17. Jan 2019

CATL-CEO Zeng und Thüringens Wirtschaftsminister Tiefensee unterzeichnen im Juli 2018 im Beisein von Kanzlerin Merkel und Chinas Keqiang Vereinbarung für den Aufbau einer 14-GW-Batterie-Fertigung. Bild: Land Thürigen

Die deutsche Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) hatte bereits in ihrer „Roadmap 2016" einen Produktionsstart im Jahr 2021 empfohlen, und zwar den „stufenweisen Aufbau einer Zellfabrik von etwa 13 GWh bis 2025".

Fertigung von Batteriezellen: Verhaltene Resonanz auf eine Milliarde Euro Fördergeld in Deutschland

(©BJ) Die deutsche Bundesregierung will die Fertigung von Batteriezellen mit einer Milliarde Euro unterstützen. Doch es bleibt ein grosses unternehmerisches Risiko – weshalb Firmen wie Bosch und Continental derzeit abwinken. Neu ist wieder die Rede von Chemiekonzern BASF dem Autobauer Ford die Rede.


Die einen jubeln, fordern schnelles Handeln. Die anderen zeigen sich zurückhaltend. Zu denen, die Aktivität einfordern, zählt der deutsche Bundesverband Elektromobilität. „Wir müssen in grossem Stil Batteriefabriken bauen“, sagt Geschäftsführer Frank Müller. „Da ist richtig Not am Mann.“ Wenn Deutschland international mitspielen wolle, müssten jetzt möglichst schnell mehrere Grossfabriken entstehen. Da könne die von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier Mitte November zugesagte eine Milliarde an Förderung nur ein kleiner Impuls sein – schliesslich seien Milliarden-Investitionen im zweistelligen Bereich nötig.

Bosch bleibt bei ihrem Entscheid
Allerdings ist das unternehmerische Risiko erheblich. Deutsche Unternehmen, die an dieser Stelle gefragt wären, bleiben deshalb zumeist noch distanziert. Auch durch die jüngste Förderzusage bewerten sie die Marktlage als kaum verändert. Die Firma Bosch, die Anfang 2018 ihre Überlegungen zum Aufbau einer eigenen Batteriezellfertigung ad acta legte, hält an ihrer Entscheidung weiterhin fest.

Man ist vorsichtig geworden, geht es doch um gehörige Summen: Um im Jahr 2030 einen weltweiten Marktanteil von 20 Prozent zu erreichen, was einer jährlichen Fertigungskapazität von 200 Gigawattstunden entsprechen würde, müsste Bosch etwa 20 Milliarden Euro in die Hand nehmen, rechnete Bosch-Chef Volkmar Denner einst vor.

Auch die Firma Continental wink ab
Aber auch Firmen, die sich mit etwas kleineren Dimensionen zufrieden geben würden, bleiben zurückhaltend. Die Firma Continental, die immer wieder als möglicher Investor genannt wird, winkt weiterhin ab: In Lithium-Ionen-Technik werde man ohnehin nicht investieren, sagt Firmensprecher Vincent Charles. Allenfalls denkbar sei, auf die Nachfolgetechnik zu setzen – auf Festkörperzellen. Doch eine Entscheidung darüber stehe erst nach 2020 an, wenn klar sei, ob die neue Technik im industriellen Massstab gefertigt werden kann. Continental werde ohnehin nur investieren, wenn die zu erwartende Kapitalrendite bei 20 Prozent liege. Ein solcher Wert ist derzeit jedoch kaum zu erzielen. So werden auch bei Continental Altmaiers Fördergelder einstweilen nicht zünden.

Bei der Firma Varta verweist man zwar auf ein neues Forschungsprojekt mit Namen „DigiBattPro4.0“, das eine „digitalisierte Batteriezellen-Produktion“ zum Thema hat. Es geht dabei allerdings nur um solche Batterien, die „in den neuen Lifestyle Entertainment-Geräten eingesetzt werden“. Varta nimmt in diesem Segment für sich in Anspruch, „weltweiter Technologieführer“ zu sein. Mit Traktionsbatterien für E-Autos hat das Projekt jedoch nichts zu tun.

BMZ Gruppe verfolgt eigene Ziele
Selbst ein mit grossen Ambitionen gestartetes Konsortium ist zwischenzeitlich gescheitert, weil die beteiligten Firmen das für die Grossserienproduktion nötige Geld nicht in die Hand nehmen wollten. Unter dem Namen TerraE hatten sich vor gut anderthalb Jahren 17 Unternehmen und Forschungsinstitute zusammengeschlossen. Sie hatten das Ziel, bis 2020 eine erste Zellenfertigung in Deutschland aufzubauen, und bis 2028 die Kapazitäten auf bis zu 34 Gigawattstunden aufzustocken. Mit dabei waren unter anderem Siemens, Thyssen-Krupp System Engineering, der Anlagenbauer Manz und der Batteriespezialist Leclanché.

Nun übernimmt die BMZ Gruppe das TerraE-Konsortium, wie sie Mitte November mitteilte. Das Unternehmen im unterfränkischen Karlstein war 1994 als Batterie-Montage-Zentrum gegründet worden und hat heute weltweit 2300 Mitarbeiter. Es beliefert deutsche Autobauer mit Lithium-Ionen-Akkupacks und ist nach eigenen Angaben inzwischen grösster Abnehmer asiatischer Zellen. BMZ will in einer ersten Ausbaustufe 300 Millionen Euro in eine Fabrik mit einer Kapazität von vier Gigawattstunden investieren und das Produktionsvolumen „mittelfristig“ verdoppeln. Es ist ein Anfang, wenn auch nur ein kleiner, verglichen mit den Mengen, die manchem E-Mobilisten vorschweben.

Asiaten investieren in Deutschland
Unterdessen ist die erste Entscheidung zur Produktion von Batteriezellen für Elektroautos in Deutschland bereits im vergangenen Juli gefallen. Allerdings sind es Asiaten, die investieren, gefördert mit 7.5 Millionen Euro vom Land Thüringen: Der chinesische Hersteller Contemporary Amperex Technology Ltd. (CATL) will im Industriegebiet „Erfurter Kreuz“ eine Fertigung mit einer jährlichen Kapazität von 14 Gigawattstunden aufbauen. CATL ist einer der führenden Autobatteriehersteller weltweit.

Nach diesem asiatischen Einstieg in Deutschland sollen nun einheimische Firmen aufholen. In einem Thesenpapier des Wirtschaftsministeriums heisst es dazu: „Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 rund 30 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Batteriezellen aus deutscher und europäischer Produktion zu beliefern.“ Der weltweite Bedarf an mobilen und stationären Stromspeichern werde sich „bis 2030 nach seriösen Schätzungen mehr als verzehnfachen“. Es gebe daher ein wachsendes Interesse von potenziellen Herstellern, sagt Wirtschaftsminister Altmaier, der bis zum Ende des ersten Quartals 2019 mit konkreten Investitionsentscheidungen für eine Batteriezellfabrik rechnet.

„Roadmap 2016"
Die deutsche Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) hatte bereits in ihrer „Roadmap 2016" einen Produktionsstart im Jahr 2021 empfohlen, und zwar den „stufenweisen Aufbau einer Zellfabrik von etwa 13 Gigawattstunden bis 2025". Dafür seien Investitionen von etwa 1.3 Milliarden Euro notwendig. Für eine dauerhaft wirtschaftliche Zellproduktion sei eine Mindestauslastung von 80 Prozent notwendig.

Allerdings müssten nun Firmen bereit sein, entsprechende unternehmerische Risiken tatsächlich einzugehen. Mehrere Konsortien seien dabei, sich zu bilden, heisst es aus dem Wirtschaftsministerium. Im Dezember liess der chinesische Elektroauto-Hersteller BYD wissen, er prüfe mögliche Standorte in Grossbritannien und Deutschland für den Aufbau einer Batteriefabrik.

Im Zusammenhang mit einem nationalen Konsortium ist unterdessen immer wieder vom Chemiekonzern BASF sowie dem Autobauer Ford die Rede – doch die genannten Firmen halten sich auf Nachfrage noch bedeckt, keines der beiden Unternehmen will bislang entsprechende Pläne bestätigen.

Die Bewertung von Chancen und Risiken einer grossen Batteriezellfertigung in Deutschland ist offenbar bei vielen Akteuren noch nicht abgeschlossen.

©Text: Bernward Janzing

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