So könnte die Entwicklung im erneuerbaren Stromsektor gemäss der IEA bis 2022 aussehen. Bild: IEA

Auch an der Börse erzielten Solar- und Windunternehmen Spitzenwerte. Bild: IEA

IEA: Rekordjahre 2020 und 2021 – 90 % der neu zugebauten Leistung geht auf das Konto der Erneuerbaren

(ee-news.ch) Während die erneuerbaren Energien der Covid-19-Krise zum Trotz weltweit sehr schnell zulegen, befinden sich Erdöl, Gas und Kohle in einer Abwärtsspirale. Angetrieben wird dieser rasante Zubau der Erneuerbaren insbesondere von China und den USA. Für 2020 wird ein Leistungszubau von insgesamt 200 Gigawatt erwartet, das zeigt der neueste IEA-Bericht „Renewables 2020“. 90% der Stromleistung geht auf das Konto von Wind-, Solar- und Wasserkraft. Die Wind- und Solarleistung könnte in den USA und China um 30% zulegen, da die Projektentwickler noch von auslaufenden Fördermodellen profitieren möchten.


Das Wachstum wird sich sogar noch weiter beschleunigen. Indien und die EU werden die Treiber für einen Leistungszuwachs von nahezu 10 % sein, der für nächstes Jahr erwartet wird. Das wäre gemäss dem IEA-Renewables-Report 2020 das höchste Wachstum seit 2015. Dies ist einerseits darauf zurückzuführen, dass Projekte, die wegen der Covid-Krise aufs Eis gelegt oder aufgrund von Unterbrüchen in den Lieferketten gestoppt wurden, erst im nächsten Jahr umgesetzt werden. Andererseits gab es Märkte, die trotz der Covid-Pandemie robust blieben. Die IEA geht davon aus, dass Indien den Löwenanteil zu diesem Wachstum beitragen wird, denn 2021 soll sich hier der Zubau der Erneuerbaren-Leistung gegenüber 2020 verdoppeln.

Lieblinge der Börse
China, Indien und die EU haben während den letzten 10 Monaten die Ausschreibung von erneuerbarer Stromleistung verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 15 % gesteigert, ein Rekord, der zeigt, wie gefragt erneuerbare Energien mittel- und langfristig sind. Gleichzeitig haben die Aktien der börsenkotieren Unternehmen aus den Bereichen Produktionsanlagen für Erneuerbare und Projektentwicklung die Performance der meisten Aktienindexe deutlich übertroffen. Der Aktienwert von Solarunternehmen hat sich von Dezember 2019 bis Oktober 2020 mehr als verdoppelt.


Video der Pressekonferenz der IEA anlässlich der Vorstellung des Berichts „Renewables 2020“

2022 Wachstum von 25 % möglich
Doch die Politiker müssen achtsam bleiben: Der IEA-Report zeigt, dass sich das starke Wachstum 2022 aufgrund von auslaufenden Förderprogrammen abschwächen könnte. Macht die Politik indes ihre Hausaufgaben rechtzeitig, könnte 2022 der Zubau an Wind- und Solarleistung weltweit um weitere 25 % steigen.

Ausschlaggebend für das weitere Wachstum sind einmal die Entscheide von Schlüsselstaaten wie China. Und zum anderen die Förderung von Photovoltaik-Aufdachanlagen für Haushalte und Unternehmen, da diese aufgrund der Krise ihre Investitionen auf den Prüfstand stellen. Wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen, könnte der jährliche Photovoltaikzubau 2022 jedoch stolze 150 GW erreichen, das entspricht einer Erhöhung von 40 % in nur drei Jahren.

Neue politische Agenda in den USA
“Erneuerbare trotzen der Covid-Krise, nicht aber Unsicherheiten bezüglich der politischen Rahmenbedingungen“, erklärt Dr. Birol. “Die Regierungen können diese Probleme angehen, um eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung anzukurbeln und die Energiewende zu beschleunigen. In den USA zum Beispiel könnte aufgrund der politischen Agenda für erneuerbare Energien der nächsten US-Administration das Wachstum von Solar- und Windenergie stark steigen und helfen, die Strombranche schneller zu dekarbonisieren.”

7 % mehr erneuerbarer Strom
Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien wird gemäss dem IEA-Bericht 2020 um 7 % zunehmen, auch aufgrund des raschen Zubaus von neuer Leistung. Das ist umso erstaunlicher, da die Energienachfrage weltweit um 5 % jährlich abnimmt, was den stärksten Rückgang seit dem zweiten Weltkrieg bedeutet.

Energiesektor leidet
Doch abgesehen vom Stromsektor leidet der Energiesektor unter den Auswirkungen der Covid-Krise. Biotreibstoffe werden erstmals in zwei Jahrzehnten einen Rückgang erleben. Das liegt daran, dass der Transportsektor weniger Treibstoffe nachfragt und fossile Treibstoffe so günstig sind, dass die Biotreibstoffe nicht mehr konkurrenzfähig sind. Die Nachfrage aus der Industrie nach Biotreibstoffen ist ebenfalls rückläufig, da die Wirtschaft eingebrochen ist. Wegen diesen Rückgängen und wegen des Wachstums der Erneuerbaren wird 2020 ein Plus von 1 % der weltweiten Nachfrage nach Erneuerbaren erwartet.

Erneuerbare überrunden Kohle und Gas
Der IEA-Bericht „Renewables 2020“ sagt für die nächsten fünf Jahre weitere Kostenreduktionen im Bereich der erneuerbaren Energien sowie politische Rahmenbedingungen voraus, die den Sektor stützen, so dass sich das starke Wachstum des Sektors fortsetzen wird. Die insgesamt installierte Wind- und Solarleistung wird voraussichtlich 2023 den Gassektor und 2024 den Kohlesektor hinter sich lassen. Ebenfalls aufgrund fallender Kosten wird 2025 der Anteil des Offshore-Windsektors einen Fünftel des gesamten Windenergiemarkts ausmachen. Diese Entwicklung wird dazu führen, dass der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien ganz neue Höchstwerte erreichen wird.

2025 werden die Erneuerbaren gemäss der IEA weltweit zur wichtigsten Produktionsquelle von Strom werden. Damit verdrängen sie die Kohle, die fünf Jahrzehnte lang die wichtigste Technologie der Stromproduktion war. Erneuerbare werden voraussichtlich rund einen Drittel der weltweiten Stromproduktion liefern. Das entspricht der doppelten heute installierten Stromproduktionsleistung in China.

Da die IEA das Potenzial der erneuerbaren Energien seit Jahren systematisch kleingeredet hat, ist dieser Report umso erstaunlicher. Die fossil geprägte Organisation scheint die Erneuerbaren mit neuen Augen zu betrachten. Und wenn sie einmal mehr das Potenzial der Erneuerbaren zu schwach eingeschätzt hat und das Wachstum noch stärker wäre? Uns würd’s freuen, und die Umwelt garantiert auch!

IEA-Bericht "Renewables 2020" mit vielen Grafiken >>

©Text: Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin ee-news.ch

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1 Kommentare

Max Blatter

Danke, Corona! Doch nun sollte es auch ohne dich gehen; du darfst dich also allmählich zurückziehen ...

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