13. Jul 2018

Installierte Netzverbundanlagen nach Grössen 2017 ©Bild: Swissolar/BFE, Quelle: Markterhebung Sonnenenergie 2017

Stromproduktion der PV-Anlagen (GWh/a). ©Bild: Swissolar/BFE, Quelle: Markterhebung Sonnenenergie 2017

Verkaufte Photovoltaikmodule (kWp). ©Bild: Swissolar/BFE, Quelle: Markterhebung Sonnenenergie 2017

Tissot-Arena in Biel, grösste Anlage auf einem Fussballstadion. Die Marktsituation für Grossanlagen bleibt schwierig, was auch an der Wartefrist von mindestens 6 Jahren für Neuanmeldungen für die grosse Einmalvergütung liegt. © Schweizer Solarpreis

Installierte Netzverbundanlagen nach Kategorien 2017 (in MWp). ©Bild: Swissolar/BFE, Quelle: Markterhebung Sonnenenergie 2017

Herkunft der Solarmodule (MW). ©Bild: Swissolar/BFE, Quelle: Markterhebung Sonnenenergie 2017

Sonnenenergie-Markterhebung: Mehr grosse Solaranlagen braucht das Land!

(Swissolar) Die heute veröffentlichte Sonnenenergie-Markterhebung für das Jahr 2017 widerspiegelt die schwierige Marktsituation vor Inkrafttreten der Energiestrategie 2050. Besonders augenfällig ist der durch fehlende Förderung bedingte Markteinbruch um fast ein Drittel bei den mittleren und grossen Photovoltaikanlagen gegenüber dem Jahr 2016.


Auch wenn für das laufende Jahr eine Erholung zu erwarten ist, bleibt die Marktsituation für Grossanlagen schwierig. Swissolar fordert deshalb eine Verkürzung der bis zu 6-jährigen Wartefrist für die Einmalvergütung. Ein Lichtblick ist das leichte Wachstum bei der Solarwärme.

Photovoltaik (PV)-Verkaufszahlen sanken um 9%
Heute wurde die von Swissolar durchgeführte und vom BFE (Bundesamt für Energie) plausibilisierte Markterhebung Sonnenenergie 2017 veröffentlicht. Sie betrifft ein Jahr, das wegen der Diskussion über die Energiestrategie 2050 von fehlender Förderung und grosser Unsicherheit und geprägt war. Die Photovoltaik (PV)-Verkaufszahlen sanken gegenüber dem Vorjahr um 9% auf 241 Megawatt, was etwa einer Fläche von 225 Fussballfeldern (ca. 1.5 Mio. m2) neu installierten Modulen) entspricht. Verursacht wurde der Rückgang durch die letztes Jahr fehlende Förderung bei mittleren und grossen Anlagen über 30 kW Leistung (-31%). Besonders dramatisch war die Entwicklung bei Anlagen über 1 Megawatt Leistung (-73%). Die Analyse nach Art der Anlagen zeigte den grössten Rückgang bei Industrie und Gewerbe (-23%) und Landwirtschaft (-33%). In diesen Bereichen existieren viele grosse, bestens geeignete Dächer.

Demgegenüber legte das Marktsegment der PV-Kleinanlagen (unter 30 kW Leistung, ca. 200 m2) um 38% massiv zu. Dies insbesondere bei Anlagen auf Einfamilienhäusern (+28%) und Mehrfamilienhäusern (+14%). Es zeigt sich, dass Photovoltaikanlagen auf neuen Wohnhäusern und bei Sanierungen heute zum Standard gehören. (2017 wurden 9131 PV-Anlagen auf Einfamilienhäusern installiert, während im gleichen Zeitraum rund 7000 neue EFH gebaut wurden.)

Kollektoranlagen zur Nutzung der Solarwärme haben zugelegt
Um 5% leicht zugelegt haben auch Kollektoranlagen zur Nutzung der Solarwärme – zum ersten Mal nach 4 Jahren rückläufigen Marktes. Der Grund dafür ist die wachsende Beliebtheit solcher Anlagen zur Wassererwärmung in Mehrfamilienhäusern (+35% gegenüber Vorjahr, bezogen auf die Fläche).

Es braucht mehr Schub für grosse Photovoltaikanlagen
Swissolar geht für das laufende Jahr von einem leichten Wachstum bei der Photovoltaik aus. Trotz der seit Jahresbeginn für alle Anlagengrössen verfügbaren Einmalvergütung bleibt die Marktsituation für Grossanlagen schwierig. Als Grund ist einerseits die lange Wartefrist für Neuanmeldungen für die grosse Einmalvergütung von mindestens 6 Jahren zu nennen. Swissolar fordert das Bundesamt für Energie auf, diese Frist durch eine Umverteilung der verfügbaren Mittel auf maximal 2 Jahre (wie bei der kleinen Einmalvergütung) abzusenken.

Tiefe Rückliefertarife führen zu kleinen Anlagen
Ein weiterer Grund liegt in den vielerorts sehr tiefen Rückliefertarifen für nicht selbst verwendeten Strom. Diese zwingen Betreiber dazu, ihre Anlagen möglichst klein zu dimensionieren. Die Folge sind die vielerorts bereits sichtbaren (z.B. auf landwirtschaftlichen Bauten) eigenverbrauchsoptimierten Solaranlagen, die nur einen kleinen Teil der verfügbaren Dachfläche nutzen. Dies läuft den Zielen der Energiestrategie 2050 und den Erfordernissen des Pariser Klimaabkommens zuwider und ist auch volkswirtschaftlich unsinnig. Für die Erreichung der Ziele braucht es zwingend einen stärkeren Ausbau der Grossanlagen auf Industrie-, Gewerbe-, Dienstleistungs- und Landwirtschaftsbauten. Swissolar fordert deshalb von den Energieversorgern faire, der Energieverordnung entsprechende Rückliefertarife für Solarstrom.

Die 2017 installierte Anzahl Batteriespeicher verdreifachte sich im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich zu Deutschland werden in der Schweiz jedoch immer noch viermal weniger Batteriespeicher pro Kopf installiert als in Deutschland. Swissolar rechnet mit einer schnell wachsenden Nachfrage aufgrund des Preiszerfalls bei Batterien. Dank optimiertem Eigenverbrauch werden Stromspeicher zusehends wirtschaftlich.

Solarwärme bleibt interessant – die Kantone sind gefordert
Bei der Solarwärme geht Swissolar für 2018 von einem stabilen Markt aus. Positive Effekte sind insbesondere von den laufenden Revisionen der kantonalen Energiegesetze zu erwarten. Diese sehen vor, dass bei Heizungssanierungen mindestens 10% der benötigten Energie mit erneuerbaren Energien abgedeckt werden muss. Sonnenkollektoren in Kombination mit fossilen Heizungen sind dafür besonders geeignet. Es ist jedoch von zentraler Bedeutung, dass die Kantone diese bis 2020 fälligen Revisionen nun ohne weitere Verzögerungen anpacken.

Markterhebung Sonnenenergie 2017 >>

Text: Swissolar

1 Kommentare
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georg hanselmann @ 13. Jul 2018 09:04

Ja, so ist es wenn die grossen E-Werke ihren sogenannten Besitz (Kleinkunde ) an ihren Leinen halten und sie mit unhaltbaren Mindest-Einspeise-Tarifen (gleich Kartell der E-Werke) halten und der Bundesrat da noch mitmischt und nichts dagegen unternimmt.
Wir sind nicht mehr weit weg von einer Kartell-Wirtschaft:
Der Mächtige bestimmt und der KLeine bezahlt. Manchmal staune ich schon, über das Parlament, das solches zulässt.

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