10. Apr 2019

Konjunkturtrend Energieanlagenbau 2019 - aktuelle Lage. ©Bild: VDMA

Konjunkturtrend Energieanlagenbau 2019: Positiver Trend für Speichertechnologien – dringender Handlungsbedarf in der Windenergie

(ee-news.ch) Der Fachverband Power Systems im VDMA hat an der Hannover Messe die Ergebnisse der Mitgliederumfrage ‚Konjunkturtrend Energieanlagenbau 2019‘ vorgestellt. „Die Märkte bleiben weiterhin volatil - in Teilindustrien des Energieanlagenbaus gibt es aber Highlights“, sagte Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems. Die Umfrageergebnisse machen einige Veränderungen in den Bereichen deutlich.


„Es gibt einen generellen Trend zu dezentralen und erneuerbaren Erzeugungstechnologien. Im Heimatmarkt stehen wir – trotz einiger kritischer Aspekte – insgesamt hinter dem Kompromiss der Kohlekommission in Deutschland“, kommentierte Rainer Kiechl, Stellvertretender Vorsitzender VDMA Power Systems und Executive Vice President Mitsubishi Hitachi Power Systems Europe, die Umfrageergebnisse. Um die Transformation des Energiesystems zu einem von erneuerbaren Energien dominierten System mit ausreichend gesicherter Leistung zu gewährleisten, fordert VDMA Power Systems die Umsetzung der Empfehlungen der Kohle-Kommission als Gesamtpaket, so dass der Energiemarkt Klarheit für zukünftige Investitionen erhält.

Zurückhaltung bei der Wasserkraft
Für die Wasserkraft gibt es in Europa weiterhin keine Impulse, Nord- und Südamerika bleiben weiter schwach und Afrika bleibt schwierig. Südamerika leidet immer noch unter der Schwäche Brasiliens, und Nordamerika bleibt wegen der Schiefergas-Entwicklung auf einem niedrigen Strompreisniveau.

Windenergie – dringender Handlungsbedarf in Deutschland
Bei der Windenergie an Land ist ein positiver Trend in Europa (ausser Deutschland), Nordamerika, Asien und Afrika zu erkennen. Für einen erfolgreichen weiteren Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland braucht es jetzt einen gesellschaftlichen Konsens für mehr Ausbau, um die breit getragenen Klimaziele zu erreichen und Leitmarkt zu bleiben. Vereinfachte Genehmigungen, eine ausgeglichene Betrachtung des Naturschutzes, klare Ziele für die Flächenbereitstellung durch die Bundesländer und auch für die Beteiligung von Kommunen am Ertrag lokaler Windenergieprojekte.

Im Bereich der Windenergie auf See wird der Konjunkturtrend für Europa, Amerika und Asien ebenfalls positiv bewertet. Um die Technologieführerschaft des Anlagenbaus in Deutschland zu erhalten und um die deutschen Klimaziele bis 2030 zu erreichen, muss jetzt dringend die Festlegung und Ausschreibung eines Offshore-Ausbauvolumens erfolgen. „Noch in diesem Jahr muss ein Aktionsplan Windenergie aufgesetzt werden – nur so kann die Projektierungstätigkeit der Unternehmen wieder angestossen werden. Die Beschreibung der zukünftigen Ausbaupfade wird Herstellern und Zulieferern eine bessere Perspektive geben“, sagte VDMA Power Systems-Geschäftsführer Zelinger.

Positiver Trend bei Speichertechnologien
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass der positive Trend bei den Speichern (ohne Pumpspeicher) anhält, obwohl sich Geschäftserwartungen für grosse Netzspeicher zuletzt deutlich eingetrübt haben. „Mit der Zunahme Erneuerbarer Energien wächst die Bedeutung von Energiespeichern. Insbesondere die Einstufung von Energiespeichern als „Letztverbraucher“ belastet Speicherbetreiber jedoch mit Entgelten und Abgaben. Um deren wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen, muss die Neu-Definition von Energiespeichern zügig umgesetzt werden“, kommentierte Kiechl.

Reform der Steuern, Abgaben und Umlagen
Investitionen in Klimaschutz und Sektorkopplung (inklusive Power-to-X) werden erst dann erfolgen, wenn ein relevanter Zertifikatepreis im Emissionshandel kalkulierbar wird. Aus diesem Grund fordert VDMA Power Systems für den Energiesektor einen Mindestpreis für ETS-Zertifikate. Ein zukunftsfähiges Energiesystem braucht eine emissionsorientierte Reform der Steuern, Abgaben und Umlagen. Es wäre konsequent, die System- und Umbaukosten emissionsorientiert auf alle Energieträger umzulegen. Dabei ist nicht die Form des Energieträgers, sondern die Höhe der Emissionen bei der Herstellung oder Nutzung entscheidend.

VDMA begrüsst Klimaschutzgesetz
Grundsätzlich begrüsst der VDMA die Bemühungen um verlässliche Vorgaben für Klimaschutz in Deutschland, um die Lücke bei den Klimaschutzzielen zu schliessen. „Feste Sektorziele passen jedoch nicht zu einem zusammenwachsenden Energiesystem – auch sind Sofortprogramme und Sechsmonatshorizonte Gift für vernünftige Investitionsentscheidungen. Die Diskussion über eine europäisch eingebettete, klimaorientierte Reform der Rahmenbedingungen insbesondere der Steuern und Abgaben muss endlich beginnen,“ forderte Matthias Zelinger.

Text: ee-news.ch, Quelle: Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)

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