Bei den Ospar-Beratungen wurde klar, dass die bisherigen Untersuchungen zu den Ölmengen und weiteren Schadstoffen, die in den betroffenen Plattformen verbleiben sollen, nicht ausreichen.

Ospar-Vertragsstaaten: Bekräftigen umweltverträglichen Rückbau ausgedienter Ölplattformen

(PM) Über den möglichen Verbleib von vier Öl-Plattformen der Firma Shell im Brent-Ölfeld in der nördlichen Nordsee erfolgen weitere Beratungen. Die Ospar-Vertragsparteien haben sich im Rahmen einer Sondersitzung der Ospar-Kommission am 18.Oktober in London eingehend mit den Plänen des niederländischen Unternehmens befasst, die die Inhalte und Tragekonstruktionen dieser ausgedienten Plattformen im Meer belassen will.


Neben Deutschland (siehe ee-news.ch vom 18.10.2019 >>) sprachen sich inzwischen zahlreiche weitere Staaten sowie die EU-Kommission dafür aus, ausgediente Ölplattformen grundsätzlich so weit wie technisch möglich zurückzubauen und sämtliche darin enthaltene Rohölmengen vollständig zu entfernen. Dies soll auch für Plattformen gelten, bei denen ein Rückbau, bedingt durch ihre Konstruktion, derzeit technisch besonders schwierig erscheint. Ölplattformen, die nach 1998 errichtet wurden, müssen ohnehin vollständig zurückgebaut werden. So sehen es die Ospar-Regularien vor. Bei den Beratungen wurde zudem klar, dass die bisherigen Untersuchungen zu den Ölmengen und weiteren Schadstoffen, die in den betroffenen Plattformen verbleiben sollen, nicht ausreichen. Das Vereinigte Königreich kündigte an, nun zunächst von einer Entscheidung über den Antrag Shells zum Verbleib der Plattformen im Brent-Ölfeld abzusehen und den Austausch mit den Ospar-Vertragsstaaten fortzusetzen.

Grossbritannien überdenkt Entscheidung
Grossbritannien erklärt sich bereit, nicht wie ursprünglich vorgesehen, jetzt eine Genehmigung zu erteilen, sondern vor seiner Entscheidung über den Antrag von Shell, weitere Gespräche mit den Ospar-Vertragsstaaten und damit den Anrainern des Nordostatlantiks zu führen und die Entscheidung über den Rückbau oder Verbleib der Öplattformen zu überdenken. Deutschland hat dieses Vorgehen ausdrücklich begrüsst. Die Teilnehmer waren sich einig, dass auf diesem Weg ein Präzedenzfall geschaffen wird, der für Ölplattformen, die im Ospar-Gebiet zukünftig ausser Betrieb genommen werden, entscheidend sein wird. Nach den Plänen von Shell sollen die Tragekonstruktionen der Schwerkraftfundament-Plattformen Brent Bravo, Charlie und Delta und die Sockel der Stahlgerüst-Plattform Brent Alpha in der Nordsee zurückgelassen werden. Dies soll 62 grossvolumige Betonbehälter mit zirka 640‘000 m3 ölhaltigem Wasser und zirka 41‘000 m3 Öl-Sandgemische einschliessen. Laut Shells Schätzungen entspricht dies einer Gesamtmenge von zirka 11‘000 Tonnen Rohöl.

Die deutsche Bundesregierung hatte die Sondersitzung der Ospar-Vertragsstaaten beantragt – mit Unterstützung von Belgien, den Niederlanden, der EU, Schweden und Luxemburg –, nachdem Grossbritannien angekündigt hatte, Shell eine Ausnahmegenehmigung vom grundsätzlichen Gebot des vollständigen Rückbaus solcher ausgedienter Förderplattformen zu erteilen. Dem hat Deutschland im April 2019 im Rahmen des formalen Ospar-Konsultationsverfahrens widersprochen. Deutschland unterstrich, dass auch der saubere Rückbau älterer Ölplattformen grundsätzlich technisch möglich sei. Deutschland und die Niederlande legten dazu jeweils eigene unabhängige Gutachten vor, die den Rückbau der Ölplattformen vollumfänglich empfehlen.

Text: Deutsches Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)

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