Links das alte, rechts das neue Energielabel für denselben Kühlschrank. Das Gerät rutscht von Effizienzklasse A+++ in die Klasse E. ©Bild: Verbraucherzentrale NRW

Elektrogeräte: Neues EU-Energielabel soll ab 1.März für mehr Klarheit über Energieeffizienz von Produkten sorgen

(ee-news.ch) Die Angaben A+++, A++ und A+ auf dem bekannten Energielabel gehören bald der Vergangenheit an. Ab dem 1. März 2021 gilt im ersten Schritt für einige Produkte eine neue Skala von A – G. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen auf dem neuen Label mit verständlichen Piktogrammen aussagekräftigere Informationen über den Energieverbrauch und die Eigenschaften von neuen Geräten erhalten. Zudem können sie sich über einen QR-Code zusätzlich informieren.


Von der Umgestaltung betroffen sind zunächst Kühl- und Gefriergeräte, Geschirrspüler, Waschmaschinen inkl. Waschtrockner, elektronische Displays inkl. Fernsehgeräte und ab September 2021 dann auch Lichtquellen. Die Energielabel für die weiteren unter die EU-Energieverbrauchskennzeichnungs-Verordnung fallenden Produktgruppen sollen sukzessive bis zum Jahr 2030 angepasst werden. Die Anpassung erfolgt in dem jeweils für die Produktgruppe geltenden delegierten Rechtsakt der EU-Kommission.

Einsparungen in Höhe des Energieverbrauchs Dänemarks
Nach Angaben der EU-Kommission sollen die neuen Regelungen zum Label in Kombination mit den neuen Effizienzanforderungen unter der Ökodesign-Richtlinie bis 2030 jährlich 167 Terawattstunden Strom einsparen. Das entspricht dem jährlichen Energieverbrauch Dänemarks.

Eine Neugestaltung des Energielabels war erforderlich, da es aufgrund von Effizienzverbesserungen immer mehr Geräte gab, die in den oberen Effizienzklassen angesiedelt waren. Dadurch wurde die Vergleichbarkeit für Verbraucherinnen bei der Auswahl eines Produktes immer schwieriger. Mit der Überarbeitung des Labels sollen die Produkte zukünftig wieder gleichmässig über die gesamte Skala verteil sein. Die oberste Gruppe wird soweit wie möglich zunächst freigehalten, um Effizienzverbesserungen anzureizen.

Zusatzinformationen
Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten zudem über einfache Piktogramme Zusatzinformationen zu spezifischen Produkteigenschaften, die eine Kaufentscheidung beeinflussen können, wie zum Beispiel Fassungsvolumen, Lautstärke oder Wasserverbrauch. Für eine bessere Information soll auch ein QR-Code sorgen, mit dem Informationen aus der neu errichteten europäischen Produktdatenbank Eprel abgerufen werden können.

Die Energieeffizienzkennzeichnung geht zurück auf eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 1992. Technische Fortschritte und Energieeffizienzsteigerungen machten mehrere Aktualisierungen notwendig. Im Jahr 2017 wurde die Richtlinie schliesslich von einer neuen Energieverbrauchskennzeichnungs-Verordnung abgelöst und damit Verbesserungen eingeführt: Neben der Reskalierung ist die Einrichtung einer Produktdatenbank Eprel neu, die über ein Online-Portal zugänglich ist und sämtliche gekennzeichneten Produkte enthalten wird. In der Werbung müssen Lieferanten und Händler nun noch deutlicher auf die Energieeffizienzklasse der Produkte hinweisen und das jeweilige Spektrum der Effizienzklassen nennen, innerhalb dessen Produkte auf dem Markt angeboten werden dürfen.

Aktuelle Modelle künftig in schlechteren Klassen
Die neuen Effizienzlabels haben keine Plus-Klassen mehr wie "A+++" oder "A++". Stattdessen reicht ihre Skala immer von A bis G. Damit sollen sie aussagekräftiger werden. Denn laut der deutschen Verbraucherzentrale lagen zum Beispiel bei Kühlschränken zuletzt fast alle Modelle in den Bestklassen. Eine leichte Einschätzung, welche Typen wirklich weniger Energie benötigen, war dadurch kaum noch möglich.

Mit der Umstellung auf die neue Skala steigen auch die Anforderungen an die Sparsamkeit der Geräte. Deshalb werden sich laut Verbraucherzentrale die aktuellen Modelle künftig in deutlich schlechteren Klassen wiederfinden. So werde zum Beispiel ein Grossteil der heutigen "A+++"-Kühlschränke beim neuen Label in der Klasse D liegen. Nur manche der bisherigen Bestplatzierten könnten die Klasse C erreichen, bei anderen reiche es sogar nur für die Klasse E. Die Bedingungen für die neuen Klassen A und B erfülle voraussichtlich noch gar kein Kühlschrank. Somit ist bei der Effizienz wieder Luft nach oben. Das soll Hersteller motivieren, noch sparsamere Geräte zu entwickeln.

Andere Messmethoden
Auch die Messmethoden haben sich geändert. Deshalb sind auch die Angaben zum Jahres-Stromverbrauch anders als bisher. Die Kilowattstunden-Werte der neuen Energieverbrauchskennzeichnung dürfen darum nicht einfach mit denen auf alten Labels verglichen werden, schreibt die Verbraucherzentrale. Bei Spülmaschinen zum Beispiel werde die Zahl der Kilowattstunden durch die veränderten Messbedingungen bei allen Modellen deutlich niedriger ausfallen als bislang. Bei Kühlschränken hingegen werde sie meist höher liegen, da hier die alltägliche Nutzung der Geräte bei der Prüfung berücksichtigt wurde.

Broschüre Ökodesign & Energielabel >>

Produktdatenbank Eprel >>

Text: ee-news.ch, Quellen: Deutsches Umweltministerium (BMU) und Deutsche Verbraucherzentrale

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1 Kommentare

Max Blatter

Die Frage ist: Wann sind wir erneut bei A+, A++, A+++ & Co.? Es gibt nur zwei Möglichkeiten:

1.) Es kommt tatsächlich wieder zu diesen "Pluszeichen-Bandwürmern". Schlecht, denn dann ist das Label wieder so verwirrend wie es vor dem 1. März 2021 war.

2.) Die Energieeffizienzklassen bleiben stabil. Schlecht, denn das bedeutet Stillstand bezüglich Wirkungsgrad-Verbesserungen.

Schade, dass man die Chance versäumt hat, für das Energielabel ein komplett neues, langfristig tragfähiges Konzept zu erstellen!

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