Pascal Affolter und Jacques Bonvin, seit 20 Jahre gemeinsam am Steuer der Solstis unterwegs für mehr Photovoltaikstrom. Bild: Edisun Power

147-Kilowatt-Photovoltaiküberdachung mit semitransparenten Modulen für eine Abfallentsorgungsanlage in Prangins. Bild: Solstis

Solstis: 20 Jahre engagiert für die Photovoltaik

(©AN) Mit der Gründung von Solstis vor 20 Jahren waren die beiden Geschäftsführer und Inhaber Jacques Bonvin und Pascal Affolter wohl die erste der Schweiz, die ausschliesslich auf Photovoltaik setzten. 2015 setzte das Unternehmen 30 MW Photovoltaik um. Ein Gespräch am Firmensitz in Lausanne über die begrenzten Potenziale der Einmalvergütung und die Vorzüge der KEV.


Welches sind d
ie schönsten Photovoltaikanlagen, die Solstis 2015 gebaut hat?
Jacques Bonvin: Wir haben in Prangins eine 147-Kilowatt-Photovoltaiküberdachung mit semitransparenten Modulen für eine Abfallentsorgungsanlage gebaut, die doch ganz besonders war. Und die Gemeinde ist sehr zufrieden mit dem Projekt.

Warum wurden semitransparente Module verwendet?
Jacques Bonvin: Die Anlage überdeckt den Platz, auf dem die Bewohnerinnen und Bewohner ihren Kehricht sortieren, also müssen die Module auch Tageslicht durchlassen. Pascal Affolter: Der regionale Energieversorger hat die Anlage bauen lassen und verkauft den Strom als Ökostrom.

Gab es weitere besondere Anlagen?
Jacques Bonvin: Wir haben ziemlich viele Photovoltaikanlagen an Böschungen bei Einfamilienhäusern gemacht. Mit Leistungen von drei, sieben, zehn Kilowatt. Solche Anlagearten sind neu, sie sind unauffälliger als die Anlagen auf dem Dach. Die Zeiten der noch grösseren und noch schöneren Anlagen sind vorbei. 1 Megawatt-Anlagen sind heute schon gewöhnlich. Zudem planen wir nicht mehr so viele neue Projekte dieser Grösse, da ja nicht klar ist, ob Neuanmeldungen auf der KEV-Warteliste noch Förderung erhalten werden.

Wie viele Megawatt haben Sie letztes Jahr verbaut?
Pascal Affolter: Wir haben insgesamt 30 Megawatt umgesetzt, rund die Hälfte davon haben wir selber montiert.

Und die Projekte für 2016, gehen die grossen Anlagen weiter zurück?
Genau, die Information von Swissgrid, dass KEV-Anlagen auf der Warteliste keinen gesicherten Anspruch mehr auf die KEV haben, hat den Markt stark gebremst. Wir warten also ab, was in Sachen Energiestrategie 2050 entschieden wird. Im Moment bauen wir noch grosse Anlagen, die bereits auf der Liste sind, aber danach werden es deutlich weniger sein.

Was würde es bringen, wenn die Einmalvergütung auf 100 kW erhöht würde?
Pascal Affolter: Das ist im Gesetzestext bereits so vorgesehen. Und wir würden natürlich nicht nein sagen! Jacques Bonvin: Genau, denn über 30 Kilowatt gibt es heute einfach keine Förderung mehr. Das würde der Branche eine Verschnaufpause geben, aber ich denke nicht, dass das den Zubau deutlich erhöhen würde, denn wenn im Gebäude, auf dem die Anlage steht, nicht genügend Eigenverbrauch stattfindet, ist die Einmalvergütung weniger sinnvoll als die KEV.

Die KEV müsste folglich auf jeden Fall weitergeführt werden
Jacques Bonvin: Daran glauben wir nicht mehr wirklich … Pascal Affolter: Wenn die KEV ganz wegfällt, wird der Markt massgeblich gebremst werden und wir werden jährlich vielleicht noch die Hälfte der aktuellen Leistung zubauen. Aber Arbeit gibt es noch immer, nur auf einem tieferen Niveau.

Pascal Affolter: Es geht ja im Moment nicht nur um die fehlenden Rahmenbedingungen, sondern auch um den Strommarkt, der an einem Überangebot leidet. Mit der Einmalvergütung und den dazu sehr tiefen Strompreisen ist es umso schwieriger, jemanden von einer Photovoltaikanlage zu überzeugen: Wenn ein Dachbesitzer sagen wir 9 bis 11 Rappen pro Kilowattstunde Strom zahlt, wird es umso schwieriger, ihm eine Anlage zu bauen, die finanziell überzeugt. Da müssen wir auch auf den Goodwill ders Investoren zählen. Wenn das Modell eher auf einem Businesscase aufbaut, bei dem die Gebäudebesitzer einen kleinen Gewinn erwirtschaften können, dann wird aktiv ein Marktvolumen geschaffen. Bei der Einmalvergütung hängt der Entscheid eher vom Zufall ab.

Wir wären also wieder bei Marktverhältnissen wie 2007, bevor die KEV eingeführt wurde
Pascal Affolter: Ich denke nicht, dass der Markt auf dieses Niveau sinken wird, aber der Markt wird sich abschwächen. Wir haben auch noch das Problem, dass in der Schweiz ein Konsens herrscht: Photovoltaik gehört bei uns in der Schweiz auf die Dächer mit dem entsprechenden Eigenverbrauch darunter. Hier ist das Potenzial klein, weil es nicht unendlich viele Dächer gibt, bei denen der Solarstrom vor Ort gebraucht werden kann, das verkleinert das Potenzial durch den Faktor fünf. Im Gegensatz dazu gibt es viele interessante Dächer, die zwar für die Photovoltaik geeignet sind, unter denen aber kein Strom verbraucht wird.

Die Einmalvergütung ist also aus Ihrer Sicht vor allem ein Instrument für den Eigenverbrauch?
Pascal Affolter: Dem ist so, auch wenn es gut kommuniziert werden kann, das Potenzial wird kleiner. Das System ist auch willkürlich. Stellen Sie sich zwei grosse Gebäude auf zwei Parzellen nebeneinander vor: Bei einen wurde das Dach ganz neu mit Photovoltaik eingedeckt, aber im Gebäude selber wird kein Strom gebraucht. Das andere Gebäude ist eine Fabrik mit einem hohen Stromverbrauch, mit einem Dach, das nicht so gut geeignet ist, und der Besitzer will keine Photovoltaikanlage bauen. Zwischen den Gebäuden ist eine Distanz von 20 Metern, und trotzdem wäre der Besitzer mit dem neuen PV-Dach mit der Einmalvergütung auf der schlechteren Seite. Wir müssen folglich einen neuen Ansatz finden. Mit der KEV konnte man, wenn man ein geeignetes Dach sah, direkt ein Projekt anreissen, weil der finanzielle Anreiz gegeben war. Das ist mit der Einmalvergütung nicht mehr möglich, sie feuert vor allem den Bau von kleinen Anlagen an. So dass wir statt einer 100-Kilowatt-Anlage 33 3Kilowatt-Anlagen bauen. Das ist nicht unmöglich, aber um ein Vielfaches komplizierter.

Und Solstis ist trotzdem immer noch mit 50 Mitarbeitenden unterwegs, auch mit all den kleinen Anlagen?
Pascal Affolter: Wir bauen immer noch Grossanlagen.

Die in der KEV sind?
Pascal Affolter: Zum Teil, aber nicht immer. Wir bauen gerade eine 1.35-Megawatt-Anlage, die 2013 den positiven Entscheid von Swissgrid erhalten hat. Der Bauherr weiss aber nicht, ob er sie dann wirklich eines Tages erhält, aber er geht das Risiko ein, da er den Strom vor Ort braucht. Es gibt immer wieder Projekte, bei denen die Bauherren dieses Risiko auf sich nehmen. Letztes Jahr haben wir zum Beispiel für den Eigenverbrauch zwei 300-Kilowatt-Anlagen für die Migros gebaut. Es gibt folglich immer noch ein Potenzial, aber es ist deutlich kleiner.

Jacques Bonvin: Genau, aber der Markt kann nicht so direkt bearbeitet werden. Mehrere Kriterien müssen gleichzeitig passen: Man muss sich vor Ort auskennen, der Eigenverbrauch muss stimmen und die Gebäudebesitzer müssen einverstanden sein, eine Anlage zu bauen. Mit der KEV konnten wir direkt auf die Leute zugehen, wenn sie die Anlage nicht selber bauen wollten, konnten wir einen Investor finden. Das ist zwar auch heute noch möglich, aber der Besitzer müsste den Strom trotzdem abnehmen. Mit der KEV gibt es nur die Schnittstelle zu Swissgrid, das ist viel einfacher.

Pascal Affolter: Der zeitliche Aspekt kommt noch dazu. Ein Gebäudebesitzer, zum Beispiel ein Unternehmer, muss beim Eigenverbrauch einrechnen, dass der Eigenverbrauch in den nächsten 20 Jahren stattfindet. Jacques Bonvin: Und er könnte zum selben Preis den Strom auf dem Markt kaufen. Vielleicht ist der Solarstrom einen Rappen günstiger, aber das macht den Braten auch nicht feiss. Wenn sein Unternehmen 300‘000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht, macht er einen Gewinn von 3000 Franken, das sind Peanuts. Denn dafür hat er 20 Jahre lang eine Anlage auf dem Dach, für die er verantwortlich ist. Er will sich nicht darum kümmern, das ist ja nicht sein Geschäft! Wenn wir also kommen und sagen, du erhältst von uns das Geld für die Dachnutzung, aber mit der Anlage selber hast du nicht zu tun, dann ist das Geschäft viel einfacher.

Also braucht es wieder das persönliche Engagement der Unternehmer …?
Genau, es gibt immer welche, die das tun werden.
In Ihrem Newsletter haben Sie die Zusammenarbeit mit den Services Industriels de Lausanne SIL angekündigt. Was beinhaltet sie?
Jacques Bonvin: SIL bietet ihren Kundinnen und Kunden schlüsselfertige Photovoltaikanlagen an, wir bauen diese im Auftrag von SIL.

Werden die Anlagen von SIL zusätzlich gefördert?
Jacques Bonvin: Nein, es geht ausschliesslich um den Anlagebau, die SIL tritt neu in den Markt ein, wie es zum Beispiel schon Ikea oder Romande Energie machen.

Politisch stehen die Zeichen nicht so gut, dass es rasch vorwärts geht mit der Inkraftsetzung des neuen Energiegesetzes. Wenn Sie Politiker wären, was würden Sie entscheiden?
Jacques Bonvin: Wichtig ist vor allem, dass das Gesetz so rasch wie möglich in Kraft tritt, das würde uns etwas frische Luft verschaffen. Sollte es bis 2018 dauern, werden das zwei harte Jahre.

Wie lange gibt es Solstis nun?
Jacques Bonvin und Pascal Affolter (aus einem Munde): Gestern waren es 20 Jahre!

Ich hätte eine Torte mitbringen sollen!
Jacques Bonvin: Genau, gestern haben wir gefeiert. Pascal Affolter: Genau, und wir werden weiterarbeiten. Wir haben Unterhaltsverträge und werden kleinere Anlagen bauen, solange sich politisch nicht mehr bewegt. Und wir haben auch Mitarbeitende, die wir alle weiterbeschäftigen möchten. Aber sobald das Gesetz in Kraft tritt, wird es wieder einen kräftigen Marktschub geben. Auch wenn die Tarife tief sein werden, wir können dank unserem Know-how günstige Tarife anbieten, tiefere als im Windbereich, als mit Biogasanlagen und günstiger als Atomstrom. Der durchschnittliche Preis über alle Anlagen ist bei uns unter 15 Rappen pro Kilowattstunde.

20 Jahre Solstis, an den Verkauf von Solstis haben Sie nie gedacht?
Pascal Affolter: Wir haben auch schon darüber nachgedacht, aber das hat nicht prioritär. Um eine gute Ehe zu schliessen, braucht es nicht nur eine schöne Braut. Es braucht auch einen Bräutigamm, der auf ihrer Höhe ist !

©Interview: Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin ee-news.ch

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