Die Biogasanlage (links) und die Halle in Holzbauweise mit der automatisierten Trocknungsanlage (rechts). ©Bild: France Biogaz

Biogasprojekt auf Biobauernhof bei Rennes: Gülle und Mist werden zu Strom und Wärme – für Finanzierung nur 1 % Eigenkapital nötig

(ee-news.ch) Ökostromanlagen lohnen sich finanziell. Zunächst sind jedoch umfangreiche Investitionen notwendig. Wie die Errichtung auch ohne viel Eigenkapital möglich ist, zeigt ein aktuelles Beispiel aus der Bretagne: Der Landwirt Jean-Noel Boivent hat kürzlich auf seinem Biobauernhof in der Nähe von Rennes eine Biogasanlage und ein effizientes Blockheizkraftwerk mit gut 200 Kilowatt elektrischer Leistung in Betrieb genommen.


Den Strom speist er in das Netz ein, mit der Abwärme trocknet er landwirtschaftliche Erzeugnisse. Das Besondere der Anlage: Boivent hat das 2.3 Millionen Euro teure Projekt mit nur 20‘000 Euro Eigenkapital gestemmt und hält trotzdem 51 Prozent der Anteile an der Betreibergesellschaft. Die andere Hälfte erhielt die Firma France Biogaz, die deutlich mehr investiert hat. Das deutsch-französische Beratungsunternehmen Sterr-Kölln & Partner arbeitete mit seinen Fachleuten die Finanzierung aus und beriet bei rechtlichen Fragen. Die von der Firma Biogaz France geplanten und errichteten Anlagen sind nun erfolgreich in Betrieb: Anfang April 2019 gingen die ersten Stromerlöse auf das Konto der Betreibergesellschaft ein.

21 Cent pro Kilowattstunde
In der nordwestfranzösischen Region Bretagne, eine Autostunde nordöstlich von Rennes betreibt der 34-jährige seit Jahresbeginn ein kleines Blockheizkraftwerk. Vor allem Mist, aber auch Gülle und Silage von seinem Hof vergären in der Biogasanlage zu Biogas. Das energiereiche Gas besteht aus Methan, Kohlendioxid und weiteren Nebenprodukten. Es wird in dem neu errichteten Blockheizkraftwerk verbrannt. Der Energieversorger EDF vergütet den erzeugten Strom nach der Einspeisung in das öffentliche Netz mit rund 21 Cent pro Kilowattstunde.

Mit der Abwärme aus der Stromerzeugung trocknet Boivent sein gemähtes Gras. Das Heu verfüttert er dann an die Tiere. Für die biologische Landwirtschaft ist ökologisch produziertes Futter, möglichst aus eigener Erzeugung, ein wichtiger Aspekt. Im Rahmen des Projektes wurde auch die neue, automatisierte Trocknungsanlage und eine Halle in Holzbauweise für die Anlage errichtet.

Nur rund ein Prozent Eigenkapital nötig
Die Gesamtinvestition betrug rund 2.3 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgte vor allem über einen Bankkredit in Höhe von 1.8 Millionen Euro, ein Nachrangdarlehen von France Biogaz und Fördermittel der Agentur für Umwelt und Energie (Ademe) sowie der Region. Eine solche individuell ausgestaltete Finanzierung für Biogasprojekte ist anspruchsvoll und komplex und deshalb noch selten. Bislang dominieren Finanzierungen mit einem deutlich höheren Eigenanteil von 30 Prozent und mehr. Das Finanzierungskonzept erarbeiteten die deutsch-französischen Experten von Sterr-Kölln & Partner.

Text: ee-news.ch, Quelle: Sterr-Kölln & Partner

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