12. Feb 2018

Der ungebremste Zubau von Kohlekraftwerken wird das weltweite CO2-Budget, um wie im Paris-Abkommen vereinbart die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius zu begrenzen, nahezu aufbrauchen.

MCC-Studie: Untergang der Kohle zu früh ausgerufen

(PM) Der Rückgang neuer Kohlekraftwerke in China und Indien wird durch den geplanten Zubau in schnell wachsenden Schwellenländern wie etwa der Türkei, Indonesien und Vietnam teilweise zunichte gemacht. Nur wenn die Staaten der Welt diesem Trend aktiv entgegen wirken, können sie die im Pariser Abkommen vereinbarten Klimaziele erreichen. Das sind Ergebnisse der Studie „Reports of coal’s terminal decline may be exaggerated“. Wissenschaftler des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben sie in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters veröffentlicht.


„Das Kohleproblem erledigt sich trotz aller Fortschritte bei den erneuerbaren Energien keinesfalls von selbst. Wenn die internationale Gemeinschaft ihre Ziele zur Reduktion des Ausstosses von Treibhausgasen erreichen will, um die grössten Klimarisiken noch zu vermeiden, dann muss sie entschlossen handeln“, sagt MCC-Direktor Ottmar Edenhofer, der auch PIK-Chefökonom ist. „Nötig wäre ein Kohleausstieg, und zwar weltweit. Das beste Mittel hierfür ist aus ökonomischer Sicht eine substanzielle Bepreisung von CO2. Diese kann von einem Land zum anderen unterschiedlich aussehen, aber eine Koalition von Pionieren müsste den Anfang machen – noch in diesem Jahrzehnt.“

Total 160 GW in Türkei, Indonesien und Vietnam
China und Indien haben im Laufe des Jahres 2016 jeweils über 50 Prozent ihrer Pläne für neue Kraftwerke zurückgenommen. Doch global gesehen steigt die Zahl der Kohlekraftwerke weiter an. So haben zum Beispiel die Türkei, Indonesien und Vietnam vor, zusammengenommen ihre Kapazität um circa 160 Gigawatt zu erhöhen. Das würde etwa der Leistung aller bereits bestehenden Kohlekraftwerke in den 28 EU-Staaten entsprechen.

Hinzu kommt, dass im Jahr 2016 andere Länder ihre Zubaupläne massiv erhöht haben, zum Beispiel Ägypten um fast 800 und Pakistan um 100 Prozent. Diese Entwicklungen gefährden die nationalen Selbstverpflichtungen der Länder zum Klimaschutz (NDCs): Sie würden bedeuten, dass sich der CO2-Ausstoss aus Kohlekraftwerken von 2012 auf 2030 beispielsweise in Vietnam fast verzehnfachen und in der Türkei fast vervierfachen würde.

China Höhepunkt seiner CO2-Emissionen überschritten
„Zwar hat China jüngst weniger auf Kohle gesetzt und vielleicht sogar den Höhepunkt seiner CO2-Emissionen überschritten“ sagt Edenhofer. „Das hat zu Recht starke Beachtung gefunden – doch der Untergang der Kohle wurde zu früh ausgerufen: Neuste Daten zeigen auch, dass China zunehmend in Kohlekraftwerke im Ausland investiert.“

Der ungebremste Zubau von Kohlekraftwerken wird das weltweite CO2-Budget, um wie im Paris-Abkommen vereinbart die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius zu begrenzen, nahezu aufbrauchen. Wenn die Welt mit hoher Wahrscheinlichkeit unterhalb dieser Grenze bleiben will, kann sie laut Weltklimarat IPCC nur noch circa 700 bis 800 Gigatonnen (Gt) CO2 in die Atmosphäre ausstossen.

Doch die bestehende Infrastruktur, etwa Kraftwerke und Gebäude, emittiert über ihre lange Lebensdauer von vielen Jahren bereits etwa 500 Gt. Mit den aktuell im Bau befindlichen und den zusätzlich geplanten Kohlekraftwerken kämen 150 Gt hinzu. Weitere Emissionen wie die aus dem Wachstum beim Verkehr oder der Landwirtschaft würden das Gesamtbudget dann übersteigen. Die Wissenschaftler bauen ihre Untersuchung auf Daten der US-amerikanischen Organisation CoalSwarm und der Internationalen Energieagentur (IEA) auf und haben sie durch eigene Forschungen weitergeführt.

Erneuerbare können sich noch nicht flächendeckend mit Kohle messen
„Obwohl die Kosten bei den Erneuerbaren Energien zuletzt gefallen sind, können sie sich noch nicht flächendeckend mit der billigen Kohle messen“, sagt Jan Steckel, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Klimaschutz und Entwicklung. „Die Finanzierungskosten für die Erneuerbaren in Entwicklungs- und Schwellenländern stagnieren auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Damit es hier zu höheren Investitionen kommt, müssten die Kapitalkosten durch kluge Finanzpolitik wie etwa den Einsatz von Kreditausfallversicherungen sinken.“

Die Wissenschaftler zeigen Lösungen für einen globalen Kohleausstieg auf. Denkbar wären demnach ein Fahrplan zur Schliessung von Kohleminen, strengere Kraftwerksvorschriften und weltweit steigende CO2-Preise, kombiniert mit dem Einsatz der Einnahmen aus der Bepreisung in den sozial gerechten Umbau der Steuersysteme oder den Ausbau von gesellschaftlich notwendiger Infrastruktur. 

Weitere Informationen
Edenhofer, Ottmar; Steckel, Jan Christoph; Jakob, Michael; Bertram, Christoph (2018): Reports of coal’s terminal decline may be exaggerated. Environmental Research Letters >>

Text: Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC)

0 Kommentare

Kommentar hinzufügen

Partner

  • Agentur Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Job-Plattform

Suchen Sie einen Mitarbeitenden 
oder eine Stelle? 
Bei uns sind Sie richtig!

Hier geht's weiter >>

Aktuelle Jobs

Projektentwickler/-in PV mit Akquisitionsflair (70-100%)

Wir begleiten als neutraler Bauherrenvertreter grössere Immobilienbesitzer (wiePensionskassen, Immobilienfonds und Gemeinden) bei der Planung, der Umsetzung und dem Betrieb v...

Ist Ihr Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien oder Energieeffizienz tätig? Dann senden sie ein e-Mail an info@ee-news.ch mit Name, Adresse, Tätigkeitsfeld und Mail, dann nehmen wir Sie gerne ins Firmenverzeichnis auf.

Newsletter abonnieren

Follow us

In order to provide the best quality for you, our system uses "cookies", which are stored on your device. Cookies are necessary to identify what information (job advertisement, questionnaire, etc) you have already seen. IP address is used for the same purposes as described above.

When creating a profile, applying to the newsletter, job subscriptions and etc, you agree that the data, which you have entered, will be stored and processed in the system in order to provide services, which you have applied for.

We do NOT sell your personal data to any 3rd party services.

You must be 18 or older years old to use our services. If you are underage, you must have a permission to use our services from your parent or guardian. It is necessary in order to store and process your data.

By continuing to use our services, you agree with the these terms. You can withdraw your agreement at any time, by deleting cookies from your device and by sending request for deleting your data to the administrator.

Close