24. Okt 2017

Die Ergebnisse des Berichts zeigen, dass die Investitionen heute im Durchschnitt in den meisten Sektoren eher eine 4-6°C-Erwärmung unterstützen, was weitgehend dem Weltmarkt entspricht. Bild: BAFU

BAFU: Erster Schritt in Richtung klimaverträgliche Finanzflüsse

(BAFU)  Im Kontext des Klimaübereinkommens von Paris haben das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) Schweizer Pensionskassen und Versicherungen dazu eingeladen, die Klimaverträglichkeit ihrer Portfolien testen zu lassen. Das Angebot stiess auf breites Interesse. Die Schweizer Finanzbranche ist noch zu wenig auf klimafreundliche Investitionen ausgerichtet. Die Überprüfung der Klimaverträglichkeit kann zu einer Neuausrichtung beitragen. (Texte en françaissur le site de l’OFEV >>)


Am 6. Oktober 2017 hat die Schweiz das Übereinkommen von Paris ratifiziert. Als Vertragspartei bekennt sie sich dazu, auch die Finanzflüsse auf das Ziel, die Klimaerwärmung auf deutlich unter zwei Grad gegenüber vorindustrieller Zeit zu begrenzen, auszurichten. Der Bundesrat zählt dabei auf freiwillige Massnahmen der Finanzbranche und hat als Reaktion auf verschiedene Anfragen aus dem Parlament in Aussicht gestellt, auf international vergleichbare Messmethoden hinzuwirken und so die Kosten für Finanzinstitute, institutionelle und private Investoren zu senken. In diesen Kontext reihen sich auch die Klimaverträglichkeitstests ein, die das BAFU und das SIF initiiert haben: Ab April 2017 konnten alle Schweizer Pensionskassen und Versicherungen freiwillig, anonym und kostenlos ihre Portfolien aus Aktien und Unternehmensobligationen auf ihre Kompatibilität mit dem 2°C-Ziel testen lassen. 79 Pensionskassen und Versicherungen, die insgesamt rund zwei Drittel der Vermögen verwalten, sind dieser Einladung gefolgt. Die Tests wurden vom unabhängigen Think Tank 2°Investing Initiative durchgeführt. 

Weit vom Zielpfad entfernt, aber positive Entwicklung sichtbar
Untersucht wurde, inwieweit in den vier Sektoren Förderung fossiler Energien, Stromerzeugung, Transport und Industrie (vgl. Kasten) die Pläne der Unternehmen, in die investiert wurde, mit einer klimaverträglichen Emissionsentwicklung übereinstimmen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Investitionen heute im Durchschnitt in den meisten Sektoren eher eine 4-6°C-Erwärmung unterstützen, was weitgehend dem Weltmarkt entspricht. Es gibt jedoch grosse Unterschiede zwischen den getesteten Portfolien. Einige sind bereits ganzheitlich klimaverträglich, andere zumindest in ausgewählten Sektoren. Hingegen hinken die Investitionen der Schweizer Pensionskassen und Versicherungen im Durchschnitt beispielsweise beim Ausbau der erneuerbaren Energien dem Weltmarkt hinterher. Bei der Öl- und Gasförderung widerspiegeln die getesteten Portfolien den Weltmarkt, der von einer weltweiten Spitze im Jahr 2020 ausgeht.

Test als Ausgangspunkt für bewusste Klimastrategien
Mit ihren individuellen Testberichten erhalten alle Teilnehmenden eine Grundlage, um sich künftig besser in Richtung 2°C-Ziel zu orientieren, wenn sie dies wünschen. Die Investitionsentscheide von Schweizer Finanzmarktakteuren können einerseits Einfluss auf die zukünftigen Treibhausgasemissionen haben. Andererseits könnten mit dem Klimawandel potenzielle Risiken für den Finanzmarkt verbunden sein - der vorliegende Test bewertet diese zwar nicht quantitativ, schärft aber das Bewusstsein für sie. Gelingt ein sanfter Übergang zu einer klimaverträglichen Weltwirtschaft nicht, könnten in bestimmten Sektoren erhebliche Verluste eintreten, weil Produktions- und Investitionspläne später unvermittelt angepasst werden müssen. Um solche Risiken frühzeitig zu erkennen, empfiehlt eine von der Industrie geleitete und vom internationalen Finanzstabilitätsrat eingesetzte Expertengruppe, 2°C-Szenarioanalysen durchzuführen. Mit den Klimaverträglichkeitstests haben viele Schweizer Versicherungen und Pensionskassen diese Empfehlung nun bereits umgesetzt.

CO2-Fussabdruck versus 2°C-Szenarioanalyse von Finanzportfolien
2015 hat das BAFU die indirekte Klimawirkung des Schweizer Aktienfondsmarktes mit der Methodik des CO2-Fussabdrucks untersuchen lassen (Studie „Kohlenstoffrisiken für den Finanzplatz Schweiz“). Dabei wurden den Investoren die CO2-Emissionen entsprechend ihrer Unternehmensanteile zugerechnet. Klimafreundliche Alternativen wurden nicht betrachtet. Die Analyse beruhte auf zurückliegenden Emissionsdaten und war für zukunftsgerichtete Fragen nur bedingt geeignet.

Die Klimaverträglichkeitstests basieren dagegen auf 2°C-Szenarien. Dabei werden die Produktionspläne der in den Portfolien enthaltenen Firmen mit einer Entwicklung verglichen, die gemäss Internationaler Energieagentur IEA für das 2°C-Ziel nötig ist. Die Analyse umfasst die vier Sektoren Förderung fossiler Energien, Stromerzeugung, Transport (Automobilproduktion, Schifffahrt und Flugverkehr) sowie Industrie (Zement und Stahl), für welche klimaschädigende wie auch alternative, klimaverträgliche Technologien untersucht werden.

Text: Bundesamt für Umwelt BAFU

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