07. Apr 2018

Die HeroEasy Module ersetzen gewöhnliche Dachziegel und versorgen das Haus mit Energie. Fotomontage: Logic Group

Windkraft, Thermik, Solarthermie und Photovoltaik werden von den neuen HeroEasy Dachmodulen genutzt. Bild: Logic Group

VR-Präsident Romeo Maggi, Logic Group AG: «Unser Ziel war es, Häuser in der Energieversorgung autark und unabhängig zu machen.» ©Bild: T. Rütti

Forscher Heiko Schwertner, Logic Group AG: «Die Module Hero Easy werden im Idealfall 78‘400 kWh pro Einfamilienhaus und Jahr zu produzieren.» ©Bild: T. Rütti

Vincent Eckert, Geschäftsführer der Klimastiftung Schweiz: «Wir unterstützt als Stiftung der Wirtschaft kleine und mittlere Unternehmen bei ihrem Engagement für den Klimaschutz.» ©Bild: T. Rütti

Mini-Kraftwerke auf dem Hausdach: Wind- und Solarenergie dank multifunktionalen Dachziegeln nutzen

(©TR) Multifunktionale Dach-Module können bei der Energiegewinnung die Funktion von kleinen Kraftwerken übernehmen – Windkraft, Photovoltaik und Solarthermie auf kleinstem Raum vereint. Die ersten mit «Mini-Kraftwerken auf dem Hausdach» bestückten Einfamilienhäuser sollen ab Herbst einen grossen Teil ihres Energiebedarf decken.

Im luzernischen Horw auf dem Areal der Hochschule Luzern wurde den Medien am 5. April 2018 ein Musterdach präsentiert, auf welches neuartige Module mit der Bezeichnung HeroEasy montiert wurden. «Das weltweit erste und einzige kompakte Energiemodul, das eine autonome und dezentrale Energieversorgung ermöglicht», so der Slogan. Gelungen sei «eine Kombination von markterprobten und etablierten Technologien». Finanziell unterstützt wird das Vorhaben  der Zuger Firma Logic Group AG von der Klimastiftung Schweiz.

Strömungskanäle der Module wirken kühlend
Bei der Photovoltaik wurde auf die neuste Generation von Zellen gesetzt, um eine hohe Leistungsfähigkeit garantieren zu können. Bezüglich der Windenergienutzung hiess es: «Strömungsoptimierte Einlässe potenzieren die eingehende Luft und erlauben den Antrieb von kleinen Propellern, die effizient und effektiv Energie produzieren.» Die Strömungskanäle der Module wirkten kühlend auf die Solarzelleunterseite und sorgten erst noch für eine optimale Isolierung. Betreffend Sonnenenergie und Wärmegewinnung war zu erfahren: «Als Abstrahlung der spiegelnden Fläche sowie als Folge direkter Einstrahlung erhitzt eine sogenannte Heatpipe ein integriertes Verbundsystem, welches am Ende in verschiedener Weise genutzt werden kann.» Zur Thermik und zu den kleinen Windturbinen in den Modulen sagten die Vertreter der Zuger Firma Logic Group AG: «Eine spezielle Dachkonstruktion ermöglicht es, thermische Energie mit dem Modul zu erfassen und über die Windräder energetisch zu nutzen.»

Veranschaulicht wird dies im folgenden Video:

«Revolution auf dem Hausdach»
Hinter der Entwicklung der Hero Easy-Elemente stehen namentlich VR-Präsident Romeo Maggi, Forscher und VR-Delegierter Heiko Schwertner sowie VR-Mitglied Stefan Gübeli. «Unser Ziel war es, Häuser in der Energieversorgung autark und unabhängig zu machen», erklärte Maggi. Während drei Jahren habe man an der Optimierung dieser Module gearbeitet und alles daran gesetzt, «die Revolution auf dem Hausdach sowohl energetisch als auch finanziell attraktiv» zu gestalten. Die Rede ist hier von einer Investition von rund 50‘000 Franken pro Einfamilienhaus. «Es ist uns gelungen, Windkraft, Photovoltaik und Solarthermie in einem kompakten Modul zu vereinen und so eine unglaubliche Energiegewinnung zu erreichen», verkündete Betriebsökonom Maggi anlässlich der Einweihung des Musterdachs in Horw.

Den wesentlichen Teil des Energiebedarfs decken

Das System HeroEasy soll eine «tages- und jahreszeitenoptimierte Energiegenerierung» gewährleisten. Laut Logic Group AG «ersetzt es herkömmliche Dachziegel, ist umweltfreundlich, sauber sowie kosteneffizient». Eine Baubewilligung ist für die Installation vonnöten, da die «Ziegel» veritable Module sind, die man mit Lego-Steinen vergleichen könnte. Geboten werde «ein optisch einheitliches Dachbild». Kurz: Die «Dachziegel der Zukunft» sollen mehr bieten als bloss ein Haus zu schützen: Sie sollen aus den Umweltkräften, denen sie 24 Stunden am Tag ausgesetzt sind, Energie gewinnen. Die kleinen Windturbinen und die Solaranlagen erzeugten ausreichend Strom und Wärme, um immerhin «den wesentlichen Teil des Energiebedarfs eines Einfamilienhauses selbst zu decken». Die Module Hero Easy seien in der Lage, im Idealfall über 75‘000 kWh pro Einfamilienhaus und Jahr zu produzieren, hiess es, je rund zur Hälfte elektrische und thermische Energie.

Später
e Adaption an die Entwicklung ist vorgesehen
Das System wurde laut Forscher Heiko Schwertner modular konzipiert, um später eine einfachere Adaption an die noch zu erwartenden Entwicklung zu ermöglichen. Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt von der Hochschule Luzern, die in Horw mit der Institution Technik & Architektur präsent ist. «In den kommenden Monaten werden wir das System aufgrund der Testergebnisse entsprechend verbessern», so Dr. Schwertner. Bei der Markteinführung wird die Logic Group AG mit der Ziegelei AGZ in Gettnau (LU) zusammenarbeiten. Der «ideale Dachunterbau» soll gemeinsam entwickelt werden, so Philippe Fischer von den AGZ. Die traditionelle Tonziegelproduktion wird also fortan um «zukunftsweisende Mini-Kraftwerke fürs Hausdach» erweitert. Dies, nachdem in der Schweiz geneigte Dächer oder Steildächer seit dem Mittelalter mit gebrannten Tonziegeln bestückt werden. Geplant ist, die ersten Module ab diesem Herbst auf die Dächer der Kunden und Hausbesitzer montieren zu können.

Die Fördersumme beträgt 200‘000 Franken

Die Klimastiftung Schweiz unterstützt die Firma Logic Group AG bei der Entwicklung der neuartigen Modul-Ziegel. Die gesamte Fördersumme beträgt 200‘000 Franken. «Für einen effektiven Klimaschutz sind nun mal innovative Lösungen gefragt. Das Projekt HeroEasy zeigt, dass zwischen Klimaschutz und Wirtschaft sehr effektive Synergien entstehen können», so Vincent Eckert, Geschäftsführer der Klimastiftung Schweiz.

©Text: Toni Rütti, Redaktor ee-news.ch

3 Kommentare
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Redaktion ee-news.ch @ 13. Apr 2018 15:13

Wir haben es abgeklärt - und werden das im Text auch noch nachführen: rund 50% elektrische und 50% thermische Energie.

Redaktion ee-news.ch @ 12. Apr 2018 09:16

Ich war leider nicht selber am Presseanlass, werde aber in den nächsten Tagen versuchen das raus zu finden. Würde mich indes erstaunen, wenn alles elektrische Energie ist ...
Anita Niederhäusern

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