05. Okt 2017

Am CSEM in Neuenburg entwickelt: Die terrakottafarbenen Glas-Glas-Module mit PERC-Solarzellen ermöglichen neue Gestaltungsmöglichkeiten insbesondere für denkmalgeschützte Bauten. Bild: CSEM

Von Solstis installiert: Die neuen rund 50 mal 150 cm grossen Module von Issolar. ©Bild: CSEM

Laut Issol sind auf Wunsch auch andere Masse erhältlich. Im Bild ein Zuschneideschema für Massanfertigungen. Bild: Issol

Premiere: Schweizer Entwicklung Solar-Terra bringt Photovoltaik und Denkmalschutz zusammen

(AN) Das ziegelrote Photovoltaikdach im denkmalgeschützten freiburgischen Dorf Ecuvillens ist eine Premiere: Die Vordergläser der Glas-Glas-Silizium-Module wurden mit Siebdruck terrakottafarben eingefärbt, so dass sich auch der Denkmalschutz über das Photovoltaikdach des 1859 erbauten Bauernhauses freut. (Texte en français >>)


Wenn alle am selben Strick ziehen, dann können auch hochgesteckte Ziele erreicht werden: Mit dem 26.55 kW Photovoltaikdach auf dem denkmalgeschützen Bauernhaus in Ecuvillens wurde am 2. Oktober 2017 ein in der Schweiz entwickeltes Produkt der Presse vorgestellt, das der Photovoltaik im Bereich Denkmalschutz ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Auf der praktischen Seite haben das Forschungszentrum CSEM aus Neuenburg, der belgische Modulhersteller Issol, der auch eine Niederlassung in der Schweiz hat, sowie der Photovoltaikspezialist Solstis aus Lausanne, der die Anlage montiert hat, zusammengearbeitet. Und natürlich brauchte es auch den engagierten Landwirten Alexandre Galley: „Ich habe bereits auf meinem neuen Betriebsgebäude ausserhalb des Dorfes eine Photovoltaikanlage, nun bin ich sehr stolz, dass auch das Dach unseres denkmalgeschützten Bauernhauses Solarstrom produziert“, erklärt er. Die Anlage auf seiner Scheune befinde sich allerdings leider noch auf der KEV-Warteliste.

Auf der Behördenseite sind es der Kanton Freiburg mit dem Amt für Energie, dessen Vorsteher Pascal Boschung eine entscheidende Rolle gespielt hat, sowie das Amt für Kulturgüter, die mit im Boot sassen. Ebenfalls dabei war das Bundesamt für Energie.

Hohe ästhetische Qualität
„Photovoltaik ist weltweit auf dem Vormarsch“, erinnerte Christophe Ballif, Direktor des CSEM. „In Indien wurde aufgrund der neuen kostengünstigen Möglichkeiten von Photovoltaik sogar ein Moratorium für neue Kohlekraftwerke verfügt!“ In Indien würden jedoch riesige Freiflächenkraftwerke gebaut. „In der Schweiz wird die Ästhetik hoch gehalten. Das ist auch gut so, denn wir sind ein kleines Land und haben auf unseren Dächern genug Platz. Mit Solar-Terra haben wir jetzt auch für denkmalgeschützte Häuser oder Gebäudebesitzer, die eine hohe ästhetische Qualität wünschen, ein schönes Produkt zur Hand“, freut sich Christophe Ballif.

Dachhaut, Ästhetik und Stromproduktion
„Die Farbe der Module ist absichtlich kein frisches Terrakotta, sondern enthält auch noch etwas schwarz, um den Alterungsprozess von Ziegeln nachzuahmen. Denn auch Ziegel auf einem Dach sind ja nur zu Beginn leuchtend rot“, erklärte Laurent Quittre, Präsident des Verwaltungsrats von Issol Schweiz. „Wir wollen mit Solar-Terra einen Nischenmarkt bedienen“, fügt er an. In erster Linie sei das neue Produkt eine wetterfeste und ästhetische Dachhaut, die darüber hinaus auch noch Strom produziert. Das Frontglas wurde übrigens entspiegelt, um störende Effekte zu verhindern.

Die Leistung der mit PERC-Silizium-Zellen ausgestatteten Module beträgt 120 Watt/m2. Sie sind ohne Rahmen in den Massen 51.0cm x 148.1 cm erhältlich, mit Rahmen betragen die Masse 54.2 cm x 153 cm. Laut Issol sind auf Wunsch auch andere Masse erhältlich. Zudem sind für Randzonen auch sogenannte Dummy-Module verfügbar.

Möglichst zeitgleiche Produktion und Verbrauch
„Mit 400 Franken pro Quadratmeter sind die Module gleich teuer wie herkömmliche Module“, erklärte Laurent Quittre. Auf den Vergleich mit gewöhnlichen Modulen angesprochen antwortete Pascal Affolter von Solstis: „Aufgrund des tieferen Wirkungsgrads lassen sie sich nicht direkt mit herkömmlichen Modulen vergleichen. Und es handelt sich um ein Produkt, das vor allem bei edlen Projekten eingesetzt wird.“ In seiner Pressemeldung erwähnt das CSEM einen Wirkungsgradverlust von 20 %, mehrere am Medienanlass befragte Spezialisten sprachen dagegen von 30 bis 40 %. Da die Module ihre Energie auf einem bestehenden Dach aus dem eh vorhandenen Sonnenlicht ziehen, zielt diese Diskussion allerdings in eine falsche Richtung. Denn eine zukunftsfähige Energieversorgung muss auf eine möglichst hohe Zeitgleichheit von Produktion und Verbrauch abzielen, was wiederum Einsparungen im Speicher- und Netzbereich ermöglicht. Das Süddach der Familie Galley in Ecuvillens erzeugt fortan jährlich Strom für 8 Familien. Vor seiner Sanierung erzeugte es dagegen keine einzige Kilowattstunde.

Das Produkt Solar-Terra wird in der Schweiz von Ernst Schweizer AG und Solstis vertrieben.

Weitere Informationen zum Produkt auf der Homepage von Issolar Solar-Terra auf Englisch >> oder auf Franzöisch >>

©Text: Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin ee-news.ch

1 Kommentare
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Max Blatter @ 06. Okt 2017 09:56

Ich denke nicht, dass "diese Diskussion" (betreffend Wirkungsgradverlust) "in eine falsche Richtung zielt". Klar ist der Wirkungsgrad nur eines von vielen, teilweise zugegebenermassen wichtigeren Kriterien. Wenn man aber - um es pointiert zu formulieren - 20% bis 40% des möglichen Ertrags verschenkt, nur um dem behördlichen Denkmalschutz zu gefallen, dann muss dies durchaus Thema ernster Diskussionen sein. Denn uneingefärbte Module sind ja nicht etwa "hässlich", jedenfalls nicht nach meinem Empfinden und auch nicht nach dem vieler anderer Menschen! - Ich war selbst mal Büromieter in einem denkmalgeschützten Gebäude und weiss, wie irrational die Behörden auch bei anderen baulichen Veränderungen oft denken und entscheiden. Vielleicht sollte die PV-Branche diese Art Denkmalschutz nicht einfach als gottgegeben hinnehmen, sondern mehr Überzeugungsarbeit leisten, allenfalls bis hin zu politischen Vorstössen?

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