03. Jun 2019

Sollte die Kommission den Deal entgegen aller Argumente im Grundsatz freigeben, muss sie ihn mit strengen Auflagen verbinden, fordert Thomas E. Banning, Vorstandsvorsitzender von Naturstrom.

Naturstrom: EU-Kommission soll Deal zwischen Eon und RWE untersagen

(PM) Der Öko-Energieversorger Naturstrom fordert die EU-Kommission in einer Stellungnahme auf, den Deal zwischen Eon und RWE zu unterbinden. Andernfalls, so befürchtet das Unternehmen, droht eine marktbeherrschende Stellung von Eon, die einen fairen Wettbewerb unmöglich macht (siehe ee-news vom 5.2.2019 >>). Mit der Folge, dass nach einer Zeit der Marktbereinigung mit steigenden Preisen für die Endkunden zu rechnen ist.


Mit der geplanten Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch Eon und dem Tausch von Geschäftsbereichen teilen die beiden Grosskonzerne den Energiemarkt untereinander auf. Während RWE den Kraftwerkspark von Innogy und Eon sowie eine Beteiligung an Eon in Höhe von 16.7 Prozent erhält, bekommt Eon das Endkundengeschäft im Strom- und Gasbereich, den Betrieb von Strom- und Gasnetzen sowie junge Geschäftsfelder wie die Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Mit Abschluss dieses Deals würden die beiden Konzerne im Handstreich den Energiemarkt in Deutschland neu ordnen.

Preiserhöhungen wahrscheinlich
„Für Eon gäbe es nach Abschluss des Deals keine Wettbewerber auf Augenhöhe mehr“, warnt Thomas E. Banning, Vorstandsvorsitzender von Naturstrom. „In einigen Geschäftsfeldern hätte die neue Eon eine marktbeherrschende Stellung inne, so dass sie je nach Netzgebiet Stadtwerke und andere mittelständische Wettbewerber binnen weniger Jahre aus dem Markt drängen könnte. Mit einer besorgniserregenden Konsequenz für die Kunden, die nicht mehr wie heute die Wahl zwischen vielen Anbietern hätten. Stattdessen müssten sie mit deutlichen Preiserhöhungen rechnen, sobald es den Aktionären von Eon genehm ist.“

Die Wettbewerbsverzerrung betrifft sowohl die Endkundenversorgung mit Strom und Gas als auch den Betrieb der Stromverteilnetze. Mit der Übernahme der Innogy-Kunden würde Eon inklusive aller seiner Beteiligungen rund 16 Millionen Stromkunden beliefern. Für rund 67 Prozent der Kunden in Deutschland wäre Eon der Grundversorger, zudem wären gemessen an der Leitungslänge 50 Prozent der Verteilnetze in der Hand des Konzerns.

Marktmacht könnte ausgenutzt werden
„Die marktbeherrschende Stellung im renditeträchtigen Netzbetrieb und in der Grundversorgung gäbe Eon die Möglichkeit, durch vorübergehend günstigere Preise in konkreten Wettbewerbssituationen, die Stellung im Endkundenmarkt wie auch bei der Neuvergabe von Netzkonzessionen weiter auszubauen und Wettbewerber zu verdrängen“, warnt Naturstrom-Vorstandschef Banning. „Mittelfristig können nach der Marktbereinigung Preiserhöhungen dann umso leichter durchgesetzt werden.“ In jungen Märkten wie dem Betrieb von intelligenten Zählern und Ladesäulen bestünde zudem die Gefahr, dass Eon seine Marktmacht nutzt, um eigene Vorstellungen über technische Lösungen oder Abwicklungsprozesse als Standards für die gesamte Branche durchzusetzen.

Wettbewerb im Stromvertrieb wird torpediert
„Der Wettbewerb in der Belieferung von Stromkunden hat sehr lange gebraucht, um in Gang zu kommen“, erinnert Banning. Die 1998 gegründete Naturstrom AG ist einer von lediglich vier unabhängigen Stromanbietern, die die Anfangsjahre der Marktliberalisierung überlebt haben. „Seit Mitte der 2000er hat sich der Wettbewerb im Stromvertrieb positiv entwickelt, allerdings in sehr kleinen Schritten. Der Deal zwischen Eon und RWE torpediert diese mühsam errungenen Erfolge.“

Die EU-Kommission hatte die Frist zur Überprüfung des Megadeals Anfang Mai ausgesetzt (siehe ee-news.ch vom 6.5.2019 >>). Aktuell prüfen die Wettbewerbshüter der EU sowohl die Wirkung des Deals auf das Endkundengeschäft (siehe ee-news.ch vom 11.3.2019 >>) und die Stromnetze als auch auf Smart Metering und Ladesäuleninfrastruktur. Mit einem Abschluss des Verfahrens rechnet die Branche im Laufe der zweiten Jahreshälfte.

Strenge Auflagen bei Realisierung des Deals erforderlich
„Sollte die Kommission den Deal entgegen aller Argumente im Grundsatz freigeben, muss sie ihn mit strengen Auflagen verbinden“, so Banning. „In diesem Fall sollte sich Eon von grossen Teilen seines Geschäftes trennen, besonders von den vielen Beteiligungen an Stadtwerken und Regionalversorgern. Unternehmen wie Naturstrom sollte eine faire Möglichkeit gegeben werden, einige dieser Beteiligungen zu übernehmen. Angesichts der ungeheuren Herausforderung, den Klimawandel noch einzudämmen, darf sich die alte Generation der kapitalmarktgetriebenen Grosskonzerne den Markt nicht ungehindert untereinander aufteilen.“

Stellungnahme von Naturstrom zum Eon-RWE-Deal >>

Text: Naturstrom AG

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