Die eidgenössische Elektrizitätskommission sieht den grössten Handlungsbedarf bei der inländischen Winterproduktion. Mit dem langfristigen Wegfall der AKW wird es für die Schweiz anspruchsvoller, den Winterbedarf zu decken.

Nidwalden: Mangel an Strom bildet eines der grössten Risiken

(Kanton Nidwalden) Länger andauernde Kapazitätsengpässe bei der Stromversorgung gehören gemäss Risikobericht 2020 des Bundes zu den grössten Gefahren im Land. Die Thematik wird auch im Kanton Nidwalden sehr ernst genommen. In diesem Jahr wird die Notfallplanung auf den neusten Stand gehoben, wie der Regierungsrat in seiner Antwort auf einen Vorstoss festhält.


In einer Interpellation weisen Landrat Urs Amstad, Beckenried, und Mitunterzeichnende darauf hin, dass die Schweiz und damit auch Nidwalden im Winter einen bedeutenden Anteil Strom vom Ausland importiert. Sie verlangen im Vorstoss Antworten, wie hoch das Risiko eines Blackouts vor allem in den kalten Monaten ist und wie die Auswirkungen einer länger dauernden Phase ohne Stromversorgung bewältigt würden. Der Regierungsrat betont in seiner Antwort, dass zwischen Begrifflichkeiten zu unterscheiden ist. Ein Blackout ist eine technische Störung, die in der Regel einen zeitlich begrenzten Stromunterbruch zur Folge hat. Für die Behebung sind der Verteilnetzbetreiber und Swissgrid als überregionale Netzbetreiberin verantwortlich. Eine Strommangellage hingegen ist eine länger andauernde Verknappung des Stromangebots. In diesem Fall würde der Bundesrat Massnahmen ergreifen, um Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten.

Inländischer Winterstromproduktion
Tatsächlich sieht die eidgenössische Elektrizitätskommission den grössten Handlungsbedarf bei der inländischen Winterproduktion. Mit der Umsetzung der Energiestrategie 2050 und dem langfristigen Wegfall der Kernenergie wird es für die Schweiz anspruchsvoller, den Winterbedarf zu decken. In Zukunft könnte der Import von Strom schwieriger werden, weil mit Deutschland ein Hauptlieferant ebenfalls aus der Kernenergie aussteigt. Neben der Sicherstellung einer ausreichenden Produktion ist auch ein leistungsfähiges Netz unentbehrlich.

Schutz- und Nutzungskonzept für erneuerbare Energien geplant
Es stellt sich die Frage, was der Kanton Nidwalden unternehmen kann, um der Gefahr einer Strommangellage zu begegnen. Die Wasserkraft wird zum grossen Teil bereits genutzt und das Potential der Windkraft ist beschränkt. Bleibt die Photovoltaik, die aber vor allem im Sommer produziert und nur begrenzt zur Behebung der Winterstromlücke beiträgt. «Es wäre vermessen zu glauben, dass wir in Nidwalden die Stromversorgung alleine sicherstellen können, obwohl wir mit dem Kantonalen Elektrizitätswerk gut aufgestellt sind. Hier sind nationale Lösungen gefragt», ist Landwirtschafts- und Umweltdirektor Joe Christen überzeugt, und fügt an: «Wir werden unseren Teil zur Lösung beitragen.»

Schutz- und Nutzungskonzept
Der Regierungsrat stellt fest, dass von der Gesellschaft einerseits der Ausbau von erneuerbaren Energien zunehmend gefordert wird, andererseits gerade Wind- und Wasserkraftprojekte auf politischer Ebene bekämpft werden. Um dieses Spannungsfeld etwas zu entkräften, startet der Kanton Nidwalden im neuen Jahr mit der Erarbeitung eines Schutz- und Nutzungskonzepts für erneuerbare Energien. Ziel ist eine objektive Interessenabwägung, die aufzeigt, wo und in welchem Ausmass die Wasserkraft, die Sonnen- und die Windenergie zur Produktion von Elektrizität genutzt werden können und wo Landschaften und Fliessgewässer im natürlichen Zustand erhalten bleiben sollen. Das Ergebnis wird in den kantonalen Richtplan einfliessen und der Planungssicherheit von Gesuchstellern dienen.

Nicht auf die leichte Schulter nehmen
Der Kanton Nidwalden befasst sich seit längerem mit dem Szenario von grossflächigen und anhaltenden Stromunterbrüchen. In den Jahren 2013 bis 2015 wurden mit den Gemeindeführungsstäben unter dem Titel «Emergenzia» entsprechende Übungen durchgeführt. Im gleichen Zeitraum fand schweizweit eine Sicherheitsverbundsübung statt mit dem Szenario einer langandauernden Strommangellage, überlagert von einer Grippepandemie. Der Regierungsrat hat aufgrund der Erkenntnisse daraus zehn Massnahmen festgelegt, die in der Folge durch die Justiz- und Sicherheitsdirektion in die Wege geleitet und grösstenteils umgesetzt wurden. «Die Bewältigung eines Ausfalls von Stromversorgungseinrichtungen darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden», so Joe Christen. Die bisherigen Erfahrungen aus den Übungen und die neusten Erkenntnisse fliessen in eine zeitgemässe kantonale Notfallplanung Blackout/Strommangellage, deren Erarbeitung für 2021 vorgesehen ist. Sie wird unter anderem auch eine Neubeurteilung von Leistungsaufträgen des Regierungsrats an kantonale Netzbetreiber ermöglichen. In diesen Leistungsaufträgen könnten beispielsweise Massnahmen zur Bewältigung von ausserordentlichen Lagen vorgeschrieben werden.

Text: Kanton Nidwalden

Der Kanton Nidwalden startet im neuen Jahr mit der Erarbeitung eines Schutz- und Nutzungskonzepts für erneuerbare Energien. Bild: Kanton Nidwalten

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