Beim Kölner ICE-Werk haben fossile Energien ausgedient. Für die Klimatisierung wird das Grundwasser geothermisch genutzt, der Strombedarf der Wärmepumpen wird durch eine Photovoltaikanlage gedeckt. ©Bild: DB AG, Daniel Saarbourg

Auf dem Dach des Werks befidnen sich eine 180 Quadratmeter grosse Solarthermieanlage sowie eine 2100 Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage. ©Bild: DB AG / Daniel Saarbourg

Deutsche Bahn: Neues ICE-Werk in Köln-Nippes fährt CO2-neutral

(ee-news.ch) Die Deutsche Bahn hat in Köln-Nippes ein neues ICE-Instandhaltungswerk errichtet. Dabei wurden hauptsächlich regionale Baustoffe verwendet. Zudem kommen im Werk Erdwärme und Sonnenenergie genutzt. Für die Klimatisierung des Gebäudes wird das Grundwasser geothermisch genutzt.


Bei der Erkundung des Erdreichs des Areals wurde die Wasserader gefunden, die im Rhein mündet und deren Temperaturen über eine Wärmepumpe heute genutzt werden. Im Sommer kühlt das Wasser die Halle sowie die angrenzenden Gebäude. Über die geothermischen Brunnen fördert die Bahn dabei das Grundwasser mit 12.5 °C. Über Wärmetauscher kühlt dieses Grundwasser im Sommer einen Sekundärkreislauf ab. Das auf bis zu 16 °C gekühlte Wasser im Sekundärkreislauf wird dann in der Betonkernaktivierung im Sozialgebäude sowie in den Deckenstrahlplatten im Lager und in der Werkhalle verteilt und kühlt dabei die Arbeitsbereiche. Darüber hinaus wird auch die Zuluft in den insgesamt 24 RLT-Geräten vorgekühlt.

1000 Tonnen CO2 leicht eingespart
Im Winter wird über vier Wärmepumpen das Heizungswasser auf ein Temperaturniveau von maximal 60 °C angehoben, um die Gebäude zu heizen. Das Heizsystem fährt mit einer geringen Spreizung von 5 °C und ist so in der Lage auch die Deckenstahlplatten zu versorgen. Die Wärmenutzung erfolgt durch den Temperaturaustausch über das Grundwasser, wobei das Grundwasser in seiner Zusammensetzung nicht verändert wird. Das Werk spart alleine jährlich rund 1000 Tonnen CO2 gegenüber herkömmlichen Werken. Als Vergleich: Mit einer Tonne CO2 käme eine Einzelperson mit der Bahn rund 80‘000 Kilometer weit.

Ein Umluft- und Deckenstrahlheizplattensystem schafft ein angenehmes Klima in der Werkshalle. Das Rohrsystem verteilt das Wasser (sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen – teilweise durch ein Vierleiter-System) an die verschiedenen Heiz-/Kühlgeräte: die Deckenstrahlplatten und Fussbodenheizung in der Werkhalle, Deckenstrahlplatten im Lager, Betonkernaktivierung und Umluftheiz-/kühlgeräte im Sozialgebäude.

Fossile Brennstoffe haben ausgedient
Zusätzlich wurde eine rund 2.100 Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage mit einer installierten Leistung von 300 Kilowatt (KW) gebaut, die den Strombedarf der Wärmepumpen deckt. Spitzen werden durch Zukauf von Ökostrom abgedeckt. Auf die Nutzung von fossilen Brennstoffen wird im neuen Werk gänzlich verzichtet.

Innovationen bei Beleuchtung, Wassernutzung und Lärmschutz
Auch bei der Beleuchtung wird gespart. Mit LED-Lampen, die in Büros und auf dem Aussengelände eingesetzt werden, soll eine Kostensenkung von 15 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Systemen erreicht werden. Zudem kann sich die Geräuschkulisse hören lassen: Durch den Einsatz von Lärmschutzwänden, Dämmung der Gebäudefassaden sowie die Installation von Schalldämpfern bei Lüftungsgeräten, wird der Lärm halbiert. Wassersparende Armaturen senken den Verbrauch bei den sanitären Einrichtungen und wo es möglich ist, wird Trinkwasser durch Brauchwasser ersetzt, zum Beispiel im Bereich der Fahrzeugaussenreinigung. Wer warmes Wasser benötigt, etwa zum Händewaschen, Duschen oder für den Tee, nutzt dafür die 180 Quadratmeter grosse Solarthermieanlage, die auf dem Dach installiert ist. Diese hat eine Leistung von rund 100 Kilowatt.

Damit nicht nur die Bahn selber, sondern auch ihre Mitarbeiter umweltfreundlich unterwegs sind, bietet das Unternehmen ihnen neben guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr auch überdachte Fahrradabstellplätze im Werk, eine Solartankstelle für E-Bikes und E-Autos sowie Werksfahrräder auf dem 23 Hektar grossen Areal.

Wartungskapazität um das Vierfache erhöht
Zusammen mit dem Bestandswerk Betriebsbahnhof erweitert das Werk Nippes die Instandhaltungskapazitäten in Köln. Künftig können viermal so viele Züge gewartet werden, wie bisher. Dafür war der Bau von vier Instandhaltungsgleisen mit je 410 Metern Nutzlänge und gesicherten Dacharbeitsbühnen sowie acht Krananlagen, um Komponenten auf das Fahrzeug bzw. herunter zu heben, nötig. Insgesamt wurden mehr als 20 Kilometer Gleisanlagen, 47 Weichen, zwei Brücken und eine Personenunterführung gebaut sowie fast 60‘000 Meter Signalkabel verlegt.

Flüsterschienen verringern Lärmbelastung
Neben der Inbetriebsetzung des neuen ICE 4, nach Übernahme vom Fahrzeughersteller Siemens auf den Einsatz bei der DB, finden in dem Werk zudem turnusmässige Kontroll,- Instandhaltungs- sowie Instandsetzungsarbeiten statt, Vandalismusschäden werden beseitigt und die Fahrzeuge gereinigt und ausserdem Komponenten ausgetauscht. Um die Lärmbelastung für Anwohner zu reduzieren, hat die DB sogenannte Flüsterschienen verlegt, auf denen Züge leiser fahren.

Mit der neuen Strategie „Starke Schiene“ hat sich die DB das Ziel gesetzt, bis 2038 den von der DB genutzten Bahnstrom komplett auf erneuerbare Energien umzustellen. Der Zwischenschritt dazu ist ein Anteil von 80 Prozent bis zum Jahr 2030. Bis 2050 will die DB CO2-frei sein.

Text: ee-news.ch, Quelle: Energieagentur NRW

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