Mittelgrosse Holzheizungen: Die katholische Kirchgemeinde Lenzburg setzt 2020 auf klimafreundliche Wärme aus regionalen Pellets. Bild: Braunschweiler Pellets AG

Kompakt und sauber: Heizzentrale für die katholische Kirche und das Pfarreizentrum Lenzburg. Bild: Braunschweiler Pellets AG

Wohlen AG, Überbauung Steindler: Seit 2016 zuverlässig mit Holz aus der Region beheizt. Bild: Holzenergie Schweiz, Christoph Rutschmann

Wohlen AG, Überbauung Steindler: Wärmeübergabestation für ein Mehrfamilienhaus. Bild: Holzenergie Schweiz, Christoph Rutschmann

Klimapolitische Schwergewichte: Mittelgrosse Holzheizungen helfen uns dem Würgegriff der fossilen Energien zu entkommen

(Holzenergie Schweiz) Weltweit wird das Jahr 2020 wohl als eines der wärmsten seit Beginn der Messungen in die Geschichte eingehen. Die Schweiz als Alpenland ist davon besonders betroffen und muss deshalb möglichst schnell eine Energieversorgung ohne Öl und Gas anstreben. Im Bereich der Gebäudeheizungen ist dies mit den heute bereits marktfähigen Technologien gut möglich. Am Beispiel mittelgrosser Holzheizungen kann sehr schön gezeigt werden, wie die Energiewende gelingt. (Texte en français >>)


Mittelgrosse Holzheizungen sind mit Holzschnitzeln oder Pellets betriebene Anlagen im Leistungsbereich zwischen 50 und 500 Kilowatt (kW). Sie sind das Rückgrat der erfolgreichen Holzenergienutzung in der Schweiz. Für eine zukunftsfähige Klima-, Energie- und Umweltpolitik spielen sie eine wichtige Rolle. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind fast unbegrenzt, vom einzelnen Mehrfamilienhaus bis zum Wärmeverbund mit verschiedenen öffentlichen und privaten Gebäuden. Die Technik ist ausgereift, und die gute Wirtschaftlichkeit überzeugt immer mehr private und öffentliche Investoren. Die Anzahl mittelgrosser Anlagen hat sich deshalb seit 1990 mehr als vervierfacht. Das heute noch ungenutzte Energieholzpotential erlaubt einen weiteren, massiven Ausbau des Anlagenbestands.

Investoren wollen tiefste Kosten und hohe Margen
Bei Heizungsprojekten im Gebäudebereich prallen oft gegensätzliche Interessen aufeinander. Investoren wollen tiefste Kosten und hohe Margen. Deshalb werden heute noch viel zu viele Ölheizungen einfach wieder durch neue Ölheizungen ersetzt. Auch Erdgas spielt eine wichtige Rolle und wird noch zu oft von öffentlichen Energieversorgern aktiv gefördert. Bauherren wollen für möglichst wenig Geld eine möglichst umweltfreundliche Heizung. Und für viele Architekten spielt die Heizung nur eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig ändern sich die Rahmenbedingungen des Energiesektors gerade in hohem Tempo. Immer mehr Akteure rund um das Bauen wollen zukunftsfähige Lösungen realisieren. Denn eigentlich ist fast allen klar, dass man dem Würgegriff der fossilen Energien entkommen muss, um nicht in der Klimafalle zu enden.

Erneuerbare Energien lassen sich nicht aufhalten
Die Technologien zur Nutzung der erneuerbaren Energien sind reif. Sie bewähren sich in Form von Holzheizungen, Sonnenkollektoren und Wärmepumpen hundertausendfach und funktionieren derart zuverlässig und wirtschaftlich, dass es praktisch keinen vernünftigen Grund mehr gibt, in fossile Auslaufmodelle zu investieren. Am Beispiel mittelgrosser Holzheizungen kann sehr schön gezeigt werden, wie die Energiewende gelingt. Unter mittelgrossen Holzheizungen versteht man Anlagen mit einer Leistung zwischen 50 und 500 Kilowatt (kW). Mit 50 kW lassen sich – je nach Gebäudestandard – 5 bis 10 Wohnungen mit je 100 m2 Wohnfläche beheizen. Mittelgrosse Anlagen beheizen folglich Mehrfamilienhäuser ab ca. 5 Wohnungen bis zu Quartieren mit 100 Wohnungen. Sie kommen aber auch in öffentlichen Gebäuden, Gewerbe-, Büro- und Industriebauten oder gemischten Quartieren zum Einsatz.

Rückgrat der Erfolgsgeschichte der Holzenergie
Mittelgrosse Holzheizungen sind somit in Kombination mit Nahwärmenetzen fast unbegrenzt einsetzbar. Entsprechend hat sich in den letzten dreissig Jahren ihr Bestand entwickelt. Sie sind das eigentliche Rückgrat der Erfolgsgeschichte der Holzenergie und leisten einen wesentlichen Beitrag an die CO2-Reduktion und damit an die Vermeidung der Klimaerwärmung. Die offizielle Holzenergiestatistik des Bundesamtes für Energie BFE bestätigt die obige Feststellung. Sie unterscheidet die Anlagenkategorien 50 – 300 kW bzw. 300 – 500 kW sowie die Brennstoffe Pellets bzw. Holzschnitzel. Bei letzterem werden zusätzlich die Kategorien innerhalb bzw. ausserhalb holzverarbeitender Betriebe (HvB) unterschieden. Der gesamte Bestand mittelgrosser Holzheizungen hat sich in der Schweiz zwischen 1990 und 2019 von 2'018 Anlagen auf 8'739 Anlagen mehr als vervierfacht!

Heizungskategorie; Anzahl Anlagen

 

1990

 

2000

 

2010

 

2019

Holzhackschnitzel-heizungen, 50-300 kW

Ausserhalb HvB*

459

1367

2994

4175

Innerhalb HvB*

1276

1797

1923

2128

Pelletheizungen, 50-300 kW

0

5

437

1’450

Holzhackschnitzel-heizungen, 300-500 kW

Ausserhalb HvB*

87

253

424

590

Innerhalb HvB*

196

289

285

290

Pelletheizungen, 300-500 kW

0

0

53

106

* HvB = Holzverarbeitende Betriebe (Sägereien, Schreinereien, Zimmereien etc.), Quelle: Schweizerische Holzenergiestatistik 2019, Bundesamt für Energie, 2020

Es ist kein Zufall, dass sich gerade die mittelgrossen Holzheizungen derart positiv entwickelt haben, denn sie sind aus Sicht der Ressourcen- und Energieeffizienz sowie der Wald-, Luftreinhalte- und Klimapolitik besonders vorteilhaft.

Ressourcen- und Energieeffizienz
«Aus der Region für die Region» ist ein Grundsatz, der immer wichtiger wird. Denn das Wirtschaften in regionalen und lokalen Kreisläufen verursacht einerseits weniger Transporte sowie weniger Material- und Energieverschwendung (graue Energie). Andererseits schafft es sichere Arbeitsplätze und hohe Wertschöpfung vor Ort. Die Nutzung der Holzenergie in mittelgrossen Anlagen erfüllt die Kriterien einer effizienten regionalen Kreislaufwirtschaft weitgehend. Lokale Unternehmen und Handwerker planen, bauen und betreiben die Anlagen, und das nachhaltig genutzte Energieholz stammt aus den Wäldern der unmittelbaren Umgebung.

Lufteinhalte- und Klimapolitik
Mittelgrossen Holzheizungen verursachen kaum schädliche Feinstaubemissionen, denn ihr Betrieb ist automatisiert. Sie sind zudem ab 70 kW Leistung mit Filtern ausgerüstet, die 90 – 99 Prozent des Feinstaubs eliminieren. Periodisch erfolgen Kontrollen durch die Behörden zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit der Anlagen. Gewinnung, Verarbeitung und Nutzung der Holzenergie erfolgen – im Vergleich zu den fossilen Energien – risikoarm und umweltfreundlich gemäss den strengen gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz. Ein ganz entscheidender Vorteil der Holzenergie ist ihre CO2-Neutralität. Heizen mit Holz heisst heizen im CO2-Kreislauf der Natur, denn bei der Holzverbrennung gelangt lediglich diejenige Menge CO2 in die Luft, welche die Bäume im Laufe ihres Lebens der Atmosphäre entzogen haben. Eine konsequente Nutzung des gesamten Energieholzpotentials der Schweiz ist deshalb ein Schlüsselfaktor zur Begrenzung der Klimaerwärmung.

Waldpolitik
Der Schweizer Wald ist aktuell mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Die Trockenheit und hohe Temperaturen in den letzten Jahren verursachen grosse Mengen an Holz aus Zwangsnutzungen. Der Holzmarkt ist regelrecht überschwemmt und entsprechend tief sind die Holzpreise gesunken. Die Nachfrage nach Holz für die Sägereien und die Holzindustrie stagniert seit Jahren. Einziger Wachstumsmarkt – und damit Hoffnungsträger – ist der Energieholzbereich. Die öffentlichen und privaten Waldbesitzer unterstützen deshalb den Bau mittelgrosser Holzheizungen in ihren Gemeinden und Regionen. So können sie eine kontinuierliche Nachfrage nach Holz aus dem lokalen und regionalen Wald generieren.

Text: Holzenergie Schweiz

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