Österreich verfügt mit 2.4 Mio. Gebäuden über genug Dachflächen zur Produktion von Solarstrom, unter den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen sind aber nur knapp 20 Prozent tatsächlich nutzbar. ©Bild: PVA

Österreich: Ohne PV-Anlagen-Pflicht auf Neubauten sind Ziele des Eine-Million-Dächer-Programms nicht zu schaffen

(PM) Am 10. September hat die österreichischeBundesministerin für Klimaschutz Leonore Gewessler das Eine-Million-Dächer-Programm als Teilmassnahme zum grossen Sonnenstromausbau im Rahmen des kommenden Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) vorgestellt. Der Bundesverband Photovoltaic Austria (PVA) begrüsst das Eine-Million-Dächerprogramm‘ zur Forcierung des Ausbaus auf Österreichs Dächern, weist aber gleichzeitig auf Massnahmen hin, die zur Umsetzung des Programms erforderlich sind.


Dazu Herbert Paierl, PVA-Vorstandsvorsitzender: „Um den notwendigen PV-Boom zu erreichen, müssen wir die Bremse lösen und brauchen dazu neben dem Bund auch Länder und Gemeinden mit an Bord. Dort liegen wesentliche Kompetenzen, um Gebäude-und Flächennutzung erst zu ermöglichen. Hier gilt es entsprechende Massnahmen zur Solar-Revolution zu setzen.“

Aktuell nur 50 Prozent umsetzbar
Das Eine-Million-Dächerprogramm ist ein deutlicher Handlungsauftrag an die österreichischen Bundesländer, um hier wichtige weitere Schritte zu setzen. Zwar verfügt Österreich mit 2.4 Mio. Gebäuden vermeintlich über genug Dachflächen zur Produktion von Sonnenstrom mittels Photovoltaik(PV)-Anlagen, dennoch zeigt eine aktuelle Analyse von Hubert Fechner [1], dass von dem Gebäudebestand unter den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen nur ein Teil –nämlich knapp 20 Prozent –auch tatsächlich nutzbar ist. Technische, wirtschaftliche, ökologische, soziale und vor allem bürokratische Faktoren reduzieren das Dachpotential dramatisch. Folgend kann nur jedes fünfte Gebäude mit einer PV-Anlage ausgestattet werden. Das bedeutet, dass unter den aktuellen Rahmenbedingungen damit gerade einmal die Hälfte des Eine-Million-Dächerprogramms umgesetzt werden kann. Das entspricht einer installierten PV-Leistung von vier Gigawatt (GW) bzw. 36 % des angestrebten PV-Zubaus von 11 GW bis 2030.

PV-freundliche Rahmenbedingungen schaffen
Damit das grundsätzlich hohe Potential an Dachflächen in Österreich auch nutzbar wird, müssen bestehende Rahmenbedingungen entstaubt und PV-freundlicher sowie bessere Informationsgrundlagen geschaffen werden. Ein konsequenter Abbau von Barrieren auf Landesebene ist unerlässlich. „Die Dachpotenziale sind in jedem Fall vollständig auszuschöpfen und die restlichen Kapazitäten werden wir mit anderen Flächen erschliessen müssen. Dazu braucht es eine verstärkte Doppelnutzung von Standorten wie Verkehrs-oder Freiflächen sowie den Einsatz innovativer PV-Anwendungen auf Lärmschutzwänden oder als schwimmende PV“, erläutert Paierl die umfassenden Einsatzmöglichkeiten der PV. Das geplante Begleitprogramm zur Verbesserung der Mobilisierung von Dachanlagen, spezielle Fördertöpfe für innovative Anlagen sowie ein jährliches Monitoring sind daher wichtige Massnahmen zur Zielerreichung.

PV-Verpflichtung würde weitere 20 Prozent des Zubaus schaffen
Ohne einer verpflichtenden Errichtung von PV-Anlagen auf neu errichteten Gebäuden, sind die Ziele des Eine-Million-Dächer-Programms daher kaum erreichbar. „Ähnliche Vorschriften, wie der Anschluss an die Wasser-bzw. Abwasserversorgung oder die Einhaltung eines gewissen Baustandards, bestehen bereits für den Gebäudeneubau. Diese Vorgaben sind mit der verpflichtenden PV-Anlagenerrichtung zu vervollständigen. Wien geht hier mit gutem Beispiel voran“, bringt es Paierl auf den Punkt. In den nächsten 10 Jahren werden 250‘000 neue Gebäude errichtet (Annahme: Fortsetzung des bisherigen Trends). Allein mit einer österreichweiten PV-Verpflichtung im Neubau kann bis 2030 eine PV-Leistung von 2.1 GW installiert werden, immerhin entspricht das 20 % des notwenigen PV-Zubaus bis 2030.

[1] Ermittlung des Flächenpotentials für den Photovoltaik-Ausbau in Österreich, Fechner 2020

Text: Bundesverband Photovoltaic Austria (PVA)

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1 Kommentare

Max Blatter

Eine Million Dächer bei knapp 9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern: ein ehrgeiziges Ziel! Aber in diese Richtung muss es gehen, wenn man die Energiewende schaffen will.

Übrigens ... die Situation der Elektritzätsversorgung in Österreich ist sehr ähnlich derjenigen in der Schweiz. Unterschied: Wir hatten niemals Kohlekraftwerke und müssen dafür jetzt die Kernkraftwerke substituieren; Österreich hatte niemals Kernkraftwerke (jedenfalls keines, das in Betrieb ging) und muss dafür jetzt die Kohlekraftwerke substituieren. Wasserkraft haben wir beide; beide müssen wir jetzt möglichst rasch die Nutzung der "neuen erneuerbaren Energien" ausbauen.

Ich denke, dass beide Staaten voneinander lernen können!

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