07. Sep 2019

Die neue Dena-Analyse listet 10 Massnahmen auf um die Stromnetze kurzfristig zu entlasten. Bild: Dena

Dena: E-Fahrzeuge, Wärmepumpen und Industrieprozesse können Stromnetze kurzfristig entlasten

(PM) Die Dena schlägt 10 regulatorische Massnahmen vor, um die Stromnetze Deutschlands kurzfristig zu entlasten. Die Empfehlungen, die im Rahmen der Initiative für Netzflexibilität erarbeitet wurden, zielen z.B. darauf ab, Flexibilitätstechnologien wie E-Fahrzeuge und Wärmepumpen in der Niederspannungsebene so einzusetzen, dass sie für den Netzbetrieb einen Nutzen bringen. Auch die Steuerung flexibler Lasten in Unternehmen und die Verwendung von Strom zur Erzeugung von Wärme können Schwankungen ausgleichen und Netzengpässe verhindern.


Dass Flexibilitäten den Netzausbaubedarf und Kosten reduzieren können, belegen viele Studien, darunter auch die Netzflexstudie, die die Deutsche Energie-Agentur (Dena) im März 2017 vorgelegt hat. Im Fokus der aktuellen Debatte steht die Frage, wie netzdienliche Flexibilitäten zukünftig beschafft und vergütet werden sollen. Die Initiative für Netzflexibilität hat verschiedene hierzu diskutierte Modelle untersucht und Vorschläge für eine Anpassung des Rechtsrahmens entwickelt, damit die Technologien ihr Potenzial entfalten können. Ausserdem hat sie Regelungen identifiziert, die derzeit den Einsatz von Flexibilitäten hemmen.

Kurzfristige Erfolge im Niederspannungsnetz möglich
Auf der Niederspannungsebene gibt es bereits eine Regelung, die die Bereitstellung von Flexibilität anreizen könnte: Gemäss §14a des deutschen können kleine Verbraucher wie Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen ein reduziertes Netzentgelt zahlen, wenn sie sich nach den Erfordernissen des Netzes steuern lassen. Bisher lässt sich das Flexibilitätspotenzial dieser Kleinverbraucher jedoch nicht ausschöpfen, da der Paragraph noch konkretisiert werden muss. Ende August hat das deutsche Bundeswirtschaftsministerium einen Lösungsvorschlag im Rahmen des Projekts „Digitalisierung der Energiewende: Barometer und Topthemen“ veröffentlicht. Dieser Vorschlag sollte auch wie geplant im Laufe des kommenden Jahres weiter ausgearbeitet und umgesetzt werden, damit es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt.

Realitätscheck für Gaming-Aktivitäten in marktbasierten Modellen
Für die höheren Spannungsebenen empfiehlt die Initiative, die Vergütung und den Einsatz lastseitiger Flexibilität marktbasiert zu gestalten. Ein Handelsplatz könnte lokale Flexibilitätsangebote effizient bündeln, um den Netzbetreibern Zugriff auf die Anlagen zu geben und physische Engpässe im Netz zu beheben oder zu reduzieren.

In Flexibilitätsmärkten besteht allerdings grundsätzlich das Risiko, dass durch strategisches Bieterverhalten, das sogenannte „Gaming“, Ineffizienzen entstehen. Die Initiative schlägt deshalb vor, Instrumente zur Erfassung und Quantifizierung von Gaming-Aktivitäten zu entwickeln, die in der Markthochlaufphase von Flexibilitätsmärkten das tatsächliche Gaming-Risiko erfassen, um bei Bedarf geeignete Gegenmassnahmen ergreifen zu können.

Netzentgeltsystematik und Anreizregulierung hemmen Flexibilität
Ein weiteres Ergebnis der Initiative ist, dass der netzdienliche Einsatz von Flexibilitäten derzeit durch die Netzentgeltsystematik und die Anreizregulierung gehemmt wird. Die heutige Systematik der Netzentgelte kann dazu führen, dass ein Flexibilitätsabruf höhere Entgelte für den Anbieter verursacht. Wegen des finanziellen Risikos bleiben in solchen Fällen die Flexibilisierungspotenziale ungenutzt. Auch wenn sich eine grundsätzliche Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik wahrscheinlich nicht kurzfristig in einem Schritt umsetzen lässt, könnte nach Einschätzung der Initiative schon die Anpassung einzelner Regelungen die Lage verbessern. Dazu gehört zum Beispiel die Weiterentwicklung der individuellen Netzentgelte nach § 19 Abs. 2 der Stromnetzentgeltverordnung.

Die aktuelle Anreizregulierung führt dazu, dass dem Netzbetreiber die Kosten der Nutzung erzeugungsseitiger Flexibilität anerkannt werden, die Kosten lastseitiger Flexibilität aber nicht. Dadurch entsteht eine Schieflage zwischen den last- und erzeugungsseitigen Engpassmassnahmen, obwohl beide gleichermassen wirkungsvoll sind. Die Initiative für Netzflexibilität spricht sich daher dafür aus, dass noch innerhalb dieser Regulierungsperiode alle Optionen für das Engpassmanagement bei der Kostenanerkennung gleichbehandelt werden.

Partner der Initiative für Netzflexibilität
Die Dena hat die Initiative für Netzflexibilität ins Leben gerufen, um gemeinsam mit Akteuren der Netz- und Energiewirtschaft das Thema Flexibilisierung der Stromnetze auf die Agenda der Politik und der Regulierungsbehörde zu setzen. Zu den Partnern der Initiative gehören: Amprion, Creos Deutschland Stromnetz, Egrid Applications & Consulting, EnergieNetz Mitte, EPEX Spot, EWE Netz, Mainova, Netz Leipzig, Nodes, TenneT TSO, TEN Thüringer Energienetze, Thüga, Trianel, Trimet Aluminium, Vattenfall Europe Innovation, WEMAG Netz, Westfalen Weser Netz.

Analyse „Regulatorischer Handlungsbedarf zur Erschliessung und Nutzung netzdienlicher Flexibilität“ mit Massnahmenvorschlägen und wissenschaftlichem Gutachten >>

Text: Deutsche Energie-Agentur GmbH (Dena)

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