08. Aug 2018

Die Initiativen und Verbände fordern die Regierungen von Bund und Ländern zu einem Neuanfang bei der Begutachtung der Sicherheitsprobleme von Tihange 2 und Doel 3 auf. Dabei müssten die Analyseergebnisse der Inrag einbezogen werden.

Belgische Risse-Reaktoren: Bleiben brandgefährlich – RSK-Stellungnahme keine Entwarnung

(BBU) Aus Sicht zahlreicher Initiativen und Verbände gibt es bezüglich der belgischen Risse-Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 keinerlei Grund zur Entwarnung. In einem offenen Brief an die deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze und die MinisterpräsidentInnen von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz stellen sie fest, dass es sich bei der zuletzt von der Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) vorgelegten Stellungnahme um keinen Sicherheitsnachweis handelt.


Die aktuelle Stellungnahme der RSK, so heben die UnterzeichnerInnen hervor, trifft keine Aussage über die Unbedenklichkeit der Risse in den Druckbehältern der Reaktoren. Weiterhin bleiben diesbezüglich zahlreiche Fragen offen. In einer Pressekonferenz am 9. Juli erklärte ein Sprecher des deutschen Bundesumweltministeriums (BMU), dass „die Risse die Sicherheit der Meiler [Tihange 2 und Doel 3] nicht beeinträchtigen“[1]. Ein weiterer hochrangiger Vertreter des BMU wird in den Medien zitiert, die deutsche Bundesregierung sehe nun „keine Handhabe mehr“[2], gegen den Betrieb der umstrittenen Meiler vorzugehen.

Kein allumfassender Sicherheitsnachweis
In einem Hintergrundgespräch mit Angehörigen von Initiativen und Verbänden am 2. August vertraten Vertreter des BMU jedoch die Auffassung, dass die RSK-Stellungnahme kein allumfassender Sicherheitsnachweis sei, sondern eine Plausibilitätsprüfung, bei der mindestens eine Frage offen bleibe. Dass sie trotzdem auf dieser Grundlage die Risse für unbedenklich erklären, ist nicht nachvollziehbar. Das Motto des BMU scheint hier zu sein: Offene Punkte verharmlosen und Reaktoren gesundbeten.

Interessenskonflikt bei Experten
In ihrem offenen Brief weisen die UnterzeichnerInnen im Weiteren darauf hin, dass sich mehrere Mitglieder der RSK und ihrer Ausschüsse aufgrund ihrer Tätigkeit in Unternehmen der Atomindustrie in einem Interessenskonflikt befinden. Diese Befangenheitsprobleme – so kritisieren sie – wurden bislang jedoch von Seiten des deutschen Bundesumweltministeriums nicht angegangen. Offensichtlich besteht hier ein Aufsichtsproblem, was von Seiten des BMU bewusst ignoriert wird – dies zeigte sich auch im Gespräch.

Neuanfang bei Begutachtung gefordert
Die Initiativen und Verbände fordern die Regierungen von Bund und Ländern zu einem Neuanfang bei der Begutachtung der Sicherheitsprobleme von Tihange 2 und Doel 3 auf. Dabei müssen sie die Analyseergebnisse der internationalen ExpertInnengruppe (Inrag) in die Bewertung der Situation einbeziehen und tatsächlich unabhängige WissenschaftlerInnen mit der Begutachtung beauftragen. Unabhängig davon müsse auch die Reaktor-Sicherheitskommission personell neu ausgerichtet werden und so den Befangenheitsproblemen begegnen. Die deutsche Bundesregierung muss sich für die Stilllegung der Atomfabriken in Gronau (Westfalen) und Lingen (Niedersachsen) und damit für den Stopp der Lieferungen von Brennelementen aus Deutschland an die Reaktoren in Belgien einsetzen.

[1] Vgl. Mitschrift der Pressekonferenz der deutschen Bundesregierung vom 9.7.2018 >>
[2] Vgl. Bericht der Aachener Nachrichten vom 9.7.2018 >>

Offener Brief >>

Text: Deutscher Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)

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