoff mit der Schaffung einer internationalen Vernetzung von Gleichstrom-Leitungen. Zudem steigert die direkte Vernetzung mehrerer Offshore-Anbindungen aus verschiedenen Ländern die Effizienz, die Versorgungssicherheit und schafft neue europäische Stromhandelskapazitäten.  

Wichtige Unternehmen, darunter z.B. ArcelorMittal, Entwicklungsagentur Region Heide,  EWE, Holcim, Hynamics, Ørsted, Raffinerie Heide, Salzgitter AG, Uniper sowie die Windenergieverbände BWO und WAB unterstützen die Initiative von Tennet.

Text: ee-news.ch, Quelle: Tennet

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