23. Jan 2019

Nachhaltigkeit ist im Valsana nicht bloss Theorie, sondern zeigt sich in allen Facetten. Dazu gehören die Auswahl an lokalen Nahrungsmitteln, die Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder ein bewusster Verzicht auf PET und Papier. ©Bild: EnAW

Heizöl war gestern: Hotel in Arosa bezieht fast die gesamte Wärme aus hauseigenem Eisspeicher

(PM) In Arosa steht das wahrscheinlich grünste Hotel der Schweiz. Dank des Energiekonzepts kommt das Valsana Hotel & Appartements praktisch ohne fossile Energien aus. Ökologie und Nachhaltigkeit bilden die Grundpfeiler des neu eröffneten Hauses. Die Tschuggen Hotel Group setzt damit neue Standards für eine nachhaltige Hotellerie – unterstützt wird sie dabei von der EnAW.


Am Ortseingang von Arosa – direkt am Obersee gelegen – stehen drei elegant und modern anmutende Gebäude. Die Fassaden aus Glas und perforierten Balkongeländern stechen ins Auge und lassen künstlerisches Flair vermuten. Dennoch verrät die Form des Gebäudes sofort dessen eigentliche Funktion: ein schickes Hotel in einem Wintersportort. Das Valsana hat Geschichte: Seit über 115 Jahren steht an diesem Ort ein Hotel. Mit einem kleinen Unterbruch, als das alte Gebäude 2015 abgerissen und in seiner heutigen Form neu aufgebaut wurde.

Irgendwann ist der Knochen zu spröde
Corinne Denzler ist Direktorin der Tschuggen Hotel Group, zu welcher das Vier-Sterne-Haus in Arosa gehört. Der Entscheid zum Abbruch sei kein einfacher gewesen: «Aber wenn ein Skelett so alt ist, kann man noch so viel verschönern, irgendwann ist der Knochen trotzdem spröde.» Das altehrwürdige Haus ist also verschwunden. An derselben Stelle steht nun aber ein Bauwerk, das mindestens ebenso gute Chancen hat, einst in die Geschichte des Ortes einzugehen.

Wärme aus Eis
Die eigentliche Sensation des Valsana-Neubaus findet sich allerdings erst hinter dessen hübscher Fassade. Im unterirdischen Bauch der Anlage verstecken sich ein Eisspeicher, 18 Erdsonden und Verbindungen zu den Kühlanlagen des benachbarten Coop-Supermarkts. Diese Anlagen ermöglichen es, dass das Hotel Valsana schon im ersten Betriebswinter 96 Prozent seines Wärmebedarfs selbst decken konnte. Energiequellen sind in erster Linie die eigene Abwärme und diejenige des benachbarten Supermarkts sowie der Eisspeicher.

Vor allem im Sommer fliesst überschüssige Wärmeenergie in den Eisspeicher. Dieser Speicher ist eigentlich ein riesiger Wassertank, in dem über 400 Meter dünne Rohre angeordnet sind, durch welche eine chemische Flüssigkeit fliesst. Muss im Haus geheizt werden, wird dieser Flüssigkeit durch Wärmepumpen Energie entzogen und ins Haus geleitet. Bei grosser Energieentnahme kann das Wasser um die Rohre dabei gefrieren. Um den Speicher wieder zu füllen und das Eis zu schmelzen, muss dem Wassertank lediglich neue Abwärme zugeführt werden.

Augen zu und durch
Die Bilanz nach je einer Winter- und Sommersaison kann sich sehen lassen: «Wir brauchen praktisch kein Heizöl mehr, für ein Hotel ist das fantastisch!» Denzler ist mehr als zufrieden. Das alte Hotel verbrauchte im Schnitt 135‘000 Liter Heizöl pro Jahr. Der Neubau benötigte im ersten Winter bloss noch vier Prozent davon, und selbst das nur, weil die Notheizung einmal einspringen musste. Ein Energiekonzept dieser Art gab es bei einem Hotel zumindest in der Schweiz noch nie. Eine entsprechende Unsicherheit sei natürlich da gewesen, gibt Denzler zu. «Irgendwann haben wir einfach gesagt: Augen zu und durch.» Der Wagemut, einen solchen Entscheid durchzuziehen, hat sich ausbezahlt. Der CO2-Ausstoss hat sich damit um 20 Kilogramm pro Logiernacht verringert. Geht die Entwicklung weiter in diese Richtung, möchte die Hotelgruppe bald sogar CO2-neutrale Übernachtungen anbieten.

Sparend gewinnen
EnAW-Berater Daniel Schneiter zeigt sich ebenfalls begeistert vom neuen Valsana-Konzept. Er kennt sich aus mit Energieversorgung und Effizienzkonzepten bei Hotels: Für die EnAW betreut er über 100 Betriebe in der ganzen Schweiz. Auch beim Neubau in Arosa war seine Expertise gefragt, für Schneiter «ein Sechser im Lotto». Es sei toll gewesen, mit einer so aufgeschlossenen Bauherrschaft zusammenzuarbeiten. Schneiter meint damit vor allem die Besitzerfamilie der Tschuggen Hotel Group, welche ihre Hotels erfolgreich, aber auch nachhaltig führen möchte. Neben dem Valsana gehören noch vier weitere Hotels in Ascona, St. Moritz und Arosa zur Gruppe. Im Rahmen des Projekts «Leuchtturm» (siehe unten) haben die Hotels zusammen mit der EnAW eine gemeinsame Universalzielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen. Dank dieser Vereinbarung erhält das Unternehmen jährliche Rückerstattungen der CO2-Abgabe im sechsstelligen Bereich.

Bodenständig und visionär
Nachhaltigkeit ist im Valsana nicht bloss Theorie, sondern zeigt sich in allen Facetten und Details. Dazu gehören die Auswahl an lokalen Nahrungsmitteln, die Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder ein bewusster Verzicht auf PET und Papier. Doch so sehr ihr all das am Herzen liege, meint Denzler, «am Ende des Tages müssen auch wir unser Geld verdienen». Geringere Energiekosten und Rückerstattungen tragen massgebend zur Wirtschaftlichkeit der Hotels bei. Trotzdem bleibt es ein Balanceakt zwischen Gästezufriedenheit, Nachhaltigkeit und Rentabilität, den Denzler und ihre Mitarbeitenden jeden Tag aufs Neue vor sich haben. Das Hotel Valsana hat sich dieser Herausforderung in aller Grösse angenommen. Die Tschuggen Hotel Group möchte damit neue Standards für eine nachhaltige Hotellerie setzen: «Dieses Haus soll uns die Zukunft aufzeigen», sagt Denzler und hofft, dass sie damit viele Nachahmer finden wird.

Projekt Leuchtturm
Das Projekt «Leuchtturm – Energieeffiziente Hotels Graubünden» wurde 2014 mit dem Tourismuspreis Milestone 2014 ausgezeichnet. Es zeigt den Hotels konkrete Wege auf, ihren Energieverbrauch und CO2-Ausstoss zu verringern und gleichzeitig Kosten zu sparen. Die am Projekt beteiligten Hotels nehmen am Energie-Management-System der EnAW teil und arbeiten eng mit einem EnAW-Berater zusammen. Bis Ende 2017 haben 103 Hotels und Tourismusbetriebe aus dem Kanton Graubünden mit Unterstützung der EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen. Bis 2020 wollen sie über 18‘000 Tonnen CO2 einsparen.

Text: Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW)

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