Das Fraunhofer IWES eröffnet mit der Manta Ray G1 Technologie neue Möglichkeiten auf dem Gebiet der Standortbewertung und integrierten Objektdetektion. ©Bild: FI/IWES, Stefan Wenau

Manta Ray G1 wurde speziell zum Zweck der Diffraktionsabbildung und der Lokalisierung von Punktdiffraktoren in marinen Sedimenten entwickelt. Eine Diffraktion ist die Beugung von Wellen an einem Hindernis. ©Bild: FI/IWES

Fraunhofer IWES: Führt für Iberdrola Offshore-Vermessung an Standorten für Windenergie-Anlagen in der Ostsee durch

(FI/IWES) Das Fraunhofer IWES führt eine ‚Boulder Detektion und Geohazard‘-Vermessung von 50 Windenergieanlagen-Standorten und der dazugehörigen Umspannplattform (OSS) des Baltic Eagle Offshore-Windparks im Auftrag von Iberdrola durch. Die dreiwöchigen Vermessungsarbeiten in der Ostsee fanden bereits im Oktober und November 2020 statt. Zur Datenerfassung kam das proprietäre Fraunhofer IWES Manta Ray G1 System zum Einsatz. Die gewonnenen Daten werden derzeit am Institut ausgewertet, um das Projekt bis Ende April 2021 abzuschliessen.


Iberdrola S.A. und Baltic Eagle GmbH erhielten 2018 die Rechte zum Bau des Baltic Eagle Offshore-Windparks in der Ostsee. Der Standort befindet sich nordöstlich der Insel Rügen, in direkter Nachbarschaft zu weiteren bereits existierenden und geplanten Offshore-Windparks.

Risiken minimieren
Mit der Vermessung sollen Risiken bei der Installation von Monopiles mit grossem Durchmesser und bei schwierigen Bodenbedingungen minimiert werden. Beim Bau von Offshore-Windenergieanlagen können Boulder (Findlinge) und andere geologische Gegebenheiten (flache Gasansammlungen, bindige Schichten) ein Risiko für die Errichtung der Windenergieanlagen darstellen. Insbesondere können Findlinge im Sediment bei der Installation der Tragstrukturen Schäden an den gerammten Pfählen verursachen. Mögliche Installationsabbrüche und längere Verzögerungen können hohe Kosten für die Windparkentwickler nach sich ziehen. Eine genaue Kenntnis der Untergrundgeologie (z. B. Findlingspositionen im Untergrund) ermöglicht dabei eine effiziente kleinskalige Standortverschiebung (Micro-Siting) der Fundamente und so eine Minimierung der Installationsrisiken.

Der Manta Ray G1 ist ein Datenerfassungssystem, das vom Fraunhofer IWES und der Universität Bremen speziell zum Zweck der Diffraktionsabbildung und der Lokalisierung von Punktdiffraktoren in marinen Sedimenten entwickelt wurde. Eine Diffraktion ist die Beugung von Wellen an einem Hindernis. Ergänzend zu den Diffraktionsdaten werden entlang der Profillinien konventionelle 3D-seismische Reflexionsdaten erfasst. Das System arbeitet nach dem Prinzip, dass Objekte innerhalb des Meeresbodens als Punktdiffraktoren wirken, wenn sie von einer Signalquelle beleuchtet werden. Die Aufzeichnung der resultierenden akustischen Diffraktionen und eine genaue Verarbeitung der diffraktierten Energie ermöglichen eine Lokalisierung des Diffraktionsursprungs, d. h. des Findlings im Sediment. Die speziell entworfene Aufnahmegeometrie des Manta Ray G1 ermöglicht zusammen mit dem Verarbeitungsprinzip der synthetischen Apertur eine flächendeckende Erfassung des Baugrundes mit einer ausgezeichneten Flächenabdeckung, bei einer zeit- und kosteneffizienten Datenerhebung.

Text: Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES

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