Marcel Keiffenheim: „Die AEE-Umfrage ist ein Weckruf: Die Energiewende muss dezentral, demokratisch und vielfältig bleiben, man darf sie nicht ‚Big Money‘ überlassen.“

Deutschland: Sinkende Bürgerbeteiligung - die Energiewende darf man nicht den Grossinvestoren überlassen

(Greenpeace Energy) Laut einer heute veröffentlichten Untersuchung im Auftrag der deutschen Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) sind immer weniger Ökostrom-Anlagen in der Hand von Bürgerinnen und Bürgern (siehe ee-news.ch vom 20.1.21 >>). Laut der von Greenpeace Energy mitfinanzierten Studie war vor zehn Jahren noch mehr als Hälfte der installierten Leistung von Windkraft oder Solaranlagen im Eigentum von Privatleuten und Landwirten. Dieser Anteil hat sich bis 2019 auf nur noch rund 40%. Zugleich hat der finanzielle Einfluss von Konzernen, Banken und Investmentfonds auf die Energiewende zugenommen. Es kommentiert Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy.


„Die AEE-Umfrage ist ein Weckruf: Die Energiewende muss dezentral, demokratisch und vielfältig bleiben, man darf sie nicht ‚Big Money‘ überlassen. Zwar ist es positiv, dass grosse Player auf dem Finanzmarkt und auch Energiekonzerne – lange die Bremser der Energiewende –  lieber Geld in saubere statt in fossile Kraftwerke investieren. Dies hat aber eine Schattenseite: Die über viele Jahrzehnte wichtigste Akteursgruppe droht vielerorts ins Hintertreffen zu geraten – oder zieht sich frustriert zurück. Dabei sind es gerade die engagierten Menschen aus der lokalen Bürgerenergie, die Windparks auch dort ins Laufen bringen, wo Grossunternehmen aus Profitgründen abwinken. Solche Energiebürger sorgen dafür, dass die Wertschöpfung am Ort bleibt, dass lokale Betriebe und kommunale Kassen von Ökostrom-Projekten angemessen profitieren. Und die ganz nebenbei, durch ihr oft ehrenamtliches Engagement, durch persönliche Kontakte zu Nachbarn und Anwohnern die direkte Akzeptanz für die Energiewende steigern – was renditeorientierten Grossinvestoren eher selten gelingen dürfte.

Deshalb muss die Bundesregierung jetzt dringend ein Konzept vorlegen, wie man lokale Akteure wieder stärker motiviert, wie man ihre privaten Ökostrom-Investitionen besser anreizt oder wie sie den lokalen Ökostrom auch für sich und ihre Community nutzen können. Eine freiwillige und damit rechtlich unverbindliche Kommunalabgabe für Betreiber neuer Windparks, wie sie jetzt im EEG beschlossen wurde, ist halbherzig und reicht nicht aus, um echte Bürgerbeteiligung zu stärken. Bürger vor Ort müssen echte Gestaltungs- und Beteiligungsangebote erhalten. Auch müssen die Mittel einer – verpflichtenden – Kommunalabgabe zweckgebunden sein, damit letztlich der Klimaschutz wie auch die Menschen vor Ort sichtbar davon profitieren können. Die Politik muss auch die Projektierer von neuen Ökostrom-Kraftwerken unbedingt motivieren, Bürger stärker einzubinden. Und zwar finanziell und organisatorisch – etwa durch die Gründung von Energiegenossenschaften an den Standorten von Erneuerbaren-Anlagen. Denn nur eine echte Teilhabe möglichst vieler reduziert Konflikte, stärkt die Energiewende und hilft, die Klimaziele zu erreichen.“

Kommentar: Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy

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1 Kommentare

Max Blatter

Ehrlich gesagt, sehe ich das ein wenig lockerer als Greenpeace: Letztlich ist es mir egal, wer die Energiewende finanziert! Nur sollte er, sie oder es "mit Kopf und Herz" und dauerhaft dahinter stehen und nicht nur den eigenen Profit suchen. Das kann aber sowohl bei einer Aktiengesellschaft wie bei einem "Volkseigenen Betrieb" der Fall sein; ich bin da für beides offen.

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