Neun Cargo-Velos der Marke «Butchers & Bicycles» sollen in den kommenden drei Monaten im Praxistest ihre Alltagstauglichkeit beweisen. Hier «Mister Gurten», Philippe Cornu. ©Bild: T. Rütti

Die Berner Gemeinderätin Ursula Wyss lobte die Idee, vorerst Berner Familien für drei Monate kostenlos ein eCargo-Bike der Marke «Butchers & Bicycles» zur Verfügung zu stellen. ©Bild: T. Rütti

Politprominenz aus Bundesbern im Velosattel, offenbar in fester Überzeugung, dass die Lastenradinitiative die Weichen für eine breite Umsetzung des Lastenrad-Konzepts stellt, und zwar über Hauptstadt hinaus. ©Bild: T. Rütti

Nationalrätin Aline Trede (Grüne) auf der Proberunde. Weitere Politiker folgten ihr, wie etwa die Nationalräte Jean-François Steiert, Jürg Grossen, Christian Wasserfallen und Ständerat Stefan Engler. ©Bild: T. Rütti

Carvelo: Der postfossilen Alltagsmobilität entgegenfahren

(©TR) Der Förderfonds Engagement Migros und die Mobilitätsakademie haben gemeinsam die Schweizer Lastenrad-Initiative Carvelo lanciert. Diese will den Einsatz von elektrischen und nicht-elektrischen Lastenvelos vorantreiben. Auf der Plattform www.carvelo.ch findet man allerlei Informationen und Dienstleistungsangebote zum Testen, Mieten, Teilen oder Kaufen des innovativen Fortbewegungs- und Transportmittel.


Die Mobilitätsakademie und der Förderfonds Engagement Migros lancierten am 18. Juni 2015 in Bern das erste Carvelo-Pilotprojekt beziehungsweise die Neuauflage des Berner Cargo- und Kinder-Bikes «CaKi-Bike». Neun Cargo-Velos der Marke «Butchers & Bicycles» werden für drei Monate den ersten am Projekt teilnehmenden Familien kostenlos zur Verfügung gestellt. Bedingung: Das Cargo-Bike muss mit zwei weiteren Familien geteilt werden. Bike-Sharing ist nämlich ein Element des Konzepts. Die zu erwartenden Feedbacks dürften zur Optimierung des Angebots beitragen und auch der Ankurbelung und Bekanntmachung des Vorhabens dienen.

Einbindung in die städtische Gesamtverkehrsplanung
In Zusammenarbeit mit privaten und öffentlichen Akteuren werden im Zuge von Carvelo-Pilotprojekten konkrete Anwendungsfelder des Cargo-Bikes getestet: Die Nutzung durch private Haushalte im Quartier, die Flottenanwendung im betrieblichen Kontext sowie die Einbindung in die städtische Gesamtverkehrsplanung. Die Projektkosten wurden an der Medienkonferenz konsequent nicht bekantgegeben. 

Pionierprojekt der Nachhaltigkeit
Das auf vorerst drei Jahre ausgelegte Projekt Carvelo hat das Ziel, den Einsatz von Lastenrädern in der Schweiz populär zu machen und die dazu nötige Informationsaufarbeitung, Marktentwicklung und Akzeptanz auf politischer Ebene zu fördern. Nach dem Startschuss in Bern soll das Angebot schrittweise ausgedehnt und in anderen Städten angeboten werden. Von der Projektidee liessen sich bisher folgende PolitikerInnen begeistern: Gemeinderätin Ursula Wyss, die Nationalräte Jean-François Steiert (SP), Jürg Grossen (GLP), Aline Trede (Grüne) und Christian Wasserfallen (FDP) sowie Ständerat Stefan Engler (CVP). Von Alain Brügger und Jonas Schmid, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Mobilitätsakademie, liessen sich die Bundesbern-VertreterInnen instruieren, um auf dem Berner Waisenhausplatz eigenhändig einer gesunden Entschläunigung zu frönen.

Vielfach effizienter als mit dem Auto
«Unsere Lastenradinitiative liefert den konkreten Beweis, dass sich viele Transportfahrten per Velo bewältigen lassen. Und dass dies in vielen Fällen bequemer, schneller und effizienter geht als mit dem Auto. Damit werden die Weichen für eine breite Umsetzung des Lastenrad-Konzepts gestellt», sagt Stefan Schöbi, Leiter von Engagement Migros. Mit diesem Förderfonds unterstützt die Migros-Gruppe Projekte in den Bereichen Kultur, Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Sport. Die Projekte werden von Unternehmen aus den Geschäftsfeldern Handel, Finanzdienstleistungen und Reisen finanziert. Die zur Verfügung gestellten Mittel entsprechen zehn Prozent der von den Unternehmen jährlich ausgeschütteten Dividende. Der Förderfonds gründet in der Verantwortung der Migros-Gruppe gegenüber der Gesellschaft und ergänzt die Fördertätigkeit des altbekannten Migros-Kulturprozent, mit dem Gottlieb Duttweiler seinerzeit das Migros-Sponsoring eingeläutet hatte.

Strukturwandel des Schweizer Verkehrssystems
Die Mobilitätsakademie widmet sich mit Carvelo ihrerseits einem neuen Themenfeld. «Unsere Vorstellungen von einer elektrischen Verkehrswelt bringen wir jetzt auf das Lastenrad. So befördern wir den Strukturwandel des Schweizer Verkehrssystems in Richtung einer postfossilen und gesunden Alltagsmobilität, die Jung und Alt Spass macht und zugleich das Portemonnaie schont», sagt Jörg Beckmann, Direktor der Mobilitätsakademie. Die Mobilitätsakademie beschäftigt sich seit 2008 mit zukunftsweisenden, nachhaltigen Mobilitätsformen und schafft über Verbandsgrenzen hinweg einen vorurteilsfreien Raum für kreatives Verkehrsdenken und -handeln. Mit ihren Programmen verfolgt sie drei Trends im Verkehrssektor:

  • die Dekarbonisierung des motorisierten Individualverkehrs dank seiner Elektrifizierung
  • die Deprivatisierung individueller Mobilitätswerkzeuge im Kontext der Share Economy
  • die Demotorisierung urbaner Verkehre und die Renaissance des Velos.

Lastenräder in der Schweiz populär machen
Die Message, die es nun zu kommunizieren gilt: So manche Transportfahrt, für die traditionell ein Auto eingesetzt wird, lässt sich problemlos auch per Lastenvelo erledigen. Pionierländer wie etwa die Niederlande oder Dänemark machen es vor; in Dänemark beispielsweise wurden vor Jahrzehnten schon zum Gaudi der Fahrer und der Zuschauerschar am Strassenrand und auf den Tribünen Lastevelo-Events durchgeführt. «Happiness to go», der heutige Slogan von Carvelo, hätte also auch schon in den 50ern seine Richtigkeit gehabt.

Die Plattform carvelo.ch
Wesentlicher Bestanteil der Initiative ist die von Julia Zosso (PR & Kommunikation, Mobilitätsakademie) betreute Plattform www.carvelo.ch. Wer seine Personen- und Gütertransporte künftig per Lastenvelo abwickeln möchte, findet hier umfassende Produktinformationen, eine Händlerliste, Erfahrungsberichte sowie Hinweise auf allerlei aktuelle Lastenrad-Aktivitäten. Ebenfalls wird einem ein breites Spektrum an Dienstleistungen schmackhaft gemacht. Dieses sieht unter anderem vor, ein Lastenrad mit anderen Velofahrern und velofahrenden Familien zu teilen, anstatt es zu kaufen, getreu der Maxime: «nutzen statt besitzen».

©Text: Toni Rütti, Redaktor ee-news.ch

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