11. Apr 2019

Raoul Knittel, Geschäftsführer des Verbandes unabhängiger Energieerzeuger VESE, führte als Moderator durch den Samstagnachmittag. ©Bild: T. Rütti

Antoine Millioud von der aventron AG

Christa Mutter von Solarspar. ©Bild: T. Rütti

Gleichgesinnte, die sich aktiv an der Energiewende beteiligen, tauschten sich beim Apéro aus. In der Bildmitte: Walter Sachs, VESE-Präsident. ©Bild: T. Rütti

Bernhard Schmocker: «Fakt ist: Wir fahren ‹mit angezogener Handbremse› und können deshalb viele sinnvolle Projekte gar nicht erst realisieren.» ©Bild: T. Rütti

VESE: Ökoinvest– inwieweit taugen erneuerbare Energien als Anlagevehikel?

(©TR) Nicht selten erzielen Investitionen in erneuerbare und nachhaltige Projekte selbst in anspruchsvollen Zeiten gute Renditen und stabile Resultate. Sonne, Wasser, Wind und Biomasse stehen im Zentrum der Energiewende. Sie müssen im laufenden 21. Jahrhundert die fossilen Energieträger ersetzen und unsere Lebensqualität erhalten, ohne dem Klima zu schaden. Der Verband unabhängiger Energieerzeuger VESE und seine Mitglieder sehen darin auch eine wirtschaftliche Chance, die es zu nutzen gelte.


Dies jedenfalls ist eine Quintessenz des Informationsanlasses «Anlegen in Erneuerbare Energien» des Verbands unabhängiger Energieerzeuger VESE, der am 6. April 2019 in Basel abgehalten wurde. An der VESE-Veranstaltung stellten sich Organisationen aus dem Raum Basel vor, die Kraftwerke betreiben und in erneuerbare Energien investieren. Diese Organisationen laden potentielle Anleger dazu ein, ihr Geld in diesem Sektor anzulegen. Denn es soll sich gezeigt haben, dass Investitionen in erneuerbare und nachhaltige Projekte oftmals auch in anspruchsvollen Zeiten gute Renditen und stabile Resultate erzielen.

Erzeugungstechnologien mittels Wind & Sonne
Zweifellos befindet sich die Energiebranche seit gut zehn Jahren in einem fundamentalen Wandel. Nun wird klar: Wer auf erneuerbare Energien gesetzt hat, hat die Weichen richtig gestellt. Die Preise für Wind- und Sonnenstrom sind so stark gesunken, dass sie heute die günstigsten Erzeugungstechnologien sind. Unlängst haben Deutschland und Spanien beispielsweise gemeldet, Solarparks ohne staatliche Unterstützungen bauen zu wollen. Selbst Investoren, die traditionell in der fossilen Energieversorgung ansässig waren, haben die Umwälzungen längst bemerkt und investieren in die neuen Schlüsseltechnologien. So meldete unlängst etwa der Energieriese Shell, er übernehme den deutschen Batteriehersteller und Branchenprimus «Sonnen».

Strom: lokal produziert und verbraucht
Die Kopplung der Märkte für Wärmeenergie, Elektrizität und Mobilität bietet ein grosses Potenzial, Angebot und Nachfrage auszugleichen und dadurch erneuerbare Energie noch effizienter einzusetzen. Dank rasanten Fortschritten in den Speichertechnologien wird Strom immer häufiger lokal produziert und verbraucht. Ebenfalls ein starker Treiber für Innovationen ist die Digitalisierung der Energieversorgung, die neue Modelle für den Vertrieb von Energie sowie das Marketing erlaubt. Nach langjährigem Zögern unterstützt nun offenbar auch die europäische Politik die Energiewende. Deutschland gab vor kurzem den Kohleausstieg bekannt und die EU stärkt die Erneuerbaren Energien mit dem soeben in Erscheinung getretenen Energiemarktdesign. Die Schweiz hingegen hinkt im Solar- und Windbereich noch stark hinterher.

Strom wird teilweise selber vermarktet
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit haben Schweizer Genossenschaften und Vereine bemerkenswerte Kraftwerkportfolios für erneuerbare Energien aufgebaut. Der produzierte Strom wird teilweise über die kostendeckende Einspeisevergütung des Bundes – die gibt es indes nicht mehr für neue Projekte – verkauft und teilweise selber vermarktet. Die Produzenten setzen auf Wasser-, Sonne- und Windkraftwerke, die mit Bürgerbeteiligungen finanziert werden, wie am Informationsanlass erklärt wurde.

Mehrwert schaffen
Erneuerbare Energien könnten der Schlüssel für eine klimaschonende Energieversorgung sein. Der Anlass «Anlegen in Erneuerbare Energien» stellte erfolgreich operierende Organisationen vor, welche die nachhaltige Entwicklung umsetzen und wirtschaftlichen Mehrwert schaffen. Anleger können sich daran beteiligen – und ihr Geld sinnvoll anlegen. Effektiv bieten VESE-Mitglieder, die in erneuerbare Energien investieren und Kraftwerke betreiben, auch den Anlegern die Möglichkeit, ihr Geld klimaschonend und rentabel arbeiten zu lassen.

Zeitgleich: Demos für den Klimaschutz
Unterstützt wurde die Veranstaltung «Anlegen in Erneuerbare Energien» vom 6. April 2019 von der Schweizerischen Vereinigung für Solarenergie SSES, dem Kanton Basel Stadt und vom Verein Solarspar, der sich für erneuerbare Energien und Energieeffizienz einsetzt. VESE, der Verband unabhängiger Energieerzeuger, ist eine Fachgruppe der SSES. Die Möglichkeit, sich und/oder die Angebote der jeweiligen Organisationen, Genossenschaften und Vereine dem fast 50-köpfigen Fachpublikum in Wort und Bild näher zu bringen, nutzten Marcus Diacon vom Kanton Basel-Stadt, Antoine Millioud von der aventron AG, Lucia Grüter von Optima Solar, Christa Mutter von Solarspar, Bernhard Schmocker von der ADEV Energiegenossenschaft, Lukas Herzog von der Alteno Solar AG und Hans Weber von der Solargenossenschaft Gugger Sunne. Über die Bühne ging die Samstagnachmittagsveranstaltung an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW Peter Merian in Basel. Dort fehlte es in den Pausen nun wirklich nicht an Gesprächsstoff, der auch über den VESE-Informationsanlass hinausging: Zeitgleich demonstrierten in der ganzen Schweiz Zehntausende für den Klimaschutz. In nicht weniger als zwanzig Städten hatte die Klimastreik-Bewegung zu Kundgebungen aufgerufen.
Die Präsentationen zum Herunterladen >>


«Wir fahren mit angezogener Handbremse»

Seit fünf Jahren leitet Bernhard Schmocker bei der ADEV Energiegenossenschaft den Bereich Planung und Bau. Mit seinem Team ist er für die Entwicklung und Umsetzung von Projekten zuständig. Er bezieht heute Stellung zu Fragen, die unter den Nägeln brennen.

In Zeiten von Null- und Negativzinsen erhalten Genossenschafter der ADEV 2% Zinsen. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
In den vergangenen 34 Jahren hat die ADEV frühzeitig in die erneuerbaren Energien investiert. In dieser Zeit konnte ein grosses Know-how bezüglich Langzeitqualität von Produkten, z.B. PV-Modulen, sowie bezüglich langfristigen Betriebskosten angesammelt werden. Darum war und ist es uns möglich, Projekte genau zu kalkulieren. Wir investieren nur, wenn wir von der Nachhaltigkeit eines Projekts überzeugt sind. Projekte und einen hohen Marktanteil zu «erkaufen» kommt für uns nicht in Frage.

Grundsätzlich: Vor welchen Herausforderungen steht die Energiebranche heute?
Uns macht eine Politik zu schaffen, die ganze Gesetzgebungen innerhalb einer Legislaturperiode umkrempelt und nicht mehr darauf bedacht ist, die Investitionssicherheit zu gewährleisten. In gutem Glauben hat die ADEV Energiegenossenschaft Projekte entwickelt und dabei teilweise mehrere Jahre in Abklärungen und Planungen investiert. Nun steht sie vor der Entscheidung, unter neuen Rahmenbedingungen wieder von vorne anzufangen oder aber die betreffenden Projekte aufzugeben. Gerade Investitionen in Wasser- und Windkraftwerke haben lange Planungszeiten und sind darum auf stabile Rahmenbedingungen angewiesen. Fakt ist: Wir fahren «mit angezogener Handbremse» und können diverse sinnvolle Projekte nicht realisieren.

Was lässt sich zu den aufwändigen und langwierigen Planungsverfahren sagen, die oft von Abstimmungen auf Gemeindeebene in einer späten Projektphase abhängig sind?
Als Projektentwickler investiert man viel Geld, geht in Vorleistung, muss aufwändige und detaillierte Planungen durchführen. Am Schluss entscheidet aber der Stimmbürger – ohne jeglichen Kostenfolgen und oft auch angesichts einer durch radikale Gegner aufgeheizten Stimmung. Bei Projekten im Wasser- und Windbereich müssen daher Projekte vermehrt über kantonale Planungsverfahren, z.B. einem kantonalen Nutzungsplan, abgewickelt werden, wie dies in einigen Kantonen schon üblich ist. Nur so können übergeordnete Interessen in die Entscheidungsfindung einfliessen.

Eine weitere Herausforderung besteht doch darin, Projekte zu entwickeln, die sich wenn auch langfristig wirklich rechnen.
Richtig. Gerade jetzt will sich jedes öffentliche EW ein Stück des Kuchens für sich abschneiden und bezahlt für Prestigeprojekte überhöhte Preise. In diesem Zusammenhang muss sich auch klären lassen, dass wirklich alle die gleichen Rahmenbedingungen haben und EWs nicht ihre Macht sowie aus unserer Sicht teilweise unlautere Mittel dafür einsetzen.

Die ADEV konnte in den vergangenen 30 Jahren stetig neue Kraftwerke bauen. Wie sehen Sie die langfristige Entwicklung des Energiebedarfs in der Schweiz?
Wir sind überzeugt, dass mit einem moderaten Bevölkerungswachstum der Energiebedarf der Schweiz in den nächsten Dekaden sinken wird. Die technische Entwicklung ist weit fortgeschritten, nun muss investiert werden. Es ist klar, dass dabei die Wärmedämmung unserer Bauten wesentlich länger dauert, als der Ersatz unser Kühl- und Tiefkühlschränke. Gerade im Wärmebereich sehen wir die Schweiz sehr gut aufgestellt. Hier kann es nur darum gehen, die Anreize noch etwas zu steigern.

Worum geht es im Strombereich im Speziellen?
Im Strombereich geht es darum, die perspektivisch wegfallenden Erzeugungskapazitäten der Atomkraftwerke zu ersetzen. Aus unserer Sicht ist es dabei wichtig, dass neue erneuerbare Kapazitäten auch im Inland erstellt werden. Eine Importstrategie macht nur dann Sinn, wenn sich die Nachbarländer auch für eine Exportstrategie entscheiden. Die Entwicklungen laufen jedoch in die andere Richtung, was wiederum für die Schweizer Stromwirtschaft Chancen ergibt. Und nicht zuletzt wäre es für die ganze Entwicklung auch nützlich, wenn die Strommarktpreise auf einem Mindestniveau stabil wären.

Ein Wort noch zur ADEV.
Seit 1985 ist die Energiegenossenschaft ADEV eine der aktivsten Produzenten erneuerbarer Energie in der Schweiz. Sie ist das Stammhaus der gesamten ADEV-Gruppe. Diese umfasst die Tochtergesellschaften ADEV Wasserkraftwerk AG, ADEV Solarstrom AG und ADEV Windkraft AG.


©Text: Toni Rütti, Redaktor ee-news.ch

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