"Die zentrale Frage bleibt: Wann endlich entscheiden wir uns für eine echte nachhaltige Energieversorgung, die auch unseren Wohlstand und jener der künftigen Generationen sichert!?" Anita Niederhäusern

Atomausstieg: Verlässliches Abschaltdatum fehlt weiterhin

(©AN) Als hätten die Super-GAU in Tschernobyl und Fukushima nie stattgefunden, lehnt die Schweizer Bevölkerung den Atomausstieg mit über 54% ab. Damit vergibt sie die Chance, den Erneuerbaren einen tüchtigen Schub zu verpassen, inklusive der zurzeit defizitären Wasserkraft. Doch mit der Ablehnung an der Urne werden unsere AKW nicht sicherer und das finanzielle Desaster der AKW-Betreiber auch nicht kleiner.

Mit der Ablehnung an der Urne ist die Gefahr, welche vom ältesten AKW-Park der Welt ausgeht, auch fünf Jahre nach Fukushima keinen Deut geringer geworden. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI hat das von ihm geforderte Langzeitkonzept für unsere AKW-Oldtimer, das ihm vom Parlament verwehrt wurde, immer noch nicht im Sack. Alles bleibt somit beim Alten, und das verheisst nun wirklich nichts Gutes, ganz im Gegenteil. Desgleichen die Argumente, wie beispielsweise jenes von Bundesrätin Doris Leuthard anlässlich des Kongresses der AEE Suisse vom 14. November 2016 in eher gereiztem Ton: „Bei der Atomkraft haben wir ja nur ein ganz kleines Restrisiko.“

Prekäre finanzielle Lage der AKW-Betreiber
Der verbindliche Atomausstieg auf Verfassungsebene fehlt nach diesem unglücklichen Abstimmungswochenende nach wie vor. Mit dem unterminierten Weiterbetrieb unserer AKW steigt bekanntlich auch das Unfall-Risiko. Anlass zur Sorge bereitet vor allem die prekäre finanzielle Lage der AKW-Betreiber, denen das Geld für die dringend erforderlichen Sicherheitsinvestitionen fehlt. Altersschwache AKW, uneinsichtige Betreiber und eine zu schwache Atomaufsicht sind eine sehr explosive Mischung. Das ist umso tragischer, als unsere AKW einerseits mit jedem Monat mehr Verluste einfahren und wir andererseits über genügend Potenzial verfügen würden, um uns zu 100% mit einheimischer und erst noch sauberer Energie zu versorgen. Die Technologien sind erprobt, nur umsetzten müssten wir sie. Viele Unternehmen, unzählige KMU aus Industrie und Gewerbe, bauen bereits an dieser Energiezukunft. Sie schaffen Arbeitsplätze und Einkommen in allen Landesregionen. Darauf lässt sich bauen, der geordneten und verbindlichen Atomausstieg hätte die Branche beflügelt.

Atomkraft: Das grösste finanzielle Desaster der Schweiz
Gekonnt hat die Energiebrache nach dem Netzausbau und der Stromlücke auch noch die Netzinstabilität hoch gehalten, sich plötzlich für Kohlestromimporte interessiert und nach Entschädigungen geschrien. Und die Mehrheit der Bevölkerung hat ihr offenbar blindlings geglaubt. Schade: Einmal mehr konnten wir unsere Argumente nicht glaubhaft rüberbringen. Die Atomkraft werde das grösste finanzielle Desaster der Schweiz, erklärte Toni Gunzinger ebenfalls am AEE Suisse Kongress. Die AKW-Betreiber müssten mit grösster Sicherheit in eine „Bad Bank“ verfrachtet werden, um sie vor dem Konkurs zu bewahren. Auch daran wird der heutige Entscheid an der Urne nichts ändern.

Wann bloss wachen wir auf? Seien wir ehrlich: Das erste Massnahmenpaket zur Energiestrategie ist doch nur ein Tropfen auf den heissen Stein, das Geld schon fast ausgegeben, auch das hat Bundesrätin Doris Leuthard am AEE Kongress berichtet. Die zentrale Frage bleibt: Wann endlich entscheiden wir uns für eine echte nachhaltige Energieversorgung, die auch unseren Wohlstand und jener der künftigen Generationen sichert!?

Siehe auch zum Abstimmungssonntag:

Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin ee-news.ch

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