06. Jul 2018

Katja Tschakert: „Gestern war der längste Tag im Jahr und der Sion stand den ganzen Tag komplett in der Sonne, da haben wir ausgerechnet, dass er Strom für eine Reichweite von rund 33 Kilometern produziert hat.“

Sion: Das Elektroauto – nicht aus dem Wallis! - mit direktem Solarbetrieb soll auch geteilt werden

(AN) Sono Motors, das junge Unternehmen aus Deutschland, entwickelt derzeit das Elektroauto Sion mit integrierten Solarzellen, das ab 2020 vom Band rollen soll. „Am 21. Juni hat das Auto hier in München Strom für 33 Kilometer getankt!“, freut sich Katja Tschakert, Director Business Development von Sono Motors. Ein Gespräch am Rande der Power2Drive Europe am 22.6.18. in München.


Was unterscheidet denn den Sion vom Tesla?

Wir haben einfach einen ganz anderen Fokus als Tesla. Unser Fahrzeug gehört nicht zum Hochpreissegment, sondern ist ein Auto für jedermann, das sich in erster Linie im Preis vom Tesla unterscheidet. Zudem wird man mit unserer Batterie bidirektional laden können, was bei einem Tesla auch nicht möglich ist. Und wir wollen ein alltagstaugliches Auto bauen, das auch Mobilitätsdienstleistungen integriert. Das ist uns ganz wichtig, weil wir möchten, dass die Leute ihre Autos auch teilen: Fahrten teilen, Auto teilen und auch Energie teilen.

Wie soll das Teilen denn stattfinden?
Das wird über unsere im Fahrzeug und über die goSono-App möglich sein. Wir stellen uns vor, dass man sein Fahrzeug dort anmeldet und es darüber auch vermietet oder teilt.

Also ist Sono Motors wahrscheinlich weltweit der einzige Fahrzeughersteller, der nicht möglichst viele Autos verkaufen will?
Das kann man polemisch vielleicht so ausdrücken. Aber neben gut funktionierenden Mobilitätskonzepten sind wir doch auch daran interessiert, dass eine bestimmte Anzahl unserer Autos auf die Strasse kommt. Trotzdem sind wir tatsächlich der Ansicht, dass es insgesamt effektiv weniger Fahrzeuge geben und die vorhandenen auch intelligenter genutzt werden sollten. 23 Stunden täglich stehen Fahrzeuge durchschnittlich herum und werden nicht benutzt. Das ist doch einfach eine Fehlallokation von Ressourcen und muss nicht sein!

Was alles am Sion ist made in Germany?
Zunächst einmal die gesamte Entwicklung. Ausserdem haben wir zur Fertigung eines Batteriesystem einen Grossauftrag an den deutschen Hersteller Elring Klinger vergeben. Bei der Entscheidung zugunsten eines inländischen Standortes für die Produktion des Batteriespeichers spielen für uns vor allem der Klimaschutz und die Arbeitsbedingungen eine Hauptrolle. Ansonsten fahren wir eine Carry over part-Strategie, sprich wir verbauen in unserem Auto Produkte, die schon auf dem Markt verfügbar sind.

Wie viele Kilometer legt den ein Privatauto in Deutschland durchschnittlich zurück?
Das sind nur 16,2 Kilometer pro Fahrt. Die Zahl ist vor allem daher beeindruckend, weil sich die Leute ja vor der anscheinend zu kleinen Reichweite von E-Autos fürchten …

Wie viele Kilometer kann den ein Sion tatsächlich zurücklegen, wenn er allein von den Photovoltaikzellen der Karosserie gespiesen wird?
Die installierte Leistung pro Sion beträgt ca. 1.3 Kilowatt. Gestern war der längste Tag im Jahr und der Sion stand den ganzen Tag komplett in der Sonne, da haben wir ausgerechnet, dass er Strom für eine Reichweite von rund 33 Kilometern produziert hat.

Wäre er gestern gestanden und hätten Sie heute eine durchschnittliche Fahrt machen wollen …
Dann hätte das absolut ausgereicht, hin und zurück!

Also reicht der Sonnenstrom ab und zu auch einmal für 100 % einer Fahrt?
Absolut! Und das sogar bei sehr viel mehr Fahrten, als man sich das vorstellt, wenn man beachtet, dass die meisten Menschen gar nicht so weit fahren, zum Beispiel zur Arbeit und zurück. Das sind oft nicht so riesige Distanzen. Und in einem solchen Fall kann man im Sommer schon sagen, dass der Sion über die Sonne geladen werden kann. Damit ist man schon deutlich unabhängiger von Ladeinfrstruktur.

Gibt es Menschen, die sich keinen Sion kaufen sollten?
Alle sollten sich einen Sion kaufen! Alle, die Lust haben auf ein tolles Gesamtkonzept und geteilte Mobilität. Alle, die weg wollen von grossen Automobilherstellern, die sowohl im ökologischen Bereich als auch im ethischen Sinne viele Dinge nicht gut machen. Die, die unsere ersten Autos bestellt haben, werden das Konzept des Teilens vorleben. Wenn’s dann praktikabel ist und gut funktioniert, werden‘s immer mehr Leute nutzen wollen!

Was sind die irrwitzigsten Vorurteile, gegen die Sono Motors ankämpfen musste?
Einerseits dachten ganz viele, dass wir nur 5000 Fahrzeuge herstellen werden. Andere wiederum glaubten, dass wir erst ins Geschäft einsteigen werden, wenn wir 5000 Bestellungen vorliegen haben. Viele glauben, die Solarzellen seien nur ein Gag, das gleiche gilt für das Moos. Wenn wir Ihnen dann erzählen, was es damit auf sich hat, reagieren die meisten positiv überrascht.

Die Menschen, die den Sion bestellt haben, sind aber schon solche, die sich A) mit Elektromobilität auseinander gesetzt haben und B) auch ein Auto made in Germany möchten?
Grundsätzlich stimmt das; die technische Expertise innerhalb unserer Community ist beachtlich. Für viele ist es zudem der Erstwagen, was auch sehr aufschlussreich ist. Und für viele ist das Thema Eigenverbrauch von Solarstrom wichtig,enn viele der Menschen, die den Sion bereits bestellt haben, sind auch Solaranlagenbesitzer. Und last but not least sind viele einfach von unserem Gesamtkonzept begeistert, das sie sonst noch nirgends gefunden haben.

2020 sollen die ersten vom Band rollen, Kostenpunkt sportliche 16'000 Euro. Mit oder ohne Batterie?
Exklusive Batterie. Das liegt daran, dass die Batteriepreise noch sehr volatil waren, als wir den Preis für den Sion ermittelt haben, sie sind es zum Teil ja heute noch. Dank unserer Preisstrategie können wir allen, die bereits ein Auto reserviert haben, später den besten Preis für die Batterie weitergeben. Wir denken auch über Leasingkonzepte nach oder darüber, ob die Batterien nur gemietet werden können.

Spannend, viel Glück!


Weitere Standgespräche von der Smarter E, Intersolar Europe, EES, Power2Drive und EM-Power:



©Interview: Anita Niederhäusern, Herausgeberin und leitende Redaktorin ee-news.ch

4 Kommentare
> alle lesen
A.Hengartner @ 22. Okt 2018 20:07

Wenn Batterien nur gemietet werden können, dann habe ich kein Interesse mehr!!
Es wurde immer gesagt, dass die Batterien gemietet oder gekauft werden können für 4000.-

Epicur @ 07. Jul 2018 08:52

Das sind eine ganze Menge negative Behauptungen, gibt es dafür irgendwelche Quellen oder ist das nur eine Meinung?

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