Als Ausgangsmaterial für Pflanzenkohle kommen oftmals Holzschnitzel, Feingutanteil von Aussiebungen oder Siebüberreste aus der Kompostierung zum Einsatz. ©Bild: Ökozentrum.

Die Pflanzenkohle verbessert den Bodenaufbau und damit die Bodenfruchtbarkeit sowie als Wasserhaushalt. Sie speichert aber auch Kohlendioxid (CO2) langfristig im Boden. ©Bild: Ökozentrum

Holzenergie Schweiz: Pflanzenkohle - schwarzes Gold aus Holz mit positiver Umweltwirkung

(Holzenergie Schweiz) Pflanzenkohle ist aus Biomasse in einem Verkohlungsprozess (sogenannte Pyrolyse) unter Sauerstoffabschluss bei ca. 550 bis 650° C hergestellte Kohle. Landwirte und Gärtnerinnen verwenden sie hauptsächlich für Pflanzungen, im Ackerbau und in der Viehhaltung. Sie verbessert den Bodenaufbau und damit die Bodenfruchtbarkeit sowie als Wasserhaushalt. Pflanzenkohle speichert CO2 langfristig im Boden. Die Produktion von Pflanzenkohle aus Holz ist sehr beliebt, weil es einen sehr hohen Kohlenstoffanteil aufweist. (Texte en français >>)


Als Ausgangsmaterial kommen oftmals Holzschnitzel, Feingutanteil von Aussiebungen oder Siebüberreste aus der Kompostierung zum Einsatz. Das Holz sollte möglichst frisch getrocknet sein, da der Kohlenstoffgehalt ansonsten durch die Verrottung rasch abnimmt. Deshalb werden die Holzschnitzel mit einem Teil der Abwärme der Pyrolyseanlage getrocknet. Nach der Pyrolyse enthält das Endprodukt über 80 % Kohlenstoff. (siehe auch ee-news.ch vom 29.12.16 >>)

Tausend Jahre später
Schon die Urvölker im Amazonasbecken nutzten Pflanzenkohle, um die sehr dünnen und nährstoffarmen Urwaldböden fruchtbar zu machen. Tausende Jahre später entdeckt die Menschheit die Nutzung von Pflanzenkohle für diverse Anwendungen neu und ist erstaunt über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten mit positiver Umweltwirkung.

Wasserspeicher
Die Pflanzenkohle hat unzählige kleine Löcher und ist dadurch sehr porös. Ein Gramm davon kann typischerweise eine Oberfläche von über 250 m2 aufweisen! Der hohen Porosität verdankt die Kohle ihre vielfältigen Wirkungen: Wie ein Schwamm kann sie bis zum Fünffachen des Eigengewichts an Wasser aufsaugen und bei Trockenheit auch wieder abgeben. Dadurch reguliert sie im Boden den Wasserhaushalt und dient zudem als Wasserspeicher.

Gärtnereien und Baumschulen machen sich diese Eigenschaft zu Nutzen und fügen der Topferde Pflanzenkohle hinzu. So können sie beim Giessen bis zu 30 % an Wasser einsparen. Ein weiterer Einsatzbereich ist im städtischen Raum: Stadtbäume leiden oft unter Trockenheit, da sie aus Platz- oder Gestaltungsgründen leider fast immer zu wenig Erde erhalten. Durch die Zugabe von Pflanzenkohle zum Erdsubstrat in Kombination mit mehr Platz für den Wurzelbereich kann den Stadtbäumen geholfen und dem Problem der Trockenheit entgegengewirkt werden.

Bodenverbesserung mit Pflanzenkohle
Durch ihre poröse Struktur lockert die Pflanzenkohle den Boden auf und führt dazu, dass mehr Luft – und somit Sauerstoff – der für das Pflanzenwachstum und die Aktivität der Bodenlebewesen lebenswichtig ist, in den Boden kommt. Pflanzenkohle hat eine fast kristalline Struktur und ist sehr langlebig. Sie bleibt oft während Jahrhunderten im Boden und trägt somit zu einem langfristigen Humusaufbau bei. Kompostierbetriebe verwenden Pflanzen-kohle gerne als Kompostzusatz. Dies ergibt eine optimale Kombination für die Boden-fruchtbarkeit: Die Kohle bindet durch ihre grosse innere Oberfläche die Nährstoffe, welche reichlich im Kompost vorhanden sind, und kann sie langsam wieder abgeben. Durch den hohen Kohlenstoffanteil wirkt sie als Strukturverbesserung für den Bodenaufbau.

Somit entstehen – zusammen mit der schon erwähnten Wasserspeicherfähigkeit – durch die Zugabe von Pflanzenkohle beste Voraussetzungen für Qualitätskompost.

Qualitätsanforderungen
Wichtig ist aber, dass die Qualität der Kohle stimmt. Der Zertifizierung- und Qualitätssicherungsprozess für Pflanzen-kohle nach den Richtlinien des EBC (European Biochar Certificate) garantiert, dass der Gehalt an gesundheitsschädlichen polyzyklisch aromatischen Kohlenwasser-stoffen (PAK) und polychlorierten Biphe-nylen (PCB) sowie an Schwermetallen niedrig genug ist, um die Anforderungen zur Verwendung in der Tierfütterung und im Pflanzenbau zu erfüllen.

Positiv für Bodenfruchtbarkeit
Zudem muss die Kohle gemäss EBC-Richt-linien einen genügend grossen Kohlenstoffanteil und eine Oberfläche von grösser als 150 m2/g (sogenannter BET-Wert) ausweisen. Zur Qualitätssicherung werden regelmässig Proben aus der Pflanzenkohle-Produktion entnommen, datiert und in Rückstellproben für drei Jahre aufbewahrt. Diese Voraussetzungen garantieren einen einwandfreien Einsatz in der Landwirtschaft. Wer Pflanzenkohle einkauft, sollte also stets auf die Qualitätsgarantie und somit auf die EBC-Zertifizierung der Kohle achten. Landwirte brauchen die Pflanzenkohle als Tierfutterzusatz zur Förderung der Verdauung und zur besseren Futterverwertung. In der Gülle oder im Mist bindet die Kohle Gerüche und Nährstoffe wie Ammonium, was zu einem besseren Stallklima und weniger Ammoniak- und Methanverlusten führt.

Mit Nährstoffen und Wasser aufgeladen wird die Pflanzenkohle anschliessend aufs Feld gebracht und kann dort ihre vielfältigen positiven Wirkungen für die Bodenfruchtbarkeit entfalten.

Abwasserreinigung und CO2-Speicherung
Ein weiterer Einsatzbereich der Pflanzen-kohle ist die Abwasserreinigung. Als Aktiv- oder Filterkohle kann sie dank der grossen Oberfläche und ihrer Struktur Mikroverunreinigungen von Medikamenten, Reinigungsmitteln, Pflegeprodukten und Pestiziden aus dem Abwasser filtern. Rund 100 Kläranlagen in der ganzen Schweiz werden in den kommenden Jahren technisch aufgerüstet. Dank einer zusätzlichen Reinigungsstufe sollen sie künftig problematische Mikroverunreinigungen unschädlich machen.

Speicherung von Kohlendioxid
Last but not least ist die Speicherung von Kohlendioxid (CO2) ein weiterer wichtiger Vorteil der Pflanzenkohle. Im Boden eingebracht speichert ein Kilogramm Pflanzenkohle über drei Kilogramm CO2. Deshalb wird der Einsatz von Pflanzenkohle in der Landwirtschaft als Senke von CO2 angerechnet.

Mehr Informationen zur Pflanzenkohle:

Text: Holzenergie Schweiz

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