Die Sonnenscheune kombiniert beispielhaft die Sicherung historischer Bausubstanz mit einer modernen ökologischen Bauweise und dem Einsatz erneuerbarer Energien. ©Bild: Sonnenhaus-Institut

Einheben des Langzeitspeichers am 15. Juni 2017. ©Bild: Sonnenhaus-Institut

Brachliegendes Scheunengebäude im Jahr 2015, Südansicht. ©Bild: Sonnenhaus-Institut

Hofgut Erler: Aus denkmalgeschützter Scheune wird energieautarkes Sonnenhaus

(PM) Die Hofgut Erler GbR – das sind die Familien von Siegfried, Axel und Michael Erler –hat zur Schaffung von Wohnraum die alte brachliegende Scheune des Vierseithofs im thüringischen Plottendorf in ein passives Sonnenhaus mit autarker Energie- und Wasserversorgung umgebaut. Erster Spatenstich war im Oktober 2016, nach drei Jahren Bauzeit konnte das Projekt jetzt abgeschlossen werden.


Das Sonnenhaus ist ein Haus, dessen gesamter Energiebedarf (Wärme, Warmwasser und Strom) weitgehend durch die Sonne gedeckt wird. In Plottendorf steht nun ein solches Haus nicht etwa als Neubau auf der grünen Wiese, sondern in einer bisher brachgelegenen denkmalgeschützten Scheune eines Altenburger Vierseithofes. Die Umnutzung und Wiederbelebung des Gebäudes trägt damit zur Begrenzung des Flächenverbrauchs und zum Erhalt von landwirtschaftlicher Nutzfläche und natürlichen Lebensräumen bei.

Holz für Kaminofen kommt vom Hof
Herzstück des Gebäudes ist ein thermischer Langzeitspeicher mit einem Wasservolumen von 12‘690 Litern. Dieser wurde bereits am 15. Juni 2017 in einer spektakulären Aktion in die Gebäudehülle eingehoben. Der Speicher ist in der Lage etwa 1000 kWh Energie in Form von Wärme zu speichern. Diese wird mit Hilfe von Kollektoren auf der Richtung Süden liegenden Dachfläche gewonnen und steht dann bis weit in den Winter hinein zur Verfügung. Die im Januar und Februar nötige, geringfügige Nachheizung wird durch einen wassergeführten Kaminofen mit Stückholz sichergestellt. Eine Besonderheit ist, dass die dafür nötige Holzmenge von ca. zwei bis drei Raummetern pro Jahr (im Energiegehalt vergleichbar mit ca. 200 L Heizöl) klein genug ist, um sie auf dem zum Hof gehörenden Grundstück zu gewinnen. Die Sonnenscheune ist somit in Punkto Wärmeversorgung zu 100% unabhängig.

Die sommerlichen Wärmeüberschüsse werden zukünftig auf die anderen Gebäude des historischen Gebäudeensembles übertragen und gehen dadurch nicht verloren, sondern führen zu weiteren Energieeinsparungen bei den dort verbauten, noch herkömmlichen Heizungsanlagen.

Selbst erzeugter Strom deckt 70 % des Bedarfs des ganzen Hofs
Neben Wärme wird auf dem Dach der Scheune auch Strom gewonnen, der in einer ausreichend dimensionierten Batterie ebenfalls vor Ort gespeichert und verbraucht wird. Über eine vorhandene Ringleitung wurden alle Gebäude des Vierseithofes vernetzt und an die Versorgung mit Eigenstrom angeschlossen. Die Stromversorgung des Hofes erfolgt jetzt zu ca. 70 % durch den selbst erzeugten Strom. Die Scheune wird dadurch zur erneuerbaren Energiequelle für den gesamten Hof.

Denkmalschutz schonend umgesetzt
Das Fachwerk in der Nordwand und Teilen der Südwand der Scheune wurde in historischer Bauweise mit zimmermannsmässigen Verbindungen (Zapfen, Blätter und Holznägel) rekonstruiert, ausgestakt und mit Strohlehm ausgefacht. Die Giebel, ein Gewölbekeller, sowie Teile von Sandsteinmauern wurden erhalten und saniert. Der Dachstuhl wurde mit Hilfe eines innovativen Reinigungsverfahrens schonend mit einem Druckstrahl aus gefrorenem Kohlendioxid (Trockeneis) gereinigt.

Für den Bau des passiven Innenhauses (Haus-in-Haus) im denkmalgeschützten Bestand wurden vorwiegend nachhaltige und ökologische Baustoffe wie Holz, Lehm und Glasschaum eingesetzt, die auch für ein angenehmes Raumklima sorgen. Das Innenhaus in Passivhaus-Standard zeichnet sich durch eine hohe Luftdichtheit aus und verfügt über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und einem Wirkungsgrad von mehr als 90 %. Das Lüftungsgerät fördert bedarfsgerecht zwischen 70 und 460 m3 frische Luft pro Stunde.

Synergieeffekte in der Umgebung
Die Projektumsetzung erzielt zahlreiche Synergieeffekte in der lokalen Umgebung. Zum Beispiel konnte im Zuge der Zuführung eines gigabitfähigen Breitbandanschlusses über Glasfaser (Fibre-to-the-home) in Kooperation mit der Gemeinde Treben und der Firma Drahtlos-DSL GmbH Mittelsachsen die Ortschaft Plottendorf und Teile von Trebanz an das schnelle Internet angeschlossen werden. Per Richtfunk werden seit Mitte 2017 auch die Ortschaften Fockendorf und Pahna von Plottendorf ausgehend mit schnellem Internet versorgt.

Extensive Beweidung und ökologischer Landbau
Die den Hof umgebenden Auewiesen werden durch extensive Beweidung mit Leineschafen gepflegt. Familie Erler ist Mitglied im Landesverband Thüringer Schafzüchter e.V. und unterstützt mit 10 Mutterschafen die Erhaltungszucht dieser vom Aussterben bedrohten regionalen Landschafrasse. In Kooperation mit der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg e.V. und dem Bioland-Hof der Familie Rauschenbach in Remsa werden derzeit weitere umliegende Grünlandflächen dem ökologischen Landbau zugeführt.

Regelmässig am zweiten Sonntag im Oktober findet ein Mosttag auf dem Vierseithof in Plottendorf statt. Dieser bietet in der Region die Möglichkeit haltbaren Saft aus eigenen Äpfeln herzustellen, wodurch das Bewusstsein für alte Obstsorten und regionale Produkte wiederbelebt wird.

Zukunftsorientierte nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum
Die Revitalisierung einer bestehenden Scheune zu einem energieautarken Wohnhaus ist ein Beispiel für eine zukunftsorientierte nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum. Die Sonnenscheune kombiniert beispielhaft die Sicherung historischer Bausubstanz mit einer modernen ökologischen Bauweise, dem Einsatz erneuerbarer Energien und trägt dazu bei, den Flächenverbrauch zu begrenzen. Das Projekt wurde vom Freistaat Thüringen und der Europäische Union gefördert.

Text: Sonnenhaus-Institut e. V.

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1 Kommentare

Max Blatter

Meine erste Reaktion – Freude:
Schön, dass der Denkmalschutz vom hohen Ross herunterkommt und sich mit der sinnvollen Energienutzung versöhnt.
Meine zweite Reaktion – Enttäuschung:
Upps, das ist ja in Deutschland, nicht bei uns ...

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