Den starken Steinwänden des Altbaus aus dem 19. Jahrhundert entsprechen die aufgrund der hohen Wärmedämm-Anforderungen (Minergie-P Eco) 80 cm dicken Wände des Neubaus. ©Bild: T. Rütti

Der Haupteingang des gesamten Museums befindet sich neu im Gelenk zwischen dem alten Museumstrakt und dem Flügel an der Limmat, der ursprünglich als Kunstgewerbeschule gedient hatte. ©Bild: T. Rütti

Die geschliffenen Betonböden im Neubau stellen eine zeitgenössische Interpretation der dekorativen Terrazzoböden des Altbaus dar. ©Bild: T. Rütti

Die Schadstoffe der Aussenluft, wie beispielsweise Ozon, Stickoxide und Schwefeldioxid, müssen durch die Haustechnik gefiltert werden, was Michael Hüssle, Ing. HLK, Stokar+Partner AG, in seinem Vortrag schilderte. ©Bild: T. Rütti

Barbara Jehle, Geschäftsführerin Bau-und Umweltchemie AG, ging es in ihrem Vortrag um die emittierenden Schadstoffe aus Baumaterialien im Innenraum. ©Bild: T. Rütti

Mona Farag, dipl. Ing. KIT, Christ & Gantenbein: «In einer letzten Sanierungsetappe werden zwischen 2017 und 2020 der historische Westflügel und der Turm renoviert werden.» ©Bild: Toni Rütti

Luigi Razzano, Betriebsprojektleiter Landesmuseum: «So unterschiedlich Alt- und Neubau sind, es wurden auch architektonische Gemeinsamkeiten thematisiert; Alt und Neu werden als Einheit wahrgenommen.» ©Bild: Toni Rütti

Landesmuseum: Minergie-P Eco Zertifikat für den Neubau

(TR) Ein altehrwürdiges Museum mit einem Anbau zu ergänzen, ist immer eine Herausforderung. Der am Nationalfeiertag 2016 in Betrieb genommene Erweiterungsbau des Landesmuseums, ein Minergie-P-Eco-Bau, soll als eine «zeitgenössische Antwort, ja sogar als eine statistisch Meisterleistung» verstanden werden, wie es auf einem Rundgang hiess.


Nach 15 Jahren Planungs- und Realisationszeit war es im vergangenen Sommer soweit: Das Landesmuseum in Zürich konnte dem Publikum fortan nicht nur ein breiteres Angebot bieten. «Der neue Minergie-P-Eco Bau ist eine radikale Geste gegenüber der bestehenden schlossartigen traditionellen Anlage. Der Baustand Minergie-P Eco Zertifikat gilt für den Neubau, während dem Altbau das Minergie-Zertifikat verliehen wurde», hiess es unlängst anlässlich eines geführten Rundgangs, der von der Organisation Forum Energie Zürich organisiert worden war und an welchem 80 Interessierte teilnahmen.

Ein auf Museumsbauten zugeschnittenes Tool
Ein Vorhaben wie das Landesmuseum konnte nur gelingen, wenn von Anfang an Ziele und klare Standards definiert werden. Also hat sich die Bauherrschaft für eine Zertifizierung des Erweiterungsbaus nach Minergie-P-ECO und GI GUTES INNENRAUMKLIMA entschieden. Die Gebäudekategorie Museum existierte aber nicht und demzufolge gab es auch keinen Vorgabenkatalog für Museen. Die Zertifizierungsstelle Minergie ECO hat deshalb ein auf Museumsbauten zugeschnittenes Tool entwickelt und dem Landesmuseum zur Verfügung gestellt. Insgesamt wurden im Landesmuseum hervorragende Werte an allen Messpunkten erreicht und der Erteilung der Zertifikate Minergie ECO und GI Gutes Innenraumklima stand nichts mehr im Wege. Damit ist das Landesmuseum das erste zertifizierte Gebäude dieser Art und wird in jeder Hinsicht als Leuchtturmprojekt in die Geschichte der Schweiz eingehen.

Hohe
Wärmedämm-Anforderungen
So unterschiedlich Alt- und Neubau sind, so sehr wurden auch architektonische Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten thematisiert. Sie sollen dazu beitrage, dass Alt und Neu als Einheit wahrgenommen werden: Den starken Steinwänden des Altbaus aus dem 19. Jahrhundert entsprechen die aufgrund der hohen Wärmedämm-Anforderungen (Minergie-P Eco) sage und schreibe 80 cm dicken Wände des Neubaus. Den Tuffstein-Fassaden des Altbaus entspricht der eigens für dieses Projekt entwickelte Tuff-Beton der Neubaufassaden. Und die geschliffenen Betonböden im Neubau stellen eine zeitgenössische Interpretation der dekorativen Terrazzoböden des Altbaus dar. Im Innern der neuen Museumsräume dominiert Beton. Zusammen mit den bewusst inszenierten Technikelementen an den Decken lässt er eine moderne, beinahe industriell anmutende Raumatmosphäre entstehen: robust und grosszügig – offen für vielseitige Formen des Inszenierens und Ausstellens. Die neuen Räume des Landesmuseums sind als museale Werkhallen konzipiert – bewahrend und experimentell zugleich, wie es bei der Besichtigung hiess

Gefahren für Museen und Menschen?
Die Gefährdung von Kunst- und Kulturgut in Ausstellungen durch Umgebungseinflüsse ist ein bekanntes Problem. Die Schadstoffe der Aussenluft, wie beispielsweise Ozon, Stickoxide und Schwefeldioxid, müssen durch die Haustechnik gefiltert werden, was Michael Hüssle, Ing. HLK, Stokar+Partner AG, in seinem Vortrag schilderte. Barbara Jehle, Geschäftsführerin Bau-und Umweltchemie AG, ging es in ihrem Vortrag indessen um die emittierenden Schadstoffe aus Baumaterialien im Innenraum: «Neben Licht, Temperatur und Luftfeuchte können sie irreversible Schadensprozesse verursachen. Um einen präventiven Schutz zu erreichen musste eine gezielte Auswahl und Verwendung  von Materialien mit unbedenklichen Inhaltsstoffen getroffen werden. In der Praxis ist das oft nicht einfach, zumal Produkte und Rezepturen ständig wechseln.»

Nachhaltigkeit, besonders bei den Bauprodukten 
Zunächst war die umfangreiche Nachhaltigkeits-Strategie des Bundes zu beachten. Dort ist festgelegt, dass Bauwerke wirtschaftlich, umweltschonend und gesundheitsverträglich und sozial verantwortungsvoll produziert werden müssen. Die Materialien sollten unterhaltsarm und langlebig sein. In ihrer Wertigkeit sollten sie sich an der umgebenden Bausubstanz, die Gustav Gull vor 120 Jahren geschaffen hat, orientieren. «Priorität hatte die Raumluftqualität. Ein Museum nimmt in diesem Kontext eine Sonderstellung ein: Es gilt nicht nur ein gesundes Raumklima für den Menschen zu gewährleisten, hier ist auch der bestmögliche Schutz für den Erhalt des Sammlungsguts zu erreichen», zitieren wir Barbara Jehle.

Besucherinfrastruktur neu konzipiert

Neben dem Neubautrakt wurde im Zuge dieser Bauetappe auch ein grosser Teil des Altbaus nach denkmalpflegerischen Grundsätzen aufwendig saniert und umgebaut (Erdbebensicherheit- und Brandschutzmassnahmen). Der Haupteingang des gesamten Museums wurde verlegt und befindet sich jetzt im Gelenk zwischen dem alten Museumstrakt und dem Flügel an der Limmat, der ursprünglich als Kunstgewerbeschule gedient hatte. Zusammen mit dem neuen Eingang wurde auch die gesamte Besucherinfrastruktur mit Foyer, Garderoben, Shop und Restaurant neu konzipiert. Das Restaurant mit Bar wird im Sommer auf dem neu gestalteten Museumsplatz eine Gartenwirtschaft anbieten und so zusätzlich zur Belebung dieses zentralen urbanen Orts beitragen. In den Obergeschossen des historischen Limmatflügels befindet sich ein modernes, öffentliches Studienzentrum. Die Räume für die Museumsverwaltung sind nun im Dachgeschoss des alten Museumsbaus untergebracht. Etappen des 2002 als Wettbewerb ausgeschriebenen Sanierungs- und Erweiterungsprojekts:

  • 2006 bis 2009 Sanierung Bahnhofflügel
  • 2012 bis 2015 Erstellung Erweiterungsbau
  • 2013 bis 2014 Sanierung Kunstgewerbeschulflügel
  • 2014 bis 2015 Sanierung Hofflügel und Innenhof
  • 2016 Rückbau Provisorium und Umgebungsarbeiten
  • 31. Juli 2016 Eröffnung Erweiterungsbau

Schlussspurt: Westflügel und Turm werden auch noch renoviert
Mit den abgeschlossenen Bauarbeiten ist die bauliche Erneuerung des Landesmuseums Zürich allerdings noch nicht ganz zu Ende gebracht. In einer letzten Sanierungsetappe werden zwischen 2017 und 2020 der historische Westflügel und der Turm renoviert. 2020 wird das komplette Landesmuseum wieder zur Verfügung stehen und so ein neues Kapitel in der musealen Präsentation der Schweizer Geschichte aufschlagen.

Bund, Kanton, Stadt und Stiftungen

Bauherr war und ist die Schweizerische Eidgenossenschaft, vertreten durch das Bundesamt für Bauten und Logistik BBL. Die Gesamtkosten für den Erweiterungsbau und die Sanierung des bestehenden Museums betrugen CHF 111 Mio. CHF. Finanzierung: Schweizerische Eidgenossenschaft CHF 76 Mio., Kanton Zürich CHF 20 Mio., Stadt Zürich CHF 10 Mio., der Rest wurde von Stiftungen beigesteuert. Die Dimensionen: Geschossfläche Neubau 7‘400 m2, Hauptnutzfläche Neubau 6‘100 m2, Ausstellungsfläche Neubau 2‘200 m2, Gebäudevolumen Neubau 41‘800 m3.

©Text: Toni Rütti, Redaktor ee-news.ch

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