08. Nov 2018

EKZ hat dieses Jahr in Volketswil einen Speicher mit einer Leistung von 18 MW in Betrieb genommen hat. Bild: EKZ

Forum Energiespeicher: Über rasant sinkende Preise, höhere Lebensdauer, Chancen sowie regulatorische Stolpersteine von Stromspeichern

(©AN) „Jede fünfte Photovoltaikanlage auf einem Einfamilienhaus, die wir bauen, wird bereits mit einem Speicher ausgerüstet“, berichtete Michael Koller vom EKZ. Auch wenn dieser im Gegensatz zu den Grossspeichern noch nicht wirtschaftlich sei. Ein Einblick über Chancen und Stolpersteine von Energiespeichern am Roundtable des Forums Energiespeicher Schweiz in Dietikon.


EKZ verfügt über mehr Erfahrung mit Stromspeichern als die meisten Energieversorger in der Schweiz. Bereits 2012 hat sie einen 1.1-MW-Batteriespeicher in Dietikon in Betrieb genommen. (Siehe ee-news.ch vom 25.3.13 >>)

Rund 40 Personen nahmen am 17.10.18 am Speicher-Roundtable in Dietikon teil. „Die Lebensdauer des ersten Batteriespeichers wurde damals von ABB mit fünf Jahren angegeben. Unsere Messungen zeigen, dass er heute immer noch über rund 85 Prozent seiner Kapazität aufweist“, erklärte Michael Koller vom EKZ. Und man gehe davon aus, dass er sicher insgesamt 10 Jahre in Betrieb sein werde. „Mit diesem Pilotprojekt haben wir damals absolutes Neuland betreten, denn wir setzten ihn für den europäischen Primärregelenergie-Markt ein.“ Und es sei ebenfalls die erste eigenständige Batterie in Europa am Regelenergiemarkt ohne Absicherung durch ein konventionelles Kraftwerk gewesen, berichtete Michael Koller, wenn auch nur für wenige Monate.

17 Rp. pro Kilowattstunde bei Grossprojekten
Die Batteriespeicherkosten sinken kontinuierlich, Grossprojekte seien indes deutlich kostengünstiger: 2017 kostete eine Kilowattstunde Speicherkapazität für das Einfamilienhaus CHF 2000, beim Grossspeicher indes nur gerade CHF 800, berichtete Michael Koller. Die Kilowattstunde gespeicherter Strom kostet gemäss seinen Berechnungen im ersten Fall 56 und im zweiten 17 Rp. Der Einfamilienhausbesitzer rechne aber anders. „Der Preisunterschied ist für ihn auch nicht relevant, denn es geht ihm nicht um Wirtschaftlichkeit, sondern um Unabhängigkeit.“ Und mit Strom könne man heute heizen, warm duschen und erst noch Auto fahren. Spannend sei neben der Preisreduktion auch die Reduktion des Volumens: Ein Standardspeichermodul mit einer Kapazität von 8.8 Kilowattstunden habe bis vor kurzem noch ein Volumen von 450 Litern bedeutet: „Heute beträgt das Volumen eines Standard-Speichers mit einer Kapazität von 9.6 Kilowattstunden noch 125 Liter!“

Nicht matchentscheidend für Umsetzung der Energiewende
Ein Grossspeicher könne aus Sicht des Energieversorgers aus verschiedenen Gründen in Erwägung gezogen werden: „Sei es zum Beispiel als Alternative zu einem Netzausbau, für das Lastspitzenmanagement, um über eine Sicherheitsmarge zu verfügen oder wie bei uns für den Primärleistungsbereich“, erklärte Michael Koller. „Was sicher nicht stimmt, ist die Aussage, dass es Batteriespeicher für die Energiewende braucht. Sie können aber einen Beitrag leisten und in gewissen Fällen sind sie heute schon wirtschaftlich.“

Das ist sicher einer der Gründe, warum EKZ dieses Jahr in Volketswil einen Speicher mit einer Leistung von 18 MW in Betrieb genommen hat: „Seine Leistung ist 18-mal grösser als beim ersten Batteriespeicher, seine Kosten sind indes dreimal günstiger: Kostete das 1.1-MW-Projekt noch CHF 2.5 Mio., sind es beim 18-MW-Speicher noch Projektkosten von CHF 6 Mio..“ (Siehe ee-news.ch vom 10.8.17 >>) Die Kosten sind folglich gegenüber 2012 um einen Drittel pro Megawatt gesunken. Und das bei einer Lebensdauer, die sich gegenüber den Systemen von 2012 verdoppelt hat.

EKZ-Grossspeicher 2012 und 2018 im Vergleich

Inbetriebnahme

2012

2018

Kapazität

1.1 MW

18 MW

Systemintegrator

ABB

NEC

Batteriehersteller

LG Chem

LG Chem

Batterietechnologie

Li-Ion

Li-Ion

Lebensdauer

ca. 5 Jahre

10 Jahre garantiert

Projektkosten

ca. 2.5 Mio. CHF

ca. 6 Mio. CHF

Die schnelle Reaktionszeit von Speichern sind ein weiteres Plus der Technologie: „Und die doppelte Flexibilität, sprich, dass die Speicher sowohl geladen und entladen werden können, ist ein wichtiger Faktor: Die Verfügbarkeit ist nicht an die Produktion gekoppelt“, unterstrich Michael Koller.

Doppelte Netzgebühren für Speicher im Fokus
Dr. Simone Walther präsentierte ein Rechtsgutachten zum regulierungsrechtlichen Umgang mit Energiespeichern in der Schweiz, das sie im Auftrag des Forums Energiespeicher Schweiz erstellte hatte. „Ziel des Gutachtens war es insbesondere, das Augenmerk auf die Ungleichbehandlung von Speichern zu legen.“ Denn bei Grossspeichern fallen sowohl beim Laden wie auch beim Entladen Netzgebühren an. „Rein regulatorisch gesehen ist es daher schwierig, die Speicher zuzuordnen“, erklärte Simone Walther. Denn liefert ein Speicher Strom, befindet er sich folglich im freien Markt, speichert er Strom, dann kann dies auch aus netzdienlichen Gründen geschehen. Das Netz indes ist ein Monopolbereich. „Daher ist eine klare Abgrenzung von marktorientierten und netzdienlichen Speichereinsätzen kaum möglich.“

Pumpspeicher zahlen kein Netzentgelt
„Heute sind nur Pumpspeicherkraftwerke vom Netzentgelt ausgenommen“, erklärte die Energieexpertin von Schärer Rechtsanwälte. Bei den Stromspeichern befinden wir uns jedoch in einer regulatorischen Lücke.“ Es gebe heute bereits einige Energieversorger, die in abgelegenen Gebieten netzdienliche Speicher gebaut hätten, um einen Ausbau des Stromnetzes abzuwenden: „Da der netzdienliche Einsatz nicht geregelt ist, ist es jedoch aufgrund der heutigen Gesetzeslage nicht auszuschliessen, dass die Elcom eines Tages hier Netzentgelt einfordern wird.“


Speicher-Roundtable
Das Forum Energiespeicher Schweiz, das von der AEE SUISSE organisiert wird, führt zweimal jährlich Speicher-Roundtables durch. Diese greifen zentrale Fragestellungen rund um das Thema der Energiespeicherung auf und sind als offene Diskussions- und Austauschplattform konzipiert. Ausserdem bieten sie den Teilnehmenden aus Wirtschaft und Wissenschaft eine Gelegenheit zur persönlichen Vernetzung.

Informationen und Anmeldung zum Speicher-Roundtable >>


Dieselgeneratoren im Notfall?
Astrid Benz vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL beleuchtete die dezentrale Notstromversorgung. Von den Tagungsteilnehmern wünschte sie sich Inputs zur Rolle von Batteriespeichern. Das BWL sieht im Notfall jedoch immer noch Dieselnotstromgeneratoren vor. Die Entwicklung der Stromspeichertechnologie scheint am BWL vorbeigegangen zu sein. Tagungsteilnehmer wiesen Astrid Benz darauf hin, dass zum Beispiel eine einfache Umrüstung es möglich mache, eine netzgekoppelte Photovoltaikanlage, etwa auf dem Dach eines Bauernhofs, so auszustatten, dass sie auch Strom ins Hausnetz einspeisen und somit zum Beispiel fürs Melken liefern könne. Die Experten des BWL machten sich dagegen Sorgen darüber, wie die Aufrechterhaltung von Übertragungsnetzen sichergestellt werden könne. Gianni Operto, Präsident der AEE SUISSEm erklärte daraufhin: „Es gibt meines Wissens weltweit keinen Fall – nicht einmal 2011 in Japan –, dass ein Stromnetz längerfristig zusammengebrochen ist. Ausfälle sind immer netz- und nicht versorgungsbedingt. Mit der dezentralen erneuerbaren Stromversorgung ist es wie mit den Bauern: Die haben auch nie Nahrungsprobleme. Mit der dezentralen Stromversorgung werden wir dezentral immer Strom haben.“

Eisspeicher statt Erdsonden
Stefan Brändle von Amstein + Walthert und Bernard Thissen von Energie Solaire aus dem Wallis präsentierten Eisspeicher als Anwendung zur saisonalen Wärmespeicherung anhand eines konkreten Projekts im Aussichtsrestaurant Lägern-Hochwacht. Hier soll ein Eisspeicher in einen überflüssig gewordenen Atomschutzraum eingebaut werden. Als Wärmetauscher sollen die Edelstahl-Solarabsorber von Energie Solaire zum Einsatz kommen. Eisspeicher könnten eine Option sein, wenn zum Beispiel das Verlegen einer Erdsonde nicht möglich sei, erklärten die beiden Referenten. Und Eisspeicher seien in der französischen Schweiz weiter verbreitet als in der Deutschschweiz: So wurde zum Beispiel ein Eisspeicher in der Wohnsiedlung „La Cigale“ in Genf eingebaut. Diese wurde mit einem Schweizer Solarpreis ausgezeichnet. Amstein + Walthert plant übrigens auch einen Eisspeicher für ein Nahwärmenetz.

Zu den Präsentationen des Speicher-Roundtable vom 17.10.18 >>

©Text: Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin und Herausgeberin ee-news.ch

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