Die ADEV konnte verschiedene neue Solarstromprojekte realisieren, unter anderem auf den Dächern des Spital Balgrist, auf dem Lysbüchel Areal in Basel und auf den Dächern der Agrotropic AG in Oberhasli (siehe Bild). Bild: Lukas Pitsch

Der Klimawandel ist nicht wegzureden und wenn wir jetzt nicht handeln, dann wird es künftig aufwändiger und mehr kosten, erklärte Prof. Reto Knutti von der ETH Zürich an der Generalversammlung der ADEV Energiegenossenschaft . Bild: ZVG

ADEV Energiegenossenschaft: Jahresabschlüsse und Dividenden genehmigt – Wärmenetze im Aufwind und neue Windprojekte in petto

(PM) 2020 war wiederum ein gutes Jahr für die Erzeugung von erneuerbaren Energien. Die Anlagen der in Liestal ansässigen ADEV Gruppe produzierten insgesamt 37 Mio. kWh ökologischen Strom und 17.3 Mio. kWh Ökowärme. Die Generalversammlungen der Gesellschaften der ADEV Gruppe ge-nehmigten die Jahresabschlüsse mit grossem Mehr. Aufgrund der Pandemie fand die Versammlung online statt, ohne Teilhaberinnen und Teilhaber, jedoch mit einem packenden Publikumsvortrag des profilierten Klimaforschers Prof. Reto Knutti von der ETH Zürich.


Es war erneut eine spezielle Situation am vergangenen Freitag im 1. Stock des Restaurant Farnsburg in Liestal: Die vier Präsidenten und eine Präsidentin der ADEV Gesellschaften wechselten sich im Stunden-takt ab und präsentierten die Ergebnisse ihrer Gesellschaft live vor dem Onlinepublikum. Mehrere hun-dert ADEV Genossenschafterinnen und Genossenschafter, sowie Aktionärinnen und Aktionäre, loggten sich im Verlauf des Tages ein um – mit gebührender Distanz – dabei zu sein.

Thomas Tribelhorn neuer Vorsitzender der ADEV Geschäftsleitung
ADEV Verwaltungsratspräsident und SP Nationalrat Eric Nussbaumer begrüsste die Onlinegäste vor den Livekameras und stellte den neuen Vorsitzenden der ADEV Geschäftsleitung vor: Thomas Tribelhorn. Nach 30 Jahren bei der ADEV hat Andreas Appenzeller im Januar die Leitung der Gruppe an Tribelhorn abgegeben. Appenzeller bleibt der ADEV mit seinem immensen Know-how erhalten und entwickelt fortan komplexe Energieprojekte. Betriebswirtschafter Thomas Tribelhorn war zuvor Mitglied der Geschäfts-leitung eines Medizinaltechnik-Unternehmens und hat ein Nachdiplomstudium in Renewable Energy Management in St. Gallen erfolgreich abgeschlossen.

Gründungsmitglied der Grünliberalen Partei Baselland
Er ist auch Gründungsmitglied der Grünliberalen Partei Baselland und seit 2019 deren Präsident. Als Vorsitzender der Geschäftsleitung der ADEV Gruppe führte er anlässlich der Generalversammlungen souverän durch die Geschäfte 2020. Vor Ort waren selbstverständlich auch der Stimmrechtsvertreter und Rechtsanwalt Flavio Gisler aus Altdorf, der für alle Gesellschaften beauftragt war, die Teilhaberinnen und Teilhaber an den fünf Generalversammlungen zu vertreten. Zudem vertrat René Zemp die Revisionsstelle Duttweiler & Partner Wirtschaftsprüfung AG und Claude Etique zeichnete verantwortlich für die Protokollierung.

ADEV Gruppe hält Produktionslevel
Die ADEV Energiegenossenschaft und ihre vier Tochtergesellschaften blickten erneut auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Mit insgesamt 37 Millionen Kilowattstunden Strom und 17.3 Mio. kWh Öko-wärme produzierten die Anlagen der ADEV Gruppe 2020 etwa gleich viel erneuerbare Energie wie im Vorjahr. Unter dem Strich resultierte bei einem konsolidierten Jahresumsatz von 13.4 Millionen Franken (identisch mit dem Vorjahr) ein Reingewinn von 867‘000 Franken (2019 war es rund eine Million Franken).

Ökowärme im Aufwind
Die abonnierte Leistung von Nah- und Fernwärmenetzen in der Schweiz hat sich dank erneuerbaren Energieträgern wie Holz und Umweltwärme seit 2010 von 2.2 GW auf 4.2 GW fast verdoppelt und liefert 10% des gesamtschweizerischen Wärmebedarfs. Bis 2050 sollen es 38% sein. Seit Ende 2019 ist die ADEV Ökowärme AG eine Publikumsgesellschaft und betrieb Ende 2020 bereits 22 Anlagen zur Wärme-erzeugung, davon 10 Anlagen mit Gas-Blockheizkraftwerk, 10 mit Holzfeuerungsanlagen sowie 2 auf Basis von Wärmepumpen, welche die Wärme im Untergrund für die Wärmeerzeugung nutzen. Die bis-lang grösste Anlage in Basel (Erlenmatt Ost) wird 13 Gebäude mit Umweltwärme versorgen. Die ADEV will 2021 mit ihrer Erfahrung und Innovationskraft weitere Pionierprojekte realisieren, zum Beispiel den Wärmeverbund Chrischona in Bettingen mit 400 kW oder den WV Lindenplatz Allschwil mit bis zu 3 MW. In 2020 konnte sie den Umsatz um 20% auf 1‘647‘000 Franken steigern, während der Gewinn mit 19‘100 Franken leicht unter den Erwartungen blieb. Die Gesamtkapitalrendite ist ähnlich wie 2019. Damit die ADEV Ökowärme AG weiterwachsen kann, ist eine weitere Kapitalerhöhung möglich.

Bessere Rahmenbedingungen für mehr Solar- und Windenergie
Wie wichtig politische Rahmenbedingungen für den Zubau von neuen erneuerbaren Energien sind, zeigt der Vergleich mit den Nachbarländern: Seit Jahren belegte die Schweiz einen Platz am Ende der Tabelle, die vom Energiewendepionier Deutschland angeführt wird. Zur Erreichung der Klima- und Energieziele müsste die Schweiz endlich Rahmenbedingungen schaffen, die es ermöglichen den jährlichen Zubau zu verfünffachen. Eine Studie zeigt, dass das ausschöpfbare Solarstrom-Potenzial auf Gebäuden bei jährlich 67 Milliarden kWh liegen würde, was 110 Prozent des Stromverbrauchs der Schweiz entspricht (Bundes-amt für Energie, 2021)! 2020 war ein Jahr mit vielen Sonnenstunden, weshalb auch die Erfolgsrechnung der ADEV Solarstrom AG mit einem erfreulichen Gewinn von 439‘000 Franken abschliesst (Vorjahr 516‘000 Franken). Für 2021 plant ADEV Anlagen mit einem Zubau für Eigenverbrauch von 800 KW

Neue Windparks in Planung
Europaweit ist die Schweiz (auch hier) Schlusslicht. Aber: Wind ist Winterenergie und davon werden wir zu wenig haben, wenn wir im Windbereich nicht vorwärts machen. Die ADEV Windkraft AG wird 2021 die Anlagen Ettenheim und Grenchenberg zurückbauen, hat aber ein vielversprechendes Projekt am Start: Der Windpark Alpiliegg soll zusammen mit Partnern realisiert werden. 2020 war ein etwas schlechteres Windjahr als 2019, jedoch besser als 2018. Das Jahr schliesst mit einem Gewinn von 209‘000 Franken, was um 17% tiefer ist als das Spitzenwindjahr 2019 (251‘000 Franken).

Moosbrunnen 3 mit Einspeisevergütung bald ans Netz
Der Kampf mit einem Verfahren vor der Elcom für eine Übergangsregelung in der Energieverordnung (EnV) für das Kraftwerk Moosbrunnen 3 hat die ADEV Wasserkraftwerk AG 2020 beschäftigt. Zudem standen Sanierungsarbeiten wie jene bei den Kraftwerken Dünnern und Untere Emmengasse an, welche zu Produktionsausfällen führten. Aber: 2021/22 will die ADEV mit Moosbrunnen 3 ans Netz gehen und auch unter dem Einspeisevergütungssystem (EVS) kostendeckend produzieren. Das Finanzergebnis fiel 2020 mit einem Verlust von 53‘000 Franken schlechter aus als 2019 (Gewinn 26‘000 Franken). Die Gesamtkapitalrendite war indes mit 0.8% besser als im schwierigen Jahr 2018.

Dividendenpolitik der ADEV Gruppe
Die Teilhaberinnen und Teilhaber in den Gesellschaften der ADEV Gruppe erhalten bei gutem Geschäfts-gang einen Zins auf ihre Anteilscheine, beziehungsweise eine Dividende auf ihre Aktien, so wie dies 2020 bei der ADEV Windpark AG, bei der ADEV Solarstrom AG, und natürlich bei der ADEV Energiegenossen-schaft der Fall war. Keine Dividende ausgeschüttet haben die ADEV Wasserkraft AG und die stark wach-sende ADEV Ökowärme AG.

Rück- und Ausblick: ZEV und Wärmeverbünde oben auf
Auch die ADEV Gruppe setzt immer öfter auf Wärmeverbunde (WV) und Zusammenschlüsse zum Eigen-verbrauch (ZEV). Ein Novum war hier die Kooperation mit einem grösseren Energieversorger: Der WV Lehenmatt Birs (www.wvlb.ag) gehört je zur Hälfte der ADEV und den Industriellen Werken Basel (IWB). Zudem gründete die ADEV zu gleichen Anteilen mit der Stadt Laufenburg den WV Laufenburg. Bei Neu- und Umbauten wird immer häufiger ein Zusammenschluss zum Bau und zur Nutzung von Solarenergie angestrebt; auch über benachbarte Grundstücke hinweg. Etwas, dass sich für alle Beteiligten lohnt. Die ADEV kann beispielsweise neue Projekte mit dem Spital Balgrist, auf dem Lysbüchel Areal in Basel und mit der Agrotropic AG in Oberhasli realisieren. Weitere WV- und ZEV-Anlagen sind in Planung.

Politische Entscheidungen und Rahmenbedingungen wird die Tätigkeit der ADEV Gruppe (bzw. der meisten Produzenten von erneuerbarer Energie) massgeblich beeinflussen. Zum CO2-Gesetz äusserte sich Prof. Reto Knutti (siehe unten) an der ADEV GV in seinem Publikumsreferat. Der Bundesrat beabsichtigt, die Bedingungen für den inländischen Zubau der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien zu verbessern, was die Stromversorgungssicherheit in der Schweiz erhöhen würde. Dazu hat er das UVEK beauftragt, die beiden Revisionen (Energiegesetz und Stromversorgungsgesetzes) zu einem Mantelerlass unter dem Namen «Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien» zusammenzuführen. Eine entsprechende Botschaft wird bald erwartet.


Publikumsvortrag von Prof. Reto Knutti, ETH Zürich
Der renommierte Klimaforscher kam ziemlich schnell zur Sache: Zwei Grad Erwärmung werden seit vorindustriellen Zeiten in der Schweiz nachgewiesen. Bestes Beispiel: Unsere Gletscher zeigen einen aussergewöhnlichen Rückgang. Dass der Klimawandel kostenneutral gestoppt werden kann, behauptet Knutti nicht. Aber: Die Kosten sind in jedem Fall höher, wenn man nichts tut, als wenn wir jetzt handeln. Es ist also kein Zufall, dass die Wirtschaft praktisch geschlossen hinter dem CO2-Gesetz steht und beispielsweise der global tätige Rückversicherer Swiss Re sagt: «Es ist günstiger das Problem anzupacken, als nichts zu tun.» Denn wenn die Temperaturen erst gestiegen sind, dauert es ewig, bis neue Massnahmen greifen: „Die CO2-Menge in der Atmosphäre nimmt nur langsam ab, die Temperatur bleibt konstant; respektive nimmt in einem Zeitraum von vielleicht 1000 Jahren wieder ab.

Praktisch nicht umkehrbar
Der Klimawandel ist also praktisch nicht umkehrbar, ähnlich wie ein atomares Endlager.“ Kein Wunder, ordnet das WEF aktuell fünf von sieben top Risiken den Bereichen Umwelt und Klima zu. Interessantes Detail zur oft gehörten Aussage, die Schweiz sei viel zu klein um etwas zu bewirken: „Wäre der Finanzsektor der Schweiz ein Land, dann wäre dieses Land der sechst grösste CO2-Verursacher dieser Welt“, erinnerte Knutti. Auf die Frage von ADEV CEO Thomas Tribelhorn, ob das CO2-Gesetz denn auch «gerecht» sei, erwiderte Knutti: „Das Gesetz wird so ausgestaltet, dass es fair und ausgewogen ist… aber: Irgendwann bezahlen wir sowieso. Wenn wir jetzt nichts tun, dann bezahlen wir die Folgen über den Katastrophen-schutz mit unseren Steuern.“


Text: ADEV Energiegenossenschaft

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