08. Okt 2018

Wenn die Schweiz ihren Anteil an das 1.5-Grad-Ziel leisten will, muss sie laut einer Studie des Beratungsunternehmens EBP Schweiz in nur 20 Jahren ganz aus Erdöl, Kohle und Erdgas aussteigen.

Wissenschaft zeigt: Sofortiges Handeln kann Klimachaos verhindern - Schweiz muss CO2-Ausstoss doppelt so schnell senken

(ee-news.ch) Der Weltklimarat IPCC hat die Fakten zum global verbindlichen Klimaziel von maximal 1.5°C Erwärmung präsentiert. Für die Klima-Allianz sind die Schlüsse für die Schweiz klar: a) Das Tempo beim Ausstieg aus den fossilen Energien muss verdoppelt werden, b) heutige Verschmutzer müssen in einen Zukunftsfonds für die künftige Reinigung der Atmosphäre einzahlen und c) der Rückzug von Schweizer Unternehmen aus besonders klimaschädlichen Aktivitäten ist überfällig.


Der neuste Bericht des Uno-Klimarats IPCC zeigt auf, wie sich die globale Klimaerwärmung auf 1.5 Grad beschränken lässt und welche katastrophalen Folgen jenseits davon drohen. Sämtliche Staaten der Welt haben sich mit dem Pariser Klimaabkommen verpflichtet, die globale Erwärmung möglichst nicht über 1.5 Grad steigen zu lassen. Schon der Unterschied zwischen 1.5 Grad und 2 Grad Erwärmung ist riesig. Dazu zwei Beispiele: 0.5 Grad mehr Erwärmung verdoppelt die Anzahl Arten, die wegen dem Klimawandel die Hälfte ihres Lebensraums oder mehr verlieren. Und 0.5 Grad lässt eine zusätzliche Fläche Permafrost schmelzen, die 50 Mal so gross wie die Schweiz ist. Das setzt extrem klimaschädliches Methan frei, das die Erwärmung weiter anheizt.

Die Wissenschaftsgemeinde hat die Fakten zum 1.5-Grad-Ziel des Übereinkommens von Paris für Regierungen und Unternehmen aufgearbeitet. Die drei wichtigsten Erkenntnisse aus Sicht der Klima-Allianz:

  • Das in Paris verabschiedete Ziel, die Erderhitzung auf deutlich unter 2 Grad und möglichst 1.5 Grad zu beschränken, ist zwingend im Gesetz festzuhalten.

  • Die Inlandemissionen müssen bis 2030 um mindestens 50 Prozent reduziert werden. Dafür ist die Reduktion der CO2-Emissionen von heute 2 Prozent auf 4 Prozent pro Jahr zu steigern. Eine Reduktion um lediglich 1 Prozent pro Jahr, wie vom Bundesrat vorgeschlagen, ist ungenügend.

  • Die CO2-Emissionen des Verkehrs müssen endlich deutlich gesenkt werden: Die Schweiz weist aktuell im Vergleich zu den europäischen Ländern eine der allerschlechtesten Automobilflotten auf. Zudem sind Schweizerinnen und Schweizer Vielflieger, weil der Flugverkehr in der Schweiz steuerlich vergünstigt statt klimapolitisch geregelt wird. Hier muss korrigierend eingegriffen werden.

  • Für den Finanzplatz Schweiz braucht es Regeln für den Ausstieg aus der Finanzierung von fossiler Energie. Schweizer Finanzakteure verursachen weltweit mehr als 20 Mal so viele Treibhausgasemissionen wie die Haushalte und Unternehmen in der Schweiz zusammen.

Weg vom Öl in 20 Jahren
Wenn die Schweiz ihren Anteil an das 1.5-Grad-Ziel leisten will, muss sie laut einer Studie des Beratungsunternehmens EBP Schweiz in nur 20 Jahren ganz aus Erdöl, Kohle und Erdgas aussteigen. Dafür müssen wir den Treibhausgas-Ausstoss doppelt so schnell reduzieren wie heute.

Der Bundesrat will aber genau das Gegenteil: Noch langsamer reduzieren statt schneller. Das Parlament kann hier in Kürze korrigieren, wenn die Beratung des neuen CO2-Gesetzes startet. «Das ist unsere Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen und in unserem ureigenen Interesse», sagt Thomas Vellacott. Denn die Schweiz leidet ebenfalls unter Wetterextremen. Zudem bekommt sie als vernetztes Land humanitäre Krisen und wirtschaftliche Abkühlung in anderen Regionen zu spüren.

Forderungen der Klima-Allianz
Die Klima-Allianz fordert das Parlament auf, die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft für die laufende Totalrevision des CO2-Gesetzes zu berücksichtigen.

  • Die Vorschläge des Bundesrates, welche statt einer Beschleunigung eine Verlangsamung des Fossil-Ausstiegs in der Schweiz vorsehen, sind zu korrigieren;
  • die von der Schweiz ausgehenden Finanz-, Handels- und Versicherungsdienstleistungen für weltweite Ausbeutung, Transport und Nutzung fossilen Kohlenstoffs sind zu regulieren und

  • es ist ein Klima-Zukunftsfonds für die Finanzierung der künftig notwendigen Entfernung von Emissionen aus der Atmosphäre aufzusetzen. Ohne einen solchen Fonds bezahlen künftige Generationen statt der heutigen Verschmutzer.

Wer schlimme und unkontrollierbare Klimafolgen für Mensch und Umwelt vermeiden möchte, muss jetzt die Weichen stellen. Für den heute publizierten Bericht haben hunderte der führenden Klimawissenschafterinnen und -wissenschafter über 6000 aktuelle Studien ausgewertet. Ihr Report zeigt klar, dass weitere Verzögerungen grosse gesellschaftliche Kosten verursachen werden.


Negative Emissionen
Fast alle Szenarien im 1.5-Grad Report des IPCC enthalten negative Emissionen, durch eine grossflächige Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre. Eine solche Reinigung der Atmosphäre ist risikoreich und sehr teuer, sofern sie denn funktionieren wird. Darum muss die schnelle Reduktion von Emissionen in allen Lebensbereichen und der Schutz der heute vorhandenen Kohlenstoffspeicher – Wälder, Böden und Ozeane – unsere oberste Priorität sein.

Bei den heute diskutierten Möglichkeiten, um Kohlenstoff aus der Atmosphäre dauerhaft zu entziehen, sehen wir drei Qualitäten von Massnahmen:  

  • Geeignet: Massnahmen für die Aufwertung von Ökosystemen sind zu favorisieren: Dazu gehören die Wiederaufforstung ehemaliger Waldflächen, die Regenerierung von Wäldern und Torfböden sowie die Speicherung von Kohlenstoff in landwirtschaftlichen Böden inklusive eines möglichen Einsatzes nachhaltiger Biokohle.
  • Noch unsicher: Massnahmen für eine direkte Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre und/oder die Nutzung von Bioenergie mit anschliessender Abscheidung und dauerhafter Einlagerung des Kohlenstoffs im Boden könnten dereinst wertvolle Beiträge liefern. Sie müssen aber weiter erforscht werden, um weitreichende negative Folgen auszuschliessen.

  • Ungeeignet: Massnahmen zur grossflächigen Düngung oder Mineralisierung der Ozeane oder auch zur Veränderung von Wolken bewerten wir kritisch, weil nach heutigem Wissen die möglichen Gefahren solcher Geoengineering-Eingriffe den möglichen Nutzen bei weitem übersteigen.

Bericht Global Warming of 1.5°C >>

Text: ee-news.ch / WWF / Klima Allianz

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