14. Mai 2019

Bis 2030 will Bosch seine bereits installierte Energieleistung verzehnfachen. Zusätzlich will Bosch langfristige und exklusive Lieferverträge mit neuen Wind- und Solarparks schliessen, die sich somit auch ohne staatliche Förderung rechnen können.

Mit Ökostrom und Energieeffizienz: Bosch will ab 2020 weltweit CO2-neutral sein

(ee-news.ch) Bereits ab dem kommenden Jahr will Bosch vollständig klimaneutral sein. Ab 2020 sollen die über 400 Bosch-Standorte weltweit – von der Entwicklung über die Produktion bis zur Verwaltung – keinen CO2-Fussabdruck mehr hinterlassen. Damit sei man das erste grosse Industrieunternehmen, das dieses Ziel in nur gut einem Jahr realisiere, so Bosch.


Um die CO2-Neutralität schnell umzusetzen, will Bosch kurzfristig mehr Ökostrom zukaufen und unvermeidbare CO2-Emissionen mit Kompensationsmassnahmen ausgleichen. Bis 2030 will das Unternehmen sukzessive den Anteil an regenerativen Energien erhöhen, sowohl in der Eigenversorgung als auch im Zukauf. Darüber hinaus plant Bosch, eine Milliarde Euro in die Energieeffizienz seiner Standorte investieren.

Frühe CO2-Neutralstellung dank frühem Engagement
Industrieunternehmen wie Bosch haben grossen Einfluss auf die Gestaltung einer weitgehend klimaneutralen Welt. Rund 32 Prozent der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen entfallen laut Internationaler Energieagentur auf die Industrie. Aktuell stösst Bosch rund 3.3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus. Seit 2007 hat das Unternehmen den CO2-Ausstoss relativ zur eigenen Wertschöpfung bereits um fast 35 Prozent gesenkt. Das Unternehmen fange also nicht bei Null an. Man habe die bisherigen Ziele zur relativen Senkung der CO2-Emissionen immer übertroffen. Jetzt sei es Zeit für absolute Ziele. Der finale Countdown könne starten, erklärt Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH.

Fokus auf nachhaltige, regenerative Energieversorgung
Ab 2020 will Bosch verbleibende, nicht vermeidbare CO2-Emissionen vor allem durch den Zukauf von Ökostrom aus bestehenden Anlagen und Kompensationsleistungen ausgleichen. Dabei soll in Umweltprojekte, die die soziale und ökologische Entwicklung unterstützen und nach strengen Standards zertifiziert sind, investiert werden. Bis 2030 sollen Kompensationsmassnahmen sukzessive zurückgefahren werden. Dafür will Bosch seine Investitionen in regenerative Energien verstärken. So sollen unternehmenseigene Photovoltaik-Anlagen, wie zum Beispiel an den indischen Standorten Nashik und Bidadi, ausgebaut werden. Insgesamt rechnet das Unternehmen dadurch mit einer Verzehnfachung der bereits installierten Energieleistung. Zusätzlich will Bosch weltweit langfristige und exklusive Lieferverträge mit neuen Wind- und Solarparks schliessen, die sich somit auch ohne staatliche Förderung rechnen können.

Eine Milliarde Euro für Energieeffizienz – auch mit vernetzten Lösungen
Ein wichtiger Hebel zur CO2-Neutralität ist die Energieeffizienz. Bosch will in den kommenden zehn Jahren eine Milliarde Euro in die Energieeffizienz seiner Anlagen und Gebäude investieren. Bis 2030 sollen zusätzliche Energie-Einsparungen in Höhe von 1.7 Terawattstunden pro Jahr realisiert werden, mehr als ein Fünftel des aktuellen Jahresverbrauchs und vergleichbar mit dem Stromverbrauch der privaten Haushalte von Köln. Bosch setzt bereits seit Jahren auf ein Umweltmanagement. 2018 wurden rund 500 Energieeffizienz-Projekte umgesetzt, die den Energieverbrauch um knapp 1.5 Prozent reduziert haben. Wesentlicher Effizienztreiber ist inzwischen auch die Vernetzung der Produktion. In mehr als 30 Werken weltweit setzt Bosch bereits die eigene Energy-Plattform aus dem Industrie-4.0-Lösungsportfolio ein. Die Plattform ist eine cloudbasierte Software-Lösung, die den Stromverbrauch jeder einzelnen Maschine verfolgen und steuern kann.

Durch den Zukauf von Ökostrom, CO2-Kompensationsleistungen und Versorgung mit regenerativen Energien entstehen dem Unternehmen bis 2030 Mehrkosten in Höhe von einer Milliarde Euro. Im gleichen Zeitraum will Bosch eine Milliarde Euro in die Steigerung der eigenen Energieeffizienz investieren. Die zunehmende Energieeffizienz soll Bosch eine Ersparnis in Höhe von rund einer Milliarde Euro bringen. Damit würde sich der Aufwand des Unternehmens für die CO2-Neutralität bis zum Jahr 2030 von rund zwei Milliarden auf eine Milliarde Euro reduzieren. Wie viel an den einzelnen Standorten schon getan wurde, zeigen die folgenden Beispiele.

Feuerbach – Energiebedarf um 50 Prozent reduziert
Im deutschen Feuerbach befindet sich der älteste Bosch-Standort weltweit. Gegründet 1909, hat sich Feuerbach kontinuierlich und konsequent modernisiert und trägt zur Energieeffizienz des gesamten Unternehmens bei. Das Team vor Ort setzt dabei auf Energiemonitoring und die Sensibilisierung der Mitarbeiter durch Schulungen in der so genannten Energieerlebniswelt. Mittels Wärmerückgewinnung, Raumautomation, Abschaltmanagement, Hallensanierungen konnte das Werk den Energiebedarf im Vergleich zum Jahr 2007 um mehr als 50 Prozent reduzieren und seinen CO2-Ausstoss – relativ zur Wertschöpfung – um 47 Prozent senken.

Homburg – Daten nutzen, Energie sparen
Das energieeffiziente, selbstlernende Werk – dieser Vision kommt der deutsche Bosch-Standort Homburg im Saarland immer näher. Der Standort hat dadurch in den vergangenen beiden Jahren rund 5000 Tonnen Kohlendioxid eingespart, seit 2007 sind es sogar mehr als 23‘000 Tonnen CO2. Der Ansatz: Hohe Transparenz trifft technische Innovation. Mithilfe von rund 10‘000 Messpunkten werden Daten der Anlagen in einer Bosch-eigenen Energiemanagement-Plattform zusammengeführt. Die Mitarbeiter können so den Verbrauch jeder einzelnen Maschine verfolgen und verbrauchsoptimiert steuern. Zu den technischen Lösungen zählen bedarfsorientierte Regulierung der Hallenlüftung, Abwärmenutzung aus diversen Bearbeitungsprozessen und nicht zuletzt das Abschaltmanagement der Anlagen.

Renningenmit bepflanzten Dächern und Photovoltaik-Anlagen CO2-neutral
Seit Januar 2019 ist der Bosch-Standort Renningen CO2-neutral gestellt. Die Erdgas-Nutzung für das Heizungssystem wird vollständig über Kompensationsmassnahmen ausgeglichen. Der Strombedarf wird über den Zukauf von Ökostrom abgedeckt. Ergänzend erzeugen die insgesamt 460 installierten Photovoltaik-Module auf den Dächern der Campusgebäude Strom für den Eigenbedarf. Durch die vollständige Dachbepflanzung des Forschungscampus gewinnt die Temperaturregelung in den Gebäuden: Eine unterirdische Zisterne mit einem Fassungsvermögen von rund 3600 m3 sammelt durchsickerndes Regenwasser, das für die Kühltürme der Klimaanlage genutzt wird. Zusätzlich schützen die begrünten Dachflächen bei Sonnenschein vor direkter Sonneneinstrahlung und zu starker Aufheizung der Dächer. Diese Kombination spart 20 bis 30 Prozent Energie bei der Klimatisierung der Gebäude. Der Standort verfügt darüber hinaus über eine eigene Wasseraufbereitungsanlage. Insgesamt spart Bosch dadurch rund 20‘000 m³ Trinkwasser pro Jahr.

Rodez – Nachhaltiges Heizsystem
Den CO2-Fussabdruck verkleinern – mit diesem Ziel hat das Team am Standort Rodez in Frankreich bereits 2009 seine Planungen begonnen. Seit 2013 versorgt ein eigenes Biomasseheizwerk den Standort. In der Anlage werden Holzschnitzel verbrannt, die das Werk aus der lokalen, nachhaltigkeitszertifizierten Forstwirtschaft bezieht. Die dabei entstehende Energie nutzt Rodez für die Erzeugung von Warmwasser und Prozesswärme. Durch den Einsatz der Holzschnitzelanlage deckt der Standort durchschnittlich 90 Prozent seines Heizbedarfs. Jährlich werden rund 6600 Tonnen Holzschnitzel benötigt. Bei der Verbrennung dieser Biomasse wird lediglich die Menge an CO2 frei, die die Bäume zuvor der Atmosphäre entzogen haben. Pro Jahr reduziert das Werk seine Emissionen um rund 600 Tonnen.

Bidadi und Nashik in Indien – CO2-Einsparung aus eigener Kraft
Bosch Indien verfolgt die CO2-Neutralität mithilfe der eigenen natürlichen Energiequellen. Angespornt von der Idee, den Standort tagsüber komplett regenerativ versorgen zu können, begann das Team am Standort Nashik 2015 mit der Installation erster PV-Anlagen. Mittlerweile erzeugen 50‘000 Solarpanels auf Dächern, Parkplätzen und freistehenden Flächen rund 20 Prozent des vom Werk jährlich benötigten Energiebedarfs. Der Standort verringerte seinen CO2-Ausstoss seit 2015 um rund 23‘000 Tonnen und sparte etwa 25‘000 Megawattstunden Energie ein. Das entspricht einem Energiebedarf von rund 23‘500 indischen Haushalten. Auch für die Reinigung der Module haben die Bosch-Experten eine umweltschonende Lösung entwickelt: Das Wasser wird mehrfach recycelt und umweltschonend gereinigt.

Ca. 1 100 Kilometer weiter südlich setzt der Standort Bidadi ebenfalls auf Solarenergie. Der Standort kann sich zu rund 30 Prozent selbst versorgen. Die PV-Anlage hat neben der Energiegewinnung noch einen weiteren Nutzen: Sie schaffen optimale Anbaubedingungen für Gemüse und Kräuter und stellen so die Versorgung der Werkkantine sicher. Neben der Sonne nutzt der Standort auch den Regen: Dieser wird gezielt in einen kleinen See umgeleitet, um die Wasserversorgung der lokalen Bevölkerung zu unterstützen.

Bosch in Mexiko – Erneuerbare als Hauptenergiequelle
Mexiko ordnet seine Energieversorgung neu. Die mexikanische Energiereform sieht vor, 35 Prozent des Strombedarfs bis 2024 aus nicht fossilen Energiequellen zu erzeugen. Die geografische Lage und die klimatischen Bedingungen, mit vielen Sonnenstunden und windertragreichen Gegenden sowie eine engagierte Förderung durch Politik und Unternehmen, bieten eine gute Basis. Bosch ist Teil dieser Bewegung: Mehr als 80 Prozent des Strombedarfs aller Bosch-Standorte in Mexiko werden über Exklusiv-Bezug aus dem Windpark Dominica im Bundesstaat San Luis Potosí abgedeckt. Durch die Umstellung auf vorwiegend erneuerbare Energien konnte Bosch Mexiko in 2018 56‘000 Tonnen CO2 einsparen.

Text: ee-news.ch, Quelle: Bosch

0 Kommentare

Kommentar hinzufügen

Partner

  • Agentur Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Job-Plattform

Suchen Sie einen Mitarbeitenden 
oder eine Stelle? 
Bei uns sind Sie richtig!

Hier geht's weiter >>

Aktuelle Jobs

Technische/r Mitarbeiter/in

Du sorgst dank technischem Geschick für sonnige Aussichten?Wir sind ein in der Schweiz führendes Handelsunternehmen im Bereich Photovoltaik. Unser Ziel ist es, einen nachhaltigen Beitrag zu leisten, um den schne...

Ist Ihr Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien oder Energieeffizienz tätig? Dann senden sie ein e-Mail an info@ee-news.ch mit Name, Adresse, Tätigkeitsfeld und Mail, dann nehmen wir Sie gerne ins Firmenverzeichnis auf.

Newsletter abonnieren

Follow us

In order to provide the best quality for you, our system uses "cookies", which are stored on your device. Cookies are necessary to identify what information (job advertisement, questionnaire, etc) you have already seen. IP address is used for the same purposes as described above.

When creating a profile, applying to the newsletter, job subscriptions and etc, you agree that the data, which you have entered, will be stored and processed in the system in order to provide services, which you have applied for.

We do NOT sell your personal data to any 3rd party services.

You must be 18 or older years old to use our services. If you are underage, you must have a permission to use our services from your parent or guardian. It is necessary in order to store and process your data.

By continuing to use our services, you agree with the these terms. You can withdraw your agreement at any time, by deleting cookies from your device and by sending request for deleting your data to the administrator.

Close