Laut Wolfram Axthelm bedarf es langfristig einer CO2-Bepreisung und einer Reform der Abgaben- und Umlagensystematik. Kurzfristig könne der IKEM-Vorschlag aber eine Brücke bauen, um Power-to-X in industriellem Umfang zu erproben. ©Bild: BWE

Nutzen statt Abregeln: IKEM-Vorschlag einer Experimentierklausel kann Innovationspotenziale heben und Sektorenkopplung beschleunigen

(BWE)In einem Gutachten erarbeitete das IKEM (Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität) sogenannte Experimentierklauseln, die die Rahmenbedingungen für Sektorenkopplungsvorhaben verbessern sollen (siehe ee-news.ch vom 8.3.2019 >>). Unter dem Begriff „Anlagenkopplung“ schlägt das IKEM regulatorische Änderungen vor, um Power-to-X-Projekte (P2X) wirtschaftlich und kurzfristig umsetzbar zu machen.


"Unter dem Schlagwort „Nutzen statt Abregeln“ werben die Erneuerbaren seit Jahren dafür, das klimapolitische Potenzial und die industriepolitischen Chancen einer über alle Sektoren getragenen modernen Energiewirtschaft zu heben. Einer erfolgreichen Sektorenkopplung stehen allerdings weiterhin die Probleme durch die Systematik der Abgaben und Umlagen im Weg. Es gilt jetzt zügig Innovationspfade zu beschreiten, um Skaleneffekte zu erzielen und die verschiedenen P2X-Lösungen nach vorn zu treiben", machte Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des deutschen Bundesverbands Erneuerbare Energie und des Bundesverbands Windenergie bei der Vorstellung der Studie deutlich.

Hinderliche Stromnebenkosten erstatten
Unter „Anlagenkopplung“ versteht das IKEM eine virtuelle Verbindung zwischen Erneuerbaren-Erzeugungsanlagen, Speicheranlagen und Sektorenkopplungsanlagen (z. B. Power-to-Gas-Elektrolyseuren) über das Netz oder eine Direktleitung. Dies ermögliche ein gezieltes, netz- und systemdienliches Erzeugungs- und Entnahmemanagement. Der IKEM-Vorschlag sieht vor, die Finanzierbarkeit der Zukunftsprojekte dadurch zu verbessern, dass die derzeit hinderlichen Stromnebenkosten (Stromsteuer und EEG-Umlage) bei der Speicherung bzw. Umwandlung von Strom erstattet werden.

Langfristig CO2-Bepreisung erforderlich
„Die Sektorenkopplung ist in aller Munde und Deutschland ist entschlossen, Technologieführer für zukunftsträchtige und emissionsfreie P2X-Lösungen zu werden. Langfristig sind dafür ein Einstieg in die CO2-Bepreisung und eine Reform der Abgaben- und Umlagensystematik unumgänglich. […] Kurzfristig kann der IKEM-Vorschlag aber eine Brücke bauen, um Power-to-X in industriellem Umfang zu erproben. Ich begrüsse den Vorschlag daher ausdrücklich. Er kann ein wichtiges Zeichen für Investoren und Wirtschaft setzen: Klimaschutz und Industriepolitik lassen sich kombinieren“, kommentierte Wolfram Axthelm.

Blaupause für die Sektorenkopplung
Zur Umsetzung der Anlagenkopplungs-Projekte schlägt das IKEM unter anderem die Einbeziehung in Innovationsausschreibungen vor. Ein anderer Weg wäre es, Experimentierklauseln auch ausserhalb von Ausschreibungen umzusetzen. Durch ein begrenztes Volumen und eine definierte Laufzeit könnte so eine Blaupause für die Sektorenkopplung entstehen.

„Power-to-X-Projekte müssen auf die Strasse. Es macht Sinn, eine klar umrissene Grössenordnung von Projekten nach vorn zu bringen. Anlagenkopplung ist ein guter Ansatz, wenn ausschliesslich auf Strom aus Erneuerbaren-Anlagen zurückgegriffen wird und eine entlastende Wirkung auf das Netz festzustellen ist. Wo Anlagen parallel weiter ins Stromnetz einspeisen, muss der Einspeisevorrang sichergestellt bleiben“, unterstrich Wolfram Axthelm.

IKEM-Studie: Experimentierklausel für verbesserte Rahmenbedingungen bei der Sektorenkopplung >>

Text: Deutscher Bundesverband Windenergie (BWE)

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