Gesamtenergieverbrauch der Schweiz seit 1910. Bild: BFEVeränderung des Endenergieverbrauchs pro Jahr. Bild: BFE

Veränderung des Endenergieverbrauchs pro Jahr. Bild: BFE

Verbrauchsänderungen von Benzin & Diesel und Flugtreibstoffen, 2000-2020. Bild: BFE

Jährliche Verbrauchsänderungen von Elektrizität, Gas und Heizöl, 2000-2020. Bild: BFE

Endenergieverbrauch 1980 von Total 698'290 TJ (links) gegenüber 2020 mit Total 747'400 TJ (rechts). Bild: BFE

Schweizer Gesamtenergieverbrauch 2020: Sinkt aufgrund von Pandemie und Wetter um 10.6% gegenüber 2019 - Absatz von Flugtreibstoffe brach um -62.2% ein

(BFE) Der Endenergieverbrauch der Schweiz ist 2020 gegenüber dem Vorjahr um 10.6% auf 747’400 Terajoule (TJ) gesunken. Hauptgründe dafür sind die Covid-19 Pandemie und die im Vergleich zum Vorjahr wärmere Witterung. Die Heizgradtage sanken um 4.4%, der Treibstoffverbrauch um 23.0%, der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Endenergieverbrauch betrug 11.0%. (Texte en français >>)


Die starke Abnahme des Endenergieverbrauchs um 10.6% gegenüber dem Vorjahr ist in erster Linie auf die Covid-19-Pandemie zurückzuführen. Verschiedene Indikatoren, welche für den Energieverbrauch bestimmend sind, waren durch die zwei Lockdowns ausserordentlich betroffen: die Fahrleistungen und Fahrzeugbewegungen im Personenverkehr (Flugverkehr: -64%; Strassenverkehr: Abnahme, es liegen jedoch noch keine definitiven Werte vor), die industrielle Produktion (-3.5%) und das Bruttoinlandsprodukt (reale BIP: -2.9%).

Heizgradtage minus 4.4%
Die im Vergleich zum Vorjahr wärmere Witterung hat ebenfalls zur Abnahme des Energieverbrauchs beigetragen: Die Anzahl Heizgradtage, ein wichtiger Indikator für den Energieverbrauch zu Heizzwecken, nahm um 4.4% ab. Leicht zugenommen haben 2020 hingegen andere Faktoren, die den langfristigen Wachstumstrend des Energieverbrauchs bestimmen: Die ständige Wohnbevölkerung (+0.7%), der Motorfahrzeugbestand (+1.3%) und der Wohnungsbestand (Zuwachs, es liegen jedoch noch keine detaillierten Zahlen vor). Effizienzsteigerungen und Substitutionseffekte wirken sich hingegen dämpfend auf das Wachstum des Energieverbrauchs aus. Zu den Bestimmungsfaktoren der Energieverbrauchsentwicklung werden die jährlichen Ex-Post-Analysen weitere Aufschlüsse liefern (Publikation im Oktober 2021).

Treibstoffverbrauch stark gesunken
Die Auswirkung der Pandemie auf den Energieverbrauch zeigt sich vor allem bei den fossilen Treibstoffen. Der Benzin- und Dieselverbrauch ging insgesamt um 8.1% zurück (Benzin -11.4%, Diesel -5.2%). Der Absatz der Flugtreibstoffe brach um -62.2% ein. Insgesamt lag der Treibstoffverbrauch damit um 23.0% unter dem Niveau von 2019. Ein historischer Einbruch wie die beiliegende Grafik 1 zeigt. Die fossilen Treibstoffe machen ungefähr einen Drittel (30.3%) des gesamten Endenergieverbrauchs aus.

Der Verbrauch der biogenen Treibstoffe reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr ebenfalls (-6.9%), nachdem er seit 2014 stetig zugenommen hatte. Deren Anteil am gesamten Absatz von Benzin und Diesel blieb jedoch unverändert bei 3.7%.

Rückgang von Energieträgern zu Heizzwecken
Die warme Witterung führte zu einem deutlichen Rückgang des Verbrauchs von Energieträgern zu Heizzwecken. Der Verbrauch von Heizöl extra-leicht sank um 10.4%, derjenige von Erdgas um 2,0% gegenüber dem Vorjahr. Der Elektrizitätsverbrauch nahm ebenfalls ab (-2.6%). Bei diesen Energieträgern sind die Veränderungen im historischen Kontext nicht auffällig (vgl. beiliegende Grafik 2). Beim Elektrizitätsverbrauch gab es temporär jedoch einen deutlichen Corona-Effekt während der Lockdown-Phasen. Diese drei Energieträger machen mehr als die Hälfte des Endenergieverbrauches aus (55.0%).

Die energetische Verwendung von Industrieabfällen hat um 1.4% abgenommen (Anteil am Endenergieverbrauch: 1.5%). Wie im Vorjahr nahm der Verbrauch von Kohle ab (-3.9%) und die schweren Heizölsorten blieben auf dem Vorjahreswert. Hingegen stieg der Verbrauch von Petrolkoks (+45.8%). Der Anteil dieser drei Energieträger am gesamten Endenergieverbrauch ist sehr gering (
Verbrauchsrückgang bei den erneuerbaren Energien
Die warme Witterung wirkte sich nicht auf alle erneuerbaren Energieträger zu Heizzwecken gleich aus. Der Verbrauch von Energieholz sank um 3.5%. Der Verbrauch von Fernwärme ging ebenfalls zurück (-2.2%). Der Verbrauch von Solarwärme und die Nutzung von Umgebungswärme mit Wärmepumpen stieg jedoch an (Sonne: +0.8%; Umweltwärme: +3.6%). Der Anteil dieser Energieträger am gesamten Endenergieverbrauch betrug 11.0% (Energieholz: 5.3%, Umgebungswärme: 2.5%, Fernwärme: 2.8%, Solarwärme: 0.4%).

Die direkte Nutzung von Biogas sank um 2.6%. Unter Berücksichtigung des ins Erdgasnetz eingespeisten Biogas (das statistisch unter Gas verbucht wird), ergibt sich eine leichte Senkung des Biogasverbrauches (-0.6%). Der Anteil des eingespeisten Biogases am gesamten Gasverbrauch betrug 1,2% (2019: 1.1%).

Die Schweizerische Gesamtenergiestatistik 2020 ist ab der zweiten Hälfte Juli 2021 auf Internet verfügbar und Anfang August in gedruckter Form erhältlich. Ab sofort verfügbar ist ein erster zusammenfassender Überblick (siehe Anhang).

Text: Bundesamt für Energie

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1 Kommentare

Max Blatter

"Zurück zur Normalität" (nach Corona) halte ich generell für ein schlechtes Motto. Ganz besonders gilt dies aber für die Flugbranche.

Auch wenn es für die Fluggesellschaften schmerzhaft ist: Ein Zurück zu exzessiven Flugreisen (egal ob geschäftlich oder privat) darf es nicht geben. Nur schon daran zu denken ... "how dare you!" Maßvoll; ab sofort vollständig CO2-kompensiert; so rasch wie möglich zu 100% auf der Basis erneuerbarer Energien: So muss der Flugverkehr der Zukunft aussehen.

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