05. Dez 2018

Wenn nicht massiv in neue Erdölförderungen aus neuen Quellen investiert wird, dann – so die IEA – wird 2025 die Erdölförderung auf die Hälfte des heutigen Standes zurückfallen. Grafik: IEA

IEA: Drastischer Einbruch der globalen Erdölförderung in den kommenden fünf Jahren

(©HJ Fell) Die Internationale Energie Agentur (IEA) warnt in ihrem neuen World Energy Outlook 2018 (WEO 2018) vor einer dramatischen Unterversorgung der weltweiten Erdölversorgung. Nicht erst in Jahrzehnten – nein, bereits in den kommenden fünf Jahren soll diese eintreten! Dies ist deshalb besonders bedeutsam, weil die IEA bisher immer die Frage nach dem Maximum der globalen Förderung – dem Peak Oil – ignoriert hat und die Botschaft setzte, dass es auch weiterhin keine Engpässe in der Ölversorgung gäbe.


Dies rächt sich nun dramatisch für die Weltwirtschaft. Sie hatte zum grössten Teil auf die IEA-Thesen vertraut, es gäbe noch genügend Erdöl und hat deshalb nicht auf Erneuerbare Energien gesetzt. Kein Wunder, denn auch hier hat die IEA immer die falschen Botschaften vermittelt: Die Erneuerbaren Energien könnten nicht schnell wachsen und wären zu teuer – eine These, die sie auch im WEO 2018 aufrechterhält. Genau diese zwei Botschaften haben viele in der Welt davon abgehalten, in Erneuerbare Energien zu investieren und sind stattdessen Konsumenten der fossilen/atomaren Energien geblieben – allen Klimaschutznotwendigkeiten zum Trotz. Doch genau das rächt sich nun für sie und damit für die Weltwirtschaft sowie den Milliarden Erdöl-Kunden.

Die Association for the Study of Peak Oil and Gas (ASPO Deutschland) hat sich den am 13. November erschienenen WEO 2018 näher angeschaut. Im kostenpflichten Teil des Berichts fand sie die dramatische Botschaft auf Seite 159:

  • Wenn nicht massiv in neue Erdölförderungen aus neuen Quellen investiert wird, dann – so die IEA – wird 2025 die Erdölförderung auf die Hälfte des heutigen Standes zurückfallen. Hintergrund dieser als Apell zu verstehenden Aussage ist die von Ökonomen vertretene Auffassung, dass nur genug in die Exploration investiert werden müsse, um wieder mehr Öl zu finden und kurze Zeit später zu fördern. Das allerdings geht nur, wenn noch ausreichend Öl vorhanden ist. Doch viele Geologen betrachten die Erde als „aus-exploriert“, da eine massive Investitionstätigkeit seit Anfang der 2000er Jahre zu keinen grossen Neufunden geführt hat. Im Gegenteil: die Neufunde sind auf ein historisches Tief gefallen. Daher hat die Ölindustrie ihre Investitionen seit 2014 stark zurückgefahren und zeigt wenig Bereitschaft, diese wieder auszuweiten; stattdessen werden in grossem Stil Aktien zurückgekauft.
  • Auch eine maximale Ausweitung der US-Fracking-Aktivitäten wird den Rückgang bei der konventionellen Ölförderung nicht kompensieren können. Und übrigens gibt es ja inzwischen die Divestment-Bewegung. Immerhin wurde aus Verantwortung für den Planten bereits entschieden, dass über 6 Billionen US Dollar Anlagevermögen aus der fossilen und atomaren Finanzierung zurückgezogen werden.

  • Es wird also keine nennenswerten Investitionen in neue Erdölförderung geben, wie sie die IEA allen Klimaschutznotwendigkeiten zum Trotz fordert.

Schreckensszenario für die Weltwirtschaft
Das Ganze ist ein Schreckensszenario für die Weltwirtschaft. Denn die, die auf 100% Erneuerbare Energien umgestellt haben, sind viel zu Wenige, als dass sie den Weltwirtschaftscrash verhindern könnten. Trotz all dem wird das Problem des Peak Oil von Medien, Politik oder Unternehmen weiterhin nicht ernst genommen. Dabei sieht nun sogar die IEA den Peak Oil bei 2020. ASPO und Energy Watch Group (EWG) haben seit vielen Jahren in vielen Studien vor den Auswirkungen und der schnellen Erreichung des Peak Oil gewarnt. Doch die tauben Ohren waren und sind bis heute in der übergrossen Mehrheit.

Heftig politische Konflikte auf Grund von Benzinpreiswut
Wie heftig politische Konflikte und Aufstände auf Grund von Benzinpreiswut sind, hat die Vergangenheit schon oft gezeigt. Gestern konnte man dies wieder in Frankreich hautnah erleben. Mehr als 240 Tausend Menschen protestierten gegen die Französische Regierung, weil diese Steuererhöhungen auf Benzin und Diesel plant. Gut ist, dass die Regierung standhaft bleiben will. Man werde den abgesteckten Kurs halten, sagte Premierminister Édouard Philippe am Abend im Sender France 2. Ziel sei, „dass die Steuern schwerer auf CO2 und Umweltverschmutzung lasten als auf der Arbeit“.

Genau das ist der Grundsatz einer längst überfälligen und notwendigen ökologischen Steuerreform. Hoffentlich schafft es die französische Regierung dies gegen alle Proteste durchzusetzen. In der Berliner Politik unter Kanzlerin Merkel will aber niemand etwas von solch einer richtigen ökologischen Politik wissen. Stattdessen subventioniert die Regierung aus CDU/CSU/SPD sogar noch den Neubau von Erdölheizungen und schützt mit aller Macht die Automobilindustrie mit ihren Diesel- und Benzin-Fahrzeugen.

Explodierende Spritpreise
Was bedeutet nun diese dramatische Meldung der IEA? Für jeden PKW und jeden LKW in der Welt steht 2025 im Mittel nur noch die Hälfte des bisher verbrauchten Treibstoffes zur Verfügung, genauso wie für die Heizungen und die Millionen Dieselgeneratoren weltweit. Die meisten aber werden gar nichts bekommen, weil ihnen schlicht das Geld fehlt, da in dieser Verknappungsphase die Spritpreise explodieren werden. Nur noch die Reichen werden Auto fahren und über eine warme Wohnung verfügen – ach ja und auch diejenigen, die auf E-Mobile oder Solarheizungen umgestellt haben. Doch das ist nur ein kleiner Teil der Menschheit, denn der grösste Teil lebt in dem irrigen Glauben der unendlichen und dauerhaft billigen Versorgungsicherheit mit Erdöl. Und sie alle werden nicht einmal von den Medien aufgeklärt, wie dramatisch die Lage tatsächlich ist.

©Text: Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group

2 Kommentare
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Fridolin Holdener @ 07. Dez 2018 10:08

Würde weniger Geld in die Förderung von fossilen Treibstoffen investiert kann das nur gut für die Umwelt sein!
Den bürgerlichen zukunftsverzagten CO2-Realitätverweigerer im Nationalrat sei ins Textbuch geschrieben:
100 % elektrisch, CO2-neutral mobil in der Schweiz wäre möglich; mit eigenem, lokal erzeugtem Strom!
Ein volkswirtschaftliches milliarden-Potential!
Neue innovative Geschäftsfelder mit attraktiven Arbeitsplätzen im Inland könnten entstehen; in der Produktion von dezentraler & lokaler erneuerbarer Energie mit PV, Hydro, Wind; in neuen innovativen Energiekonversions-Technologien usw.
Grundlage BFE Energiestatistik 2017:
100 % importierte fossile Treibstoffe - Erdöl, Diesel, Benzin, 50% vom Erdgas - für Landverkehr ca. 62 TWh! = Importkosten ca. 5,0 Milliarden CHF! = verlorenes Geld im Inland…
Durchschnittlicher Inland-«Well-to-Wheel» Wirkungsgrad mit Verbrennungsmotoren: 16%, Inland-Wirkungsgrad für Raffinerie, Transport und Verteilung ca. 97% ist berücksichtigt.
Für die 100 % e-Mobilität mit einem angenommen ein Mix:
Ca. 40% Fahrleistungen mit Batterie-elektrischen-Fahrzeugen (BEV) mit Inland-«Well-to-Wheel» Wirkungsgrad (Stromnetz, Laden, AC-DC-Konversion, E-Motor): 73%
Ca. 60% Fahrleistungen mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-elektrischen-Fahrzeugen (FCEV) mit Inland-«Well-to-Wheel» Wirkungsgrad (Stromnetz, H2-Produktion & Distribution, Brennstoffzelle, AC-DC-Konversion, E-Motor): 22%
Daraus: Benötigter Strom für 100 % CO2-neutrale e-Mobilität in der Schweiz: ca. 36 TWh!
Mitteilung BFE Sept 2018: Potential PV-Strom auf den Schweizer Dächern: 50 TWh! dazu noch die Fassaden, geschätzte 11 TWh, wird demnächst publiziert, weiter Flächen wie z. B. Parkplätze, Strasse usw. noch unberücksichtigt.
Eine 100 % e-Mobilität auf den Schweizer Strassen wäre möglich! Via Strom, mit Batterie- und Wasserstoff-Speicherung - 100% grüner Wasserstoff - erzeugt aus lokaler erneuerbarer Energie; Solar, Hydro, Wind, wo vorhanden Geothermal.

Roman @ 05. Dez 2018 09:24

Das ist pure Angstmacherei. Die Wahrscheinlichkeit, dass von heute auf Morgen kein Rappen mehr in zusätzliche Ölförderung investiert wird, ist gleich 0. Und der ganze Artikel geht genau von dem Szenario aus.

Wird weniger Geld in die Erdölförderung investiert, dann wird es anderweitig im Energiesektor investiert werden z.B. in Windkraft. D.h. auch wenn die Erdölförderung abnimmt, kommt es nicht zu einer Preisexplosion. Dafür sind die erneuerbaren Energien mittlwerweile zu günstig. Im Mobilitätssektor kommt es dann zu der gewünschten Verschiebung in Richtung Elektromobilität.

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